Positives Echo für die Reißleine

Vorarlberg / 06.07.2021 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Positives Echo für die Reißleine
“Wir haben bei Investorenmodellen einen Wildwuchs”, meint Hotelier Walch.

Lecher Bausperre für Investorenmodell wird durchwegs begrüßt, Ball liegt nun beim Land als Gesetzgeber.

Lech, Bregenz Investorenmodelle sorgen in Tourismusdestinationen bereits seit Längerem für Aufruhr. Vor allem unter Hotelbetreibern und Gemeinden. So auch in Lech, wo der Boom mit Argwohn beäugt wird. Dabei greifen finanzkräftige Investoren zu viel Geld, erwerben Häuser oder Grundstücke und errichten sündteure Chalets. Offiziell werden die Häuser zwar als Gewerbebetriebe geführt. Inoffiziell wird damit für viele auch der Schaffung von Ferienwohnsitzen quasi Tür und Tor geöffnet. Die Arlberger wollen diesem Treiben ein Ende bereiten und erließen eine zweijährige Bausperre für Investorenmodelle. Immerhin sollen viele Hoteliers bereits laut darüber nachdenken, ihre Betriebe zu verkaufen und die Häuser Investoren zu überlassen. Applaus erhalten die Lecher von den Grünen, sie sehen die erlassene Bausperre als richtungsweisend für die Zukunft des Tourismus.

Dreizehn Hotels bereits verkauft?

Hört man sich in Lech und Zürs um, so sollen bereits dreizehn Hotelbetriebe ihre Besitzer gewechselt haben. „Diesem Ausverkauf der Heimat müssen wir nun einen Riegel vorschieben“, lautet der Tenor in Lech bei Bürgermeister Stefan Jochum, der „durchwegs positive Resonanz auf das Verbot“ erhalten hat. Er geht davon aus, dass das Beispiel Lech Schule macht und auch andere Tourismusgemeinden ein Verbot erlassen werden. Dass Lech die Reißleine gezogen hat, ist für Raumplanungslandesrat Marco Tittler (VP) ein legitimes Recht der Gemeinde. „Wir befinden uns gerade in der Evaluierung des Raumplanungsgesetzes. Dazu sind wir im engen Austausch mit den Bürgermeistern der Tourismusgemeinden. Ziel ist das Erarbeiten treffsicherer Regelungen. Gerade die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig qualitätsvoller Tourismus zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in den Regionen ist.“

Die Schienen für das Verbot wurden bereits in der früheren Gemeindevertretung gelegt, wirft Altbürgermeister Ludwig Muxel im Gespräch mit den VN einen Blick in seine Amtszeit: „Wir haben viele Gespräche mit Experten geführt, dieser Schritt ist absolut notwendig. Jetzt bleibt uns nur die Hoffnung, dass die Landespolitik das Raumplanungsgesetz novelliert und so dem Investorenmodell Einhalt gebietet.“ StandortentwicklerBernhard Ölz (Prisma) kann den Schritt der Lecher nachvollziehen: „Über eine vernünftige Durchmischung kann man debattieren, wenn aber das Investorenmodell überhand nimmt, kann von Nachhaltigkeit im Bereich Tourismus nicht mehr die Rede sein.“ Hoteliers wie Joschi Walch (Rote Wand) und Hannes Schneider (Arlberg) schlagen in dieselbe Kerbe: „Wir haben einen Wildwuchs, es ist bereits fünf nach zwölf und war höchste Eisenbahn für dieses Verbot. Jetzt bleibt uns und dem Land zwei Jahre Zeit, das Problem anzugehen.“

„Dieser Bauverbotsbeschluss ist ein legitimes Recht der Tourismus­gemeinde Lech.“

„Bereits während meiner Amtszeit initiiert“, meint Altbürgermeister Muxel.
„Bereits während meiner Amtszeit initiiert“, meint Altbürgermeister Muxel.
„Kann den Schritt der Gemeinde nachvollziehen“, sagt Standortentwickler Ölz. VN
„Kann den Schritt der Gemeinde nachvollziehen“, sagt Standortentwickler Ölz. VN
Positives Echo für die Reißleine
“Es war bereits höchste Zeit für dieses Verbot”, sagt Hotelier Schneider.
Lecher Gemeindeväter wollen unisono vom Investorenmodell am Arlberg nichts wissen. VN/Sams
Lecher Gemeindeväter wollen unisono vom Investorenmodell am Arlberg nichts wissen. VN/Sams
Positives Echo für die Reißleine