186.000 Euro Vereinsgelder verspielt, dennoch Freispruch

Vorarlberg / 05.07.2021 • 22:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Für den Angeklagten hieß es nach der Verhandlung am Landesgericht „Ende gut, alles gut“. eckert
Für den Angeklagten hieß es nach der Verhandlung am Landesgericht „Ende gut, alles gut“. eckert

Obmann sorgte rechtzeitig für vollständige Schadenswiedergutmachung, so bleibt er straffrei.

Feldkirch Spielsucht ist für Menschen, die dem Spielen nichts abgewinnen können, schwer verständlich.

Für andere, die ihr erlegen sind, ein Riesenübel und schwer in den Griff zu bekommen. „Ich habe viel zu spät gesehen, wie hoch der von mir angerichtete Schaden ist und viel zu spät erkannt, dass man ohne professionelle Hilfe aus dieser Sucht nicht mehr allein rauskommt“, entschuldigt sich der 37-jährige, am Landesgericht Feldkirch Angeklagte für das „Chaos“, das er ausgelöst hat. Seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Daniel Wolff, gelang es, den Schöffensenat davon zu überzeugen, dass in diesem Fall „tätige Reue“ vorliegt.

Eine rechtliche Bestimmung, die nur sehr selten zum Tragen kommt. Doch in dieser Causa verhalf sie dem einst Spielsüchtigen zu einem Freispruch. Er und seine Familie sind erleichtert. Der Angestellte ist mittlerweile in Therapie, seine Vereinsfunktion als Obmann legte er damals sofort zurück.

Gelder abgezweigt

In elf Monaten des vergangenen Jahres hatte der damalige Obmann eines Vorarlberger Kulturvereines insgesamt rund 186.000 Euro vom Vereinskonto abgezweigt und in Internetcasinos verspielt. Doch er gewann auch und überwies die Gewinne dann wieder zurück. Schlussendlich klaffte Ende Jahres aber doch ein beträchtliches Loch von über 20.000 Euro. Der Vizeobmann stellte ihn zur Rede, der Spielsüchtige räumte seine Schuld ein und erklärte sich bereit, bis zum Jahresende den gesamten offenen Betrag zurückzuerstatten. Noch am selben Tag bat er mehrere Verwandte und Freunde, ihm mittels privater Darlehen auszuhelfen, was diese auch taten. Im Schnitt liehen die Hilfsbereiten dem Mann je 4000 Euro. Der Angeklagte zahlt bei allen Geldgebern regelmäßig seine Raten zurück, er hat einen fixen Job und alles klappt reibungslos.

Verein schadlos geblieben

Der Verein wurde ebenfalls schadlos gehalten, weil der gesamte noch ausständige Betrag umgehend zurückerstattet wurde. Die rechtliche Frage war nun, ob diese Vereinbarung zur Schadensgutmachung so „rechtzeitig“ getroffen worden war, dass sie den Angeklagten auch straffrei macht.

Hier wurde akribisch nachgeforscht, was konkret ausgemacht wurde, welche Zahlungsziele und welche Beträge fixiert wurden.

Das Problem war, dass der genaue Schaden noch nicht feststand. Doch der Angeklagte hatte sich vorsorglich zu einer höheren Wiedergutmachung bereiterklärt, als dann schlussendlich notwendig war. Und zwar bevor polizeiliche Erhebungen stattfanden. „Was hätten Sie noch machen sollen?“, begründet Richter Christoph Stadler den Freispruch. Somit „Ende gut, alles gut“, Verteidiger und Freigesprochener strahlen, der Beschuldigte bleibt ohne Verurteilung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. EC