Maria, Josef und die Schmusetiger

Vorarlberg / 06.07.2021 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maria Feuerstein mit ihrem Liebling Max. Sie zähmte den wilden Kater vor zehn Jahren.
Maria Feuerstein mit ihrem Liebling Max. Sie zähmte den wilden Kater vor zehn Jahren.

Das Leben schenkte den Feuersteins keine Kinder. Aber sie wurden trotzdem Eltern: Katzeneltern.

Krumbach Der Kater streicht um seine Beine und schnurrt. Josef Feuerstein (82) beugt sich zu Max hinunter und streichelt ihn zärtlich. Maria (82) beobachtet ihren Ehemann aus dem Augenwinkel. Es freut sie, „dass Josef sich oft mit unseren zwei Katzen abgibt. Sie tun ihm gut und sind sehr wichtig für ihn“. Josef ist seit Jahren krank. Maria (82) muss ständig für ihn da sein. „Ich kann meinen Mann nicht allein lassen. Wenn ich nicht da bin, sucht er mich.“

50 Jahre gehen die beiden mittlerweile gemeinsam durchs Leben. Ihre Ehe war nie in Gefahr, geschickt und sicher umschifften sie die Untiefen. „Josef und ich haben immer viele Gemeinsamkeiten gehabt. Die Tiere und der Garten haben uns verbunden,“ glaubt Maria zu wissen, warum ihre Ehe nie ins Wanken geriet. Die Ehe blieb kinderlos. Maria hätte liebend gern drei oder vier Kindern das Leben geschenkt. Aber dieser Traum zerplatzte jäh wegen einer Eileiterschwangerschaft, welche sie im Alter von 34 Jahren erlitt.

Schicksal Kinderlosigkeit hingenommen

Die Wälderin fand sich mit der Kinderlosigkeit ab. „Am Anfang war ich traurig. Aber dann habe ich es hingenommen und akzeptiert.“  Ein Spruch ihres weisen Vaters spendete ihr Trost. „Mein Papa sagte: ,Man soll nichts erzwingen wollen. Dann ist es so richtig.“ Damals wurde ihr starkes Gottvertrauen, mit dem sie ihr Leben bisher gut bewältigt hatte, auf die Probe gestellt. Aber: „Ich war dem Herrgott nicht böse und habe nicht mit ihm gehadert.“

Maria und Josef gaben sich mit dem zufrieden, was das Leben ihnen schenkte. Und es schenkte ihnen viel, unter anderem zahlreiche Patenkinder, treue Freunde, fürsorgliche Nachbarn und ganz, ganz viele Haustiere.

“Wir haben für die Tiere gelebt. Sie bereiteten uns Freude, machten uns glücklich.”

Maria Feuerstein, Katzenmama

Die erste Katze nahmen die Feuersteins im Jahre 1985 auf. „Wir waren auf Besuch bei Bekannten. Sie sagten uns, dass sie ihre Katze weggeben wollten. Da haben wir sie einfach mit zu uns genommen.“ Das war für die Feuersteins der Auftakt zu einem Leben als Katzeneltern.

Die Miezen kamen einfach. Sie liefen den tierliebenden Feuersteins zu und gingen nicht mehr weg. „Wir hatten lauter Findelkinder.“ Irgendwann bevölkerten nicht weniger als 14 Stubentiger das Haus. „Wir haben für die Tiere gelebt. Sie bereiteten uns Freude, machten uns glücklich.“ Im Alter beschlossen Maria und Josef keine Katzen mehr aufzunehmen. „Aber die Vorsehung schickte uns wieder welche, zwei wilde. “ Maria zähmte die Katzen, die im Wald gelebt hatten. Heute, zehn Jahre später, sind sie ihr ein und alles. „Auch Josef liebt die beiden sehr.“

Gans, Enten, Igel, Fuchs

Auch anderen Tieren gaben die Feuersteins ein Zuhause. Eine Gans leistete Josef immer im Garten Gesellschaft. Enten bevölkerten ihren kleinen Teich. Einen Igel bewahrten sie vor dem Hungertod. Später gab sich ein Fuchs jeden Tag ein Stelldichein bei den Feuersteins. „Den habe ich einige Zeit lang gefüttert. Er ist immer zahmer geworden.“ Das wurde ihm eines Tages zum Verhängnis. „Ein Jäger schoss den Fuchs ab, weil er glaubte, dass er tollwütig ist. Da war ich gehörig in Rage“, erinnert sich Maria. Auf die Palme bringen die 82-Jährige auch Menschen, die keine Tiere mögen. „Das können keine guten Menschen sein.“ Auch Ungerechtigkeiten und Lügen verträgt Maria nicht. „Ehrlichkeit ist im Leben wichtig.“ Überhaupt glaubt sie: „Das, was man im Leben streut, kommt zu einem zurück.“