Ist es mit den Gratistests bald vorbei?

Vorarlberg / 25.06.2021 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ist es mit den Gratistests bald vorbei?
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Was kosten Tests zukünftig? Welche Tests werden durchgeführt? Und wer macht sie? Vieles ist unklar.

Schwarzach Die Zahl der Menschen mit einer Coronaimpfung schreitet voran. Laut Dashboard des Landes ist ein Drittel aller Vorarlberger voll immunisiert, über die Hälfte erhielt zumindest die erste Impfung. Das reicht, um in Österreich von der Testpflicht für Restaurant- und andere Besuche befreit zu werden. Deshalb braucht es weniger Tests. Vor allem in den größeren Stationen sinken die Nachfrage und das Angebot. Der österreichische Gemeindebund fordert deshalb, nur noch bis Herbst Gratistests anzubieten. Wer sich bis dahin nicht impfen lässt, soll die Tests selbst bezahlen, ist Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl überzeugt. Die Vorarlberger Gemeindeverbandspräsidentin, Andrea Kaufmann, ist vorsichtiger: “Ohne Gratistests würde es schwieriger werden, die Menschen zum Testen zu bringen.” Wie es im Herbst weitergeht, ist offen.

Neue Öffnungszeiten

Anfang Mai verzeichnete das Land den Testhöhepunkt. In einer Woche wurden 100.000 Antigentests von medizinischem Personal sowie 78.000 Selbsttests unter Aufsicht gezählt. In der Vorwoche waren es noch 43.000 Antigentests und 12.500 Selbsttests unter Aufsicht. Einst gab es in den 96 Gemeinden 146 öffentliche Teststraßen. Nun sind es 101. Heute, Freitag, präsentiert das Rote Kreuz zudem die reduzierten Öffnungszeiten ab 1. Juli. Allerdings bleibt die Kapazität hoch. Schließlich stehen die Ferien an, die Schultests fallen weg und fürs Vereisen werden Tests benötigt. Dass die Nachfrage sinkt, erklärt sich der zuständige Landesrat Christian Gantner nicht nur mit dem Impffortschritt. “Wir kommen mit den Wohnzimmertests immer stärker in die Breite.” 

Kaufmann ist überzeugt, dass es ein Testangebot braucht, so lange die 3G-Regel (geimpft, getestet oder genesen) aufrecht ist. “Aber ich glaube nicht, dass man auf Dauer ständig Gratistests anbietet.” Gantner ist überzeugt: Egal, ob man sich im Herbst für Gratistests entscheide oder nicht, es sollte bundesweit einheitlich geschehen. “Ich verhehle nicht, dass ich mich frage: Wieso muss man niederschwellige Testmöglichkeiten aufrecht erhalten, die Geld kosten und Aufwand verursachen, wenn es andere Möglichkeiten gibt, nämlich die Impfung?” Die Bundesregierung plant zudem, die Wiener PCR-Gurgeltests auf ganz Österreich auszurollen. “Wir prüfen, in wie fern es in Vorarlberg umsetzbar ist”, sagt Gantner. Die Pathologie in Feldkirch schaffe 2000 PCR-Tests pro Tag, wenn es eng wird 4000. Zusätzlich gibt es private Anbieter.

Unklar ist noch, wer die öffentlichen Teststraßen betreibt. Am Donnerstag endete die Frist für die Ausschreibung. Ein Angebot ist eingegangen. Das Rote Kreuz befindet sich nicht darunter, die Vereinbarung mit dem Land läuft im Herbst aus. Um besagte Vereinbarung läuft derzeit ein Streit vor dem Landesverwaltungsgericht. Testanbieter AMZ bemängelt fehlende Verträge zwischen Land und Rotem Kreuz.

Text: Birgit Entner-Gerhold & Michael Prock

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