Neue Hohentwiel-Ära in Hard besiegelt

Vorarlberg / 05.06.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neue Hohentwiel-Ära in Hard besiegelt
VN/STEURER

Bei einem Apéro auf der Oesterreich wurde auf die Vertragsunterzeichnung angestoßen.

Hard Seit 1. Juni ist es offiziell: Mit notarieller Bestätigung wurden an Bord der Oesterreich die Verträge zur Neukonzeption der künftigen Betreibergesellschaft für die beiden historischen Schiffe Hohentwiel und Oesterreich – zusammengefasst als Historische Schifffahrt Bodensee GmbH – unterfertigt und damit nach mehr als 30 Jahren eine neue Ära für das Schifffahrtsjuwel gestartet. Nach der Vertragsunterzeichnung stellte sich die Gesellschaftsspitze bei einem Apéro vor. Benno Gmür erläuterte die neue – in den VN bereits vorab dargelegte – Gesellschaftsstruktur. Dazu gab es weitere Statements und kurze Pressetexte des Vereins „Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum“ sowie der Historischen Schifffahrt Bodensee.

Hohentwiel Hard: Ein Großaufgebot hat an Bord der Oesterreich das umfangreiche Vertragswerk für die „Historische Schifffahrt Bodensee GmbH“ unterfertigt.
Hohentwiel Hard: Ein Großaufgebot hat an Bord der Oesterreich das umfangreiche Vertragswerk für die „Historische Schifffahrt Bodensee GmbH“ unterfertigt.

Kern dieses umfangreichen Vertragswerks: Bisherige Mehrheitsverhältnisse wurden grundlegend verschoben. Seit der Indienststellung 1990 wurde der originalgetreu restaurierte Raddampfer Hohentwiel – im Eigentum des 1984 gegründeten Vereins Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum – von einer Gesellschaft betrieben, an der die Gemeinde Hard mit 75,2 und der Verein mit 24,8 Prozent beteiligt waren. In der neuen Gesellschaftskonstruktion, in die auch die Oesterreich eingeflochten ist, hat sich der Anteil der Gemeinde Hard von 75,2 auf nur noch zehn Prozent reduziert. Je 35 Prozent Anteile halten der Hohentwiel-Verein und die Museumsschiff Oesterreich GmbH – bei der Unterzeichnung vertreten durch Gesellschafter Markus Flatz. Die restlichen 20 Prozent hält die Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG (SBS).

Hohentwiel war insolvent

Wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist, legte Geschäftsführer Benno Gmür in seinem Statement dar. Der Schweizer, auch Delegierter im SBS-Verwaltungsrat, war Anfang 2021 als Sanierer geholt worden. Nach einem Kassasturz habe er nach wenigen Wochen feststellen müssen, „dass die Hohentwiel Mitte März insolvent war“. Nur mit einer sofortigen Finanzspritze in der Höhe von 200.000 Euro habe die Schweizer Sektion des Vereins diese Insolvenz abgewendet, betonte Gmür, unter dessen Federführung die nunmehrige Gesellschaftskonstruktion entwickelt wurde.

Verwunderliche Abwesenheit

Neben Gmür gaben auch Vertreter der Gesellschafter ihre Statements ab, wobei es einigermaßen verwunderte, dass Josef Büchelmeier, Präsident des Hohentwiel-Vereins, bei diesem wichtigsten Ereignis seit Bestehen des Vereins fehlte – er hatte sich wegen „anderweitiger Termine“ entschuldigt.

In einer Aussendung weist Büchelmeier namens des Vereins darauf hin, dass das Schiff weiterhin im uneingeschränkten Eigentum des Vereins bleibt. Ein Verein, „der sich selbst nicht als Tourismusbetrieb, sondern in erster Linie als Verein zur Erforschung und Vermittlung der Schifffahrtsgeschichte am Bodensee versteht“. Deshalb merkt Büchelmeier im Pressetext weiters an: „Die Vereinsaktivitäten werden zudem künftig einen stärkeren Akzent bei Veranstaltungen und Angeboten beim nicht kommerziellen Satzungszweck haben. Dabei sollen Häfen und Orte am ganzen Bodenseeufer besucht werden. Der Verein versteht sich im Übrigen als internationaler und grenzüberschreitender Verein in der Bodenseeregion und wird von Mitgliedern aus den drei Ländern getragen.“
In der Tatsache, dass Hard statt bisher 75,2 Prozent Gesellschaftsanteil jetzt nur noch magere zehn Prozent besitzt, sieht Bürgermeister Martin Staudinger kein Problem – im Gegenteil, er ist überzeugt, dass die Stimme der Gemeinde auch mit der kleinen Minderheitsbeteiligung großes Gewicht hat und die neue Betreiberkonstruktion den Standort Hard langfristig sichert. „Das ist im Gesellschaftervertrag auch so verankert.“
Inoffiziell war dazu allerdings zu erfahren, dass die Langfristigkeit offenbar ein Ablaufdatum hat und der Standort Hard nur für eine Laufzeit von 15 Jahren festgeschrieben wurde. STP

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