Bauland auf der Autobahn – Grüne mit reizvoller Vision

Vorarlberg / 01.07.2021 • 16:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bauland auf der Autobahn - Grüne mit reizvoller Vision
Zwei Männer, eine Vision: Johannes Rauch und Architekt Gerold Strehle können sich vom Gebhardsberg einen anderen Blickfang ins Tal als die Autobahn vorstellen. VN/HÄMMERLE

Auf 1,8 Kilometer Länge von Wolfurt bis zur Bregenzerach soll die Autobahn “eingehaust” werden.

Bregenz “Das Projekt hat heute das Licht der Welt erblickt”, freut sich Umweltlandesrat Johannes Rauch (62, Grüne) am Gebhardsberg und wirft von dort einen Blick ins Tal, das irgendwann anders ausschauen soll.

Wo heute und wohl auch noch für einige Zeit die Autobahntrassen das Land zerschneiden und Verkehrslärm erzeugen, soll irgendwann der Blick auf Häuser und Häuschen fallen, die mitten im Grünen stehen. Möglich machen soll das eine sogenannte Einhausung der Autobahn auf einer Länge von 1,8 Kilometern zwischen Wolfurt und der Bregenzerach

Tragfähiger Deckel

“Es ist im Prinzip ganz einfach”, leitet Gerold Strehle, Architekt und Schöpfer der Vision, seine Beschreibung ein. “Wir bauen auf dem vorgesehenen Abschnitt einen tragfähigen Deckel über die Autobahn. Die Autos fahren auf dieser Strecke in einem künstlichen Tunnel. Dieser Deckel ist so tragfähig, dass darauf Wohnanlagen, Bewerbebetriebe und sogar Industriebetriebe entstehen können.”

“Es ist im Prinzip einfach. Wir bauen auf dem vorgesehenen Abschnitt einen tragfähigen Deckel über die Autobahn.”

Gerold Strehle, Architekt

Gewonnen werden sollen dadurch 20 Hektar kostbares Bauland. Aufgrund der Tatsache, dass der benötigte Grund nur zwei Eigentümern, dem Land und der Asfinag gehört, ist dieser billiger und zudem unkomplizierter zu erwerben, als Flächen mit vielen Grundeigentümern. “Wir gehen von Quadratmeterkosten von 650 bis 700 Euro aus. Das ist viel weniger als die derzeitigen Grundstückspreise”, betont Strehle.

Viele Vorteile

Für Johannes Rauch hätte die Umsetzung des Projekts eine große soziale und ökologische Bedeutung. “Bei Grundstückspreisen wie den derzeitigen wird sozialer Wohnbau immer schwieriger. Für die Umwelt würde das Einhausen der Autobahn auch die Schaffung von neuem Lebensraum mit der Chance auf Bildung eines gewaldigen Biodiversitätskorridor bedeuten”, listet der Umweltlandesrat die aus seiner Sicht offensichtlichen weiteren Vorzüge des Projekts auf.

Einen Vorteil sieht Rauch auch darin, dass die öffentliche Hand bei allen Bauplänen und Verwendungsoptionen das Sagen hätte. “Sie entscheidet, was und wie gebaut wird.”

Bereits umgesetzte Projekte

Strele weist auf ähnliche bereits umgesetzte Projekte hin. “An der Mühlkreisautobahn bei Linz, an der Brennerautobahn bei Innsbruck-Amras oder aktuell in Zürich Schwamendingen gibt es solche Modelle.”

Die Kosten der Einhausung des 1,8 Kilometer langen Abschnitts belaufen sich laut Strele auf circa 150 Millionen Euro. Landesrat Rauch möchte mit dem Projekt ab sofort auf Informations-und Werbetour gehen.