Unterflurtrasse rückt ein Stück näher

Vorarlberg / 05.07.2021 • 19:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unterflurtrasse rückt ein Stück näher

Jahrhundertvision kein Luftschloss mehr: Vorstudie bestätigt sowohl technische als auch finanzielle Machbarkeit.

Bregenz Das Papier ist 165 Seiten stark und kommt zu einer wesentlichen Erkenntnis: Ein zweigleisiger Bahnausbau mit einer unterflur geführten Trasse zwischen Staatsgrenze Hörbranz und Güterbahnholf Wolfurt ist nicht nur technisch machbar, sondern auch finanzierbar. Zu diesem Schluss kommt eine von der Stadt Bregenz beauftragte Vorstudie, bei der unternehmensinterne Pläne von Rhomberg Bau, eine knapp 20 Jahre alte Analyse des Bahnexperten Gunther Zierl und die Finanzierungsexpertise des einstigen Hypo-Vorarlberg-Vorstandschefs Michael Grahammer (BDO) aktualisiert und zusammengeführt wurden.

Ein Stockwerk tiefer

Die Pläne sehen eine 11,2 Kilometer lange Hochleistungsstrecke vor, die bis zu 20 Meter unter der Erdoberfläche verläuft. „Die Streckenführung wäre so, wo sie auch heute ist, nur ein Stockwerk tiefer“, beschreibt Studienautor Hubert Rhomberg. Fließgewässer, Grundwasserbrunnen, Wasserschutzgebiet: Der Untergrund sei bekannt, aber auch herausfordernd. „Wir wissen aus Erfahrung, was uns hier erwartet.“ 4,5 Jahre für die Planung und weitere 5 Jahre Bauzeit, beschreibt die Studie eine Zeitleiste. Frühester und gleichzeitig anzustrebender Baubeginn: 2026. Ein Datum, das auch für die Kostenkalkulation relevant ist.

1,5 Milliarden Euro würde die Jahrhundervision verschlingen. Nicht machbar, zweifelten Skeptiker zuletzt immer wieder. Der renommierte Finanzexperte und Studienautor Michael Grahammer kommt zu einem anderen Schluss. „Trotz der hohen Investitionssumme halten wir das Projekt unter den heutigen Rahmenbedingungen auf die lange Laufzeit für finanzierbar.“ Der BDO-Partner hat für die Studie verschiedene Finanzierungskonzepte berücksichtigt. Der Fokus lag auf möglichst niedrigen Kosten für die öffentliche Hand. Die Kalkulationen sehen am Ende bei einer Laufzeit von 50 Jahren eine jährliche Gesamtbelastung von 21 Millionen Euro, wovon der Bund 14,8 Millionen, das Land 4,7 Millionen und die Anrainergemeinden sowie die Stadt Bregenz 1,56 Millionen Euro zu stemmen hätten. Verwiesen wurde gestern bei der Präsentation der Studie auch auf fiskalische Effekte, über die fast ein Drittel der Investitionskosten in die jeweiligen Budgets zurückfließen. Gleichzeitig würden Bahnflächen zurückgewonnen, die an Private verkauft werden könnten. Erwähnt werden Anrainerbauflächen mit 55.000 Quadratmetern, Bauflächen an den Bahnhofen Bregenz und Lauterach mit je rund 25.000 Quadratmtern. In Summe sollen so rund 100 Millionen Euro zusammenkommen. Zudem hätte die Realisierung auch Impulse für den Arbeitsmarkt. In der Zeit der Umsetzung würden 9000 Arbeitsplätze geschaffen.

Gespräche mit Land und Gemeinden

In Bregenz geht es dieser Tage Schlag auf Schlag. Erst am Freitag hat eine Expertengruppe den Masterplan Bregenz-Mitte präsentiert. Dieser sieht die Tieferlegung der Landesstraße vor. Eine Unterflurtrasse der Bahn wurde in einem längerfristigen Szenario ebenfalls berücksichtigt. Das Vorhaben strahlt weiter über Bregenz hinaus. Profitieren würden auch andere Anrainergemeinen. Er wolle jetzt alle Beteiligten von der Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit dieses für die Zukunft des Großraum Bregenz so bedeutenden Vorhabens überzeugen, sagt Bürgermeister Michael Ritsch.

Am Ende sollten die ÖBB die Unterflurtrasse in die nächste oder übernächste 6-Jahre-Zielplanung aufnehmen. Seitens der Bahn heißt es auf VN-Anfrage: „Wir werden die Studie sorgfältig prüfen“, so ÖBB-Infrastruktur-Manager Werner Baltram. Man wolle dem Vorhaben eine Chance geben und sich die Analyse vertieft anschauen.

Die Studienautoren empfehlen die Installierung einer Projektgruppe mit der Aufgabe, die nächsten Schritte zu strukturieren. Am 16. Juli soll in der Stadtvertretung ein Grundsatzbeschluss getroffen werden. Ein ähnliches Vorgehen erhofft sich Ritsch auch von den Nachbargemeinden. VN-MIG

„Der unterirdische Ausbau ist nicht nur technisch möglich, sondern auch notwendig.“

Gestern wurden Details der Studie der Öffentlichkeit präsentiert.
Gestern wurden Details der Studie der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Unterflurtrasse würde einen ungehinderten Zugang zum See erlauben.
Die Unterflurtrasse würde einen ungehinderten Zugang zum See erlauben.