Schneller zur Wohnung bei drohender Gewalt

Vorarlberg / 01.07.2021 • 19:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Bauleistung ging zuletzt zurück. 2020 wurden 420 normale gemeinnützige Wohnungen und 47 nach dem Sonderwohnbauprogramm eingereicht. VN/Steurer
Die Bauleistung ging zuletzt zurück. 2020 wurden 420 normale gemeinnützige Wohnungen und 47 nach dem Sonderwohnbauprogramm eingereicht. VN/Steurer

Punktesystem für Wohnungsvergabe in Gemeinden wurde überarbeitet.

Schwarzach Bauen, bauen, bauen, lautet die Devise der Landesregierung, um den Vorarlberger Wohnungsmarkt zu entspannen. Die Zahl der gemeinnützigen Wohnungen soll jedes Jahr erhöht werden. Wer eine dieser Wohnungen beziehen darf, wird anhand eines Punktesystems geregelt. Bisher spielte zum Beispiel der Arbeitsplatz kaum eine Rolle. Das ändert sich nun, die Vergabe wird auf neue Beine gestellt. Wer Gewalt erlebt oder obdachlos ist, wird ganz oben gereiht.

In Vorarlberg gibt es über 21.000 gemeinnützige Wohnungen, wie aus dem Wohnungsvergabebericht 2020 hervorgeht. Ende 2020 waren 6127 Anträge aus 5432 Haushalten offen. Im Laufe des Jahres wurden 1721 Wohnungen vergeben. Die Zahl der vorgemerkten Haushalte sank netto um 130. Immer wieder wird über die Vergabe diskutiert, zuletzt 2019. Es ging vor allem um die Gewichtung der Punkte: Wer lange in einer Gemeinde gemeldet ist oder lange auf der Warteliste steht, erhält die meisten. Wer in einer Kommune arbeitet und dort hinziehen möchte, hat kaum eine Chance. Aus dem Gemeindeverband wurden Rufe nach einer Nachjustierung laut, die Grünen forderten sogar eine zentrale Wohnungsvergabe. Danach wurde es ruhig, zuletzt kam aber wieder Bewegung in die Sache, wie Gemeindeverbandspräsidentin Andrea Kaufmann den VN bestätigt. “Eine Arbeitsgruppe mit Teilnehmern aus verschiedenen Städten hat sich damit beschäftigt. Wir haben uns das Punktesystem genau angesehen.”

Chance bei Arbeitsplatz

Am Donnerstag präsentierte der zuständige Landesrat Marco Tittler dem Wohnbauförderungsbeirat das Ergebnis. Er spricht auf VN-Anfrage von zwei wichtigen Änderungen. “Gewalt und Obdachlosigkeit werden stärker gewichtet. Wenn in einer Beziehung Gewalt im Spiel ist und jemand ausziehen muss, oder wenn jemand gar keine Wohnung mehr hat, wird das am höchsten bewertet.” Außerdem wird der Arbeitsplatz berücksichtigt. “Die Dauer der Beschäftigung in einer Gemeinde wird in einer Kategorie mit der Meldezeit und der Zeit auf der Vormerkliste zusammengefasst und gedeckelt.” Das sei ein erster Schritt in Richtung Regionalisierung der Vergabe. Bei anderen Wertungen gab es kleine Änderungen. “Außerdem werden nicht mehr nur die Quadratmeter einer Wohnung eine Rolle spielen, sondern auch die Zahl der Zimmer.”

Laut Kaufmann befinden sich allein in Dornbirn 1000 Menschen auf der Warteliste, 200 bis 300 davon mit akutem Bedarf. Aber immer wieder kommen Meldungen aus Gemeinden, dass viele Menschen eine Wohnung ablehnen. Zukünftig soll es möglich sein, bei ungerechtfertigten Ablehnungen Punkte abzuziehen. Die neue Richtlinie soll laut Tittler in den kommenden zwei bis drei Wochen in der Regierungssitzung beschlossen werden.

Vergabe 2020

23 % aller Vergaben waren Wohnungswechsel innerhalb der Gemeinnützigen

 

41,5 % der Vergaben an Einpersonenhaushalte (45,8 % der Anträge)

 

69,8 % an österreichische Staatsbürger (bei 59 % der Anträge)