Die bedeutsamen Träume einer Frau

Vorarlberg / 06.07.2021 • 20:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Über Träume kam Petra einem dunklen Geheimnis auf die Spur. VN/Kuster
Über Träume kam Petra einem dunklen Geheimnis auf die Spur. VN/Kuster

Träume wiesen Petra (64) den Weg zu einem dunklen Geheimnis.

Schwarzach Petra (Name geändert) wuchs in ihren ersten Lebensjahren bei einer Verwandten auf. Als sie acht Jahre alt war, holten sie ihre leiblichen Eltern zu sich. In der Pubertät überfielen Petra seltsame Gefühle. „Ich hatte fast ständig die Empfindung, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich wusste nicht, warum ich so fühlte. Ich konnte es mir nicht erklären.“ Petra entwickelte sich zu einer äußerst angepassten Frau. „Ich habe immer versucht, es jedem recht zu machen. Ich umsorgte alle und war für jeden da.“ Ein Nein kam so gut wie nie über ihre Lippen.

Depressionen peinigten sie

Als sie 20 Jahre alt war, verliebte sie sich in einen Mann. Es war der Beginn einer großen und mehrjährigen Liebe. Aber die Beziehung war überschattet von Petras Depressionen. Ihre dunklen Stimmungen peinigten sie und auch ihren Partner. Schließlich zerbrach die Lebensgemeinschaft, unter anderem auch deshalb, weil Petra keine Kinder in die Welt setzen wollte. „Ich wollte einem Kind nicht das antun, was man mir angetan hatte: in zwei Familien aufwachsen.“ Im Alter von 30 Jahren plagten sie über Wochen massive Verfolgungsträume. „Im Traum habe ich mich immer versteckt.“ Sie verstand damals nicht, was es mit diesen Träumen auf sich hatte und die Psyche ihr sagen wollte. Sie verstand auch nicht, dass sie ein Buch, zu dem sie in der Buchhandlung „zufällig“ gegriffen hatte, partout nicht lesen konnte. „Es handelte über ein Mädchen, dass sexuell missbraucht worden war. Ich konnte nur die ersten fünf Seiten lesen. Danach weinte und weinte ich.“ Immer wieder marterte sie im Alltag das Gefühl, allein und hilflos zu sein. Petra fand heraus, dass es ihr besser geht, wenn sie mit Menschen zusammen ist. Deshalb ging sie viele Jahre lang Kompromisse ein, nur um nicht allein zu sein. „Das Schlimmste ist für mich, allein zu sein, wenn es mir schlecht geht.“ Die berufstätige Frau fragte sich, warum das so ist, warum sie dermaßen Angst vor dem Alleinsein hat und das Einsamkeitsgefühl sie schon ein Leben lang begleitet. Sie fand für sich aber keine Antwort. Klarheit brachten erst drei bedeutungsvolle Träume, die sie im Alter von 52 Jahren träumte. In diesen Träumen sah sie sich als kleines Mädchen auf der Toilette sitzen. „Die Klotür ging knarrend auf, herein kam ein Mann, der mit uns im Haus gewohnt hatte. Ich fühlte mich hilflos, ohnmächtig und ausgeliefert.“ Diese Träume wühlten Petra zutiefst auf. Beinahe sofort breitete sich in ihr die Überzeugung aus, dass dieser Mann sie sexuell missbraucht hat.

 Übergriff bezeugt

Petra wollte jetzt mehr wissen. Sie fragte ihre Verwandte, bei der sie die ersten acht Lebensjahre verbracht hatte, ob sie vielleicht einmal Zeugin eines Übergriffes geworden sei. Die Antwort erschütterte sie. „Sie gestand mir, dass sie tatsächlich einmal gesehen hätte, wie er sich an mir verging.“ Petra, die jetzt vieles besser versteht, kann die Vergangenheit nicht mehr ändern, aber die Gegenwart kann sie gestalten. Die alleinstehende Frau besucht regelmäßig und gerne die Treffen der Selbsthilfegruppe „Treffpunkt Gemeinsam“. Sie ist für Menschen gedacht, die Kontakte knüpfen wollen. „Das gibt mir etwas. Dort kann ich Menschen kennenlernen.“ Aber die 64-Jährige hat im Lauf ihres Lebens dazugelernt. „Heute bin ich lieber allein, bevor ich Kompromisse eingehe.“ VN-kum

„Treffpunkt Gemeinsam“

Die Treffen der Selbsthilfegruppe „Treffpunkt Gemeinsam“ finden in Bregenz (beim Lebensraum Bregenz, Clemens-Holzmeister-Gasse 2) jeden dritten Donnerstag im Monat um 18 Uhr statt- es wird um telefonische Anmeldung gebeten (05574/52700). In Dornbirn trifft man sich jeden zweiten Mittwoch im Monat um 18 Uhr in der Selbsthilfe Vorarlberg, Schlachthausstraße 7 C. Telefonische Anmeldung unter 0664/4349654.