Zierl: “Absolut notwendig, dass diese Trasse kommt”

Vorarlberg / 06.07.2021 • 18:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zierl: "Absolut notwendig, dass diese Trasse kommt"
Gunther Zierl zu Gast bei “Vorarlberg LIVE”. SCREENSHOT VOL.AT

Gunther Zierl, Zivilingenieur für Bauwesen und Bahnexperte, hat am Dienstag bei “Vorarlberg LIVE” genau erklärt, warum es eine zweigleisige Bahntrasse in Vorarlberg braucht, und wie die Unterflurlösung technisch genau ausschauen soll.

Das zweigleisige Tunnelbauwerk ist kein neuer Plan, sondern wird schon seit Jahren diskutiert. Gunther Zierl hat bereits Anfang der 2000er-Jahre jede möglich und unmögliche Variante einer Bahntrasse im Rheintal untersucht, wie er im Gespräch mit Marc Springer meint. Warum letztendlich die jetzt präsentierte Unterflurlösung alternativlos ist, erklärt er im Interview.

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Gunther Zierl ist Teil der Arbeitsgemeinschaft Rhomberg-Zierl-BDO, die die Machbarkeitsstudie für die Unterflurlösung der Bahn im Großraum Bregenz erstellt hat.

Die Herausforderung

Neben den bau- und bahntechnischen Themen habe man auch ein Augenmerk auf die umweltrelevanten Gesichtspunkten gelegt. Wenn man so wolle, handele es sich in der aktuellen Studie um eine Vertiefung der bereits 2002 vorgeschlagenen Unterflurtrasse. Die Zeit für Studie, von Mitte April bis Ende Juni wurde zu dritt daran gearbeitet, war angesichts der vielen Gesichtspunkte wohl die größte Herausforderung, so Zierl.

Hochleistungsstrecke

Der Begriff Hochleistungsstrecke bedeute nicht, dass Hochgeschwindigkeitszüge auf der geplanten Unterflurtrasse unterwegs sein werden, beantwortet Zierl eine oft gestellte Frage. Das bedeute, dass die Strecke in ihrer Struktur eine bestimmte Qualität hat, und auch eine gewisse Menge an Gütern befördern kann. Die Geschwindigkeit werde weiter im Bereich von 80 bis 100 Stundenkilometern liegen.

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Bis zu 20 Meter tief

Wichtig zu wissen sei, so Gunther Zierl, das sich die 20 Meter Bautiefe von der Unterkante des Tunnelbaus bis zur Erdoberfläche bemessen. Die tiefste Stelle ergebe sich dann aus der Unterquerung der Bregenzer Ache, so der Ingenieur. Diese Tiefe werde aber auch nur an dieser Stelle erreicht.

70 Prozent Kies

Im Aushub für die Unterflurlösung wären etwa 70 Prozent des Materials Kies, ein auch lokal sehr gefragter Rohstoff, der für alle möglichen Projekte im Land weiterverwendet werden könnte, prognostiziert Zierl. Er schätze, dass nur etwa 20 bis 25 Prozent des Aushubmaterials deponiert werden müsse.

Faire Diskussion

Was Zierl beim Thema Kosten klar fordert, ist eine ausgeglichene Diskussion. Er stelle den Straßenverkehr keinesfalls in Frage, wenn man leistungsfähige Verkehrswege wolle, müsse man auch bei den Kosten zwischen Bahn und Straße fair argumentieren. Die aktuelle Variante der S18 koste gleich viel wie die Unterflurlösung. Die Arlbergstrecke mit Tunnel und Zubringerstrecken habe umgerechnet ebenfalls 1,5 Milliarden gekostet. Darüber sei aber gar nicht gesprochen worden. Man habe das gebraucht, und hat es gebaut, meint Gunther Zierl.

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Entlastung und Bahnhof

Alleine die Verlagerung des Lkw-Transportes auf die neue Strecke bedeute als Entlastung etwa 30 bis 40 Güterzüge pro Tag von der Straße auf die Schiene. Wenn man solche Entlastungen und einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs wolle, sei diese zweigleisige Unterflurtrasse alternativlos, ist Zierl überzeugt. Vor allem, wenn in Bregenz ein Bahnhof stehen soll, fügt er an. Sonst könnte man auch durch einen Pfänder-Bahntunnel fahren.

Wie und wo genau die Bahn unter die Erde fährt, wo die Interessen der ÖBB liegen, warum es nur um eine politische Willensbildung geht und warum eine leistungsfähige Bahntrasse unabdingbar für die Vorarlberger Wirtschaft ist, führt der Zivilingenieur für Bauwesen im Detail im Interview aus.

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Die Sendung “Vorarlberg LIVE” ist eine Kooperation von VOL.AT, VN.at, Ländle TV und VOL.AT TV und wird von Montag bis Freitag, ab 17 Uhr, ausgestrahlt. Mehr dazu gibt’s hier.

(VOL.AT)