Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Auch eine Heldin

Vorarlberg / 13.07.2021 • 19:20 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Sie bedient auf einem deutschen Bodenseeschiff. Ihre Bar am obersten Deck brütet unter der Sommersonne. Das Sonnensegel hat der letzte Sturm zerfetzt. Egal, „wir sind ja froh, dass wir wieder schaffa dürfen.“ Solche Sätze stellten früher höchstens die Altgedienten mit bedeutungsvoller Strenge in den Raum. Aber sie ist kaum 30. Corona hat ihre Generation ungebeten um einschneidende Erfahrungen bereichert.

Nachdem sie zwei Touristen freundlich aber bestimmt Stühle entwunden hat, die sie aus dem Salon aufs Deck trugen, fragt sie im Vorübergehen, ob wir in Österreich auch so schwer Personal fänden. „Wir suchen wie verrückt. Ohne Erfolg.“ Dabei wäre das doch ein „Traumjob“. Auf der Linie, die sie befährt, „starten wir um acht und kommen um sieben wieder heim. Da fragt man sich regelrecht, was man noch am Abend anstellen soll.“

Zwei Anlegestellen und drei Passagiere später, die das Zahlen wohl vergessen haben, ersucht der Kapitän die Menschen hörbar entnervt, das Mobiliar doch endlich stehen zu lassen. Das sagt er dreimal, „damit es auch alle verstanden haben“. Die junge Kellnerin indessen wird mit einem Kegelclub fertig, den es an ihre Bar gespült hat. Nichts, was sie zu hören kriegt, ist nüchtern betrachtet akzeptabel. Aber sie überhört alles und erzählt lieber in der nächsten Pause, dass sie doch eigentlich arbeiten dürfe, wo andere Urlaub machen. Das klingt nach Klischee. Aber sie meint es so. Und ich denke mir: In Coronazeiten war viel von Heldinnen und Helden die Rede. Sie zählt auch dazu. Und weiß es gar nicht.

Thomas Matt

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