Wolfgang Burtscher

Kommentar

Wolfgang Burtscher

Der Pragmatiker

Vorarlberg / 14.06.2021 • 09:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Wenn ein Parteichef nach 24 Jahren geht, ist das eine Nachbetrachtung wert. Die Arbeit von Johannes Rauch zu rühmen, überlasse ich den bei Abschieden auftretenden Jubelpersern aus den eigenen Reihen. Doch auf einige Fakten in der Karriere eines der erfolgreichsten grünen Politiker Österreichs sei hingewiesen. Etwa, dass Rauch 1997 nur Vorstandssprecher der Grünen wurde, weil er sich in einer Kampfabstimmung gegen das grüne Urgestein Kaspanaze Simma durchsetzen konnte. Jener Galionsfigur, der die Grünen 1984 den ersten Einzug in einen Landtag verdankt hatten und der einen Bekanntheitsgrad weit über das Land hinaus erreicht hatte, mit dem ZiB1-Interview im Kuhstall und ohne Schuhe im Landtagsplenum protestierend. Damals hatten die konservativen „Vereinten Grünen“ und die Grünalternativen gemeinsam den Einzug in den Landtag geschafft und sich nach fünf Jahren wieder getrennt. Bei den übrig gebliebenen Grünalternativen (später „Die Grünen“) herrschten strenge Sitten. Nach kurzer Zeit im Landtag, wenn man gerade eingearbeitet war, wurde man wieder hinaus rotiert. Ämterkumulierung war verpönt, und als Simma Vorstandssprecher und Abgeordneter sein wollte, Rauch aber listig für eine Ämtertrennung eintrat, wurde er der oberste Grüne.