Unterflurtrasse der Bahn im Großraum Bregenz “machbar”

Vorarlberg / 05.07.2021 • 16:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unterflurtrasse der Bahn im Großraum Bregenz "machbar"
Auftraggeber und Studienautoren bei der Präsentation. STADT BREGENZ

Eine von der Stadt Bregenz finanziert Vorstudie bestätigt auch die Finanzierbarkeit.

Bregenz Mehrere Partner haben am Montagnachmittag im Bregenzer Rathaus ihre Vorstudie für die Verlegung der Eisenbahntrassen im Großraum Bregenz unter die Erde präsentiert. Das 1,5-Mrd-Projekt sei “machbar”, so das Resümee. Auftraggeber war die Stadt Bregenz, deren Bürgermeister Michael Ritsch (SP) hofft nun, fünf weitere betroffene Gemeinden und das Land Vorarlberg zu überzeugen.

Unterflurtrasse der Bahn im Großraum Bregenz "machbar"
Eine Visualisierung im Auftrag der Genossenschaft mehramsee zeigt, wie Bregenz mit einem Unterflurtrasse aussehen könnte. mehramsee

Verfasser der Vorstudie waren die Bregenzer Baugruppe Rhomberg, die international auch im Bahnbau tätig ist, ein Zivilingenieurbüro sowie der Vorarlberger Ableger des Finanzierungsexperten BDO. Demnach soll die rund zehn Kilometer lange Bahnstrecke zwischen der Staatsgrenze zu Deutschland und dem Güterbahnhof Wolfurt sowie der Abzweigung bei Lauterach in Richtung Schweiz in einem Tunnel bzw. Unterflurtrasse verlegt werden. Die Strecke wäre dann durchgehend zweigleisig, was heute zwischen Bregenz und Lochau entlang des Bodenseeufers nicht der Fall ist. Dieses Nadelöhr werden zwangsläufig in naher Zukunft zu Problemen führen, so der Bauunternehmer Hubert Rhomberg, da mit und ohne Zutun Vorarlbergs der Bedarf für Güterverkehr auf der Strecke steigen wird.

Unterflurtrasse der Bahn im Großraum Bregenz "machbar"
Präsentation der Vorstudie mit Stadtentwicklerin Andrea Krupski von Mansberg, Bürgermeister Michael Ritsch und Bauunternehmer Hubert Rhomberg. VN/Gasser

Der zweigleisige unterirdische Ausbau der Bahntrasse im Großraum Bregenz ist nicht nur technisch möglich, sondern auch notwendig. Denn unsere Nachbarn Deutschland und Schweiz haben in den vergangenen Jahren ihre Schienennetze stark ausgebaut: Mehr Personenschnellverbindungen und Güterzüge sind damit möglich. Die zusätzlichen Güterzüge wären beim derzeitigen Zustand aber nur mehr nachts unterzubringen“, so Hubert Rhomberg von ARGE Rhomberg-Zierl-BDO. Derzeit werden in Vorarlberg, vor allem ins benachbarte Ausland, 88% des Güter- und Warenverkehrs auf der Straße statt auf der Schiene abgewickelt. Mit dem Ausbau könnten bis zu 85% der Treibhausemissionen eingespart werden.

Unterflurtrasse der Bahn im Großraum Bregenz "machbar"
Die Präsentation der Vorstudie sorgte für großes Medieninteresse. VN/Gasser

Bürgermeister Ritschs “Fahrplan ist, auf kommunaler Ebene klare Beschlüsse herbeizuführen”, damit das Land ebenfalls nicht um das Projekt vorbeikomme. Den Beginn macht die Landeshauptstadt selbst bei ihrer Sitzung am 15. Juli. Am Ende sollten schließlich die ÖBB die Unterflurtrasse in die nächste oder übernächste 6-Jahre-Zielplanung aufnehmen.

Unterflurtrasse der Bahn im Großraum Bregenz "machbar"
Die Machbarkeitsstudie bestätigt sowohl die technische als auch finanzielle Machbarkeit. VN/Gasser

“Trotz der hohen Investitionssumme halten wir das Projekt unter den heutigen Rahmenbedingungen auf eine lange Laufzeit für finanzierbar. Die Umsetzung bedarf allerdings einer großen gemeinsamen politischen Willensbildung”, so der BDO-Partner Michael Grahammer. Berücksichtige man verschiedene Finanzierungskonzepte, Verkäufe jetziger Bahnflächen und Umwegrentabilitäten, läge die jährliche Gesamtbelastung der öffentlichen Hand auf 50 Jahre Laufzeit gesehen bei 21 Mio. Euro. Allein durch die fiskalischen Effekte würde fast ein Drittel der Investitionskosten in die Budgets von Bund, Land und Gemeinden zurückfließen.

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Die Studienautoren betonen, dass das Unterflur-Projekt für die öffentliche Hand nicht zuletzt auch aufgrund seiner hohen Umwegrentabilität in Bezug auf die Wertschöpfung finanzierbar ist. In Vorarlberg könnten so rund 9.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. „Die Umsetzung bedarf allerdings in einem ersten Schritt einer großen gemeinsamen Anstrengung und Willensbildung über die Parteigrenzen hinweg“, betont Studienautor Dr. Michael Grahammer von BDO.