Eine Mutter trauert: „Jetzt bin ich allein“

Vorarlberg / 11.07.2021 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für immer in Erinnerung: Claudia Vonbanks Tochter Carmen starb am 2. Mai dieses Jahres. Sie wurde nur 15 Jahre alt.
Für immer in Erinnerung: Claudia Vonbanks Tochter Carmen starb am 2. Mai dieses Jahres. Sie wurde nur 15 Jahre alt.

Claudia Vonbank verlor vor wenigen Wochen ihre Tochter Carmen bei einem Verkehrsunfall.

Krumbach An dem Abend, als ihr einziges Kind auf der Straße starb, tat Claudia Vonbank (54) etwas, was sie nur ganz selten tut. Sie hörte Musik. Ein Lied von Katja Ebstein. „Abschied ist ein bisschen wie sterben. Ist wie alles verlieren, weil es dich nicht mehr gibt. Abschied ist ein bisschen wie sterben. Wenn du nicht mehr bei mir bist, wofür hab‘ ich gelebt.“ Vertieft in Text und Melodie hörte die Mutter die Sirene nicht, welche die Krumbacher Feuerwehr zum Autounfall rief. Fünf junge Menschen saßen in dem Unfallwagen. Auf regennasser Straße geriet das Auto in einer Linkskurve außer Kontrolle, überschlug sich dann mehrmals. Die Mitfahrerin Carmen Vonbank schleuderte es aus dem Wagen. Der Teenager war auf der Stelle tot. „Meine Tochter erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma“, erzählt die Mutter.

Zerstörte Träume

Carmen, die bei der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn eine Ausbildung zur Verwaltungsassistentin machte, hatte noch so viel vor. Sie war erst 15 Jahre alt und das Leben lag – vermeintlich – noch vor ihr. In naher Zukunft wollte sie den Führerschein machen und mit ihrer Freundin auf Reisen gehen. Ihr jäher Tod zerstörte Träume, auch jene ihrer Mutter, die sich in fernerer Zukunft von Enkeln umringt sah. „Ich bin jetzt allein und muss mein Leben neu ausrichten. Vorher war alles auf mein einziges Kind ausgerichtet.“

Claudia Vonbank begrub mit ihrer Tochter auch einen Teil von sich selbst. Stockend und mit gedrückter Stimme sagt sie: „Manchmal krampft sich mein Herz zusammen. Es nimmt mir den Atem.“ Eine Begegnung wenige Tage nach dem Unfall, der ihr das Liebste nahm, spendete Claudia indes Trost. „Eine Krumbacherin, die ein Nahtoderlebnis gehabt hat, sagte zu mir: Da, wo Carmen jetzt ist, ist es schön.‘“ Die große Anteilnahme der Menschen tut Claudia gut. „Es ist wie Balsam auf meiner Seele.“ Eine große Stütze sind ihr auch ihre Geschwister. „Sie haben mich aufgefangen.“ Die verwaiste Mutter vermisst ihr Kind und trauert. Aber sie ist nicht wütend auf den Fahrer des Unfallwagens. „Ich bin nicht zornig auf ihn. Das würde nur mir schaden.“ Er kam mit seiner Familie zu ihr. „Sie weinten mit mir.“ Bevor sie gingen, nahm sie den jungen Mann in den Arm und riet ihm: „Lebe dein Leben weiter, so unbeschwert wie möglich.“

„Hass erzeugt Hass“

Die Hasspostings gegen ihn im Internet regten sie auf und taten ihr weh. „Hass erzeugt Hass. Das darf nicht sein.“ Deshalb ließ sie es sich auch nicht nehmen, vor die Klassenkameraden ihrer verstorbenen Tochter zu treten und ihnen zu sagen, dass sie sich nicht an den Hasspostings beteiligen sollen. „Wenn ich als Mama verzeihen kann, erwarte ich das auch von euch.“

Eine Mutter trauert: „Jetzt bin ich allein“
Eine Mutter trauert: „Jetzt bin ich allein“