Hohe Solidarität mit Risikogruppen

Vorarlberg / 14.07.2021 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Erste Studienergebnisse zur Modellregion sind positiv.

Bregenz, Graz Sie musste einiges an Kritik einstecken, die Modellregion Vorarlberg, mit der sich das Land lange vor den bundesweiten Öffnungsschritten aus der Deckung wagte. Vor allem eine angeblich fehlende wissenschaftliche Begleitung wurde den Verantwortlichen immer wieder angekreidet. Nun sind erste Ergebnisse aus der Studie „COVI-Ad Vorarlberg“ veröffentlicht worden, und die liefern ein positives Stimmungsbild. So zeigt sich etwa eine hohe Solidarität mit Risikogruppen, was die Akzeptanz von Einschränkungen betrifft. Selbst bei notorischen Nichttestern ist Bereitschaft da, sich in der Nase bohren zu lassen, wenn sie damit Risikopersonen schützen oder Freunde treffen können.

Gutes Gefühl für den Herbst

Landeshauptmann Markus Wallner freut sich: „Der Weg war richtig.“ Vorarlberg habe damit eine echte Vorreiterrolle übernommen, von der ganz Österreich profitiert habe. Für den Public Health-Experten, Armin Fidler, bedeutet die Umfrage ebenfalls viel: „Sie hilft uns, rechtzeitig zu reagieren, sollte es wieder zu einem Fallanstieg kommen.“ Das wird speziell in Hinblick auf die Delta-Variante und den Herbst als bedeutsam erachtet. Wallner will jedenfalls weg von Lockdowns und fühlt sich mit der Strategie der Modellregion gewappnet. „Wir werden impfen und wenn nötig, die Testkapazitäten sofort hochfahren.“ Als besonders positiv wertet er den hohen Zuspruch zu den Testungen. „Das System hat es ermöglicht, viele Infektionen frühzeitig zu finden.“ Ein dickes Lob hat der Landeshauptmann auch für die Bevölkerung, die diesen Weg so gut mitgegangen sei. Die Studie im Hintergrund gehe er mit einem besseren Gefühl in den Herbst.

Die Umfrage wurde von der MedUni Graz und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) im Mai und Juni telefonisch durchgeführt. Finanziers waren Land und Gesundheitsministerium. Die Umfrage umfasste 503 Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren, abgefragt wurde die Einstellung zur Modellregion, Testbereitschaft, Coronamüdigkeit sowie zu den Präventionskonzepten. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch von der MedUni Graz und Alexander Avian von der AGES zeichnen für die Studie verantwortlich. Die ersten wichtigsten Erkenntnisse: Die Bevölkerung hat die Maßnahmen zu den Öffnungsschritten zu mehr als 60 Prozent mitgetragen, der Großteil ließ sich zumindest einmal testen (80 Prozent), und die Corona-Müdigkeit ist weit geringer, als man es nach über einem Jahr annehmen würde.

Erfolgreiche Rückkehr

Laut den Wissenschaftlern zeigte sich, dass Öffnungen funktionieren, wenn sich die Bevölkerung an Regeln hält. Wie die Umfrage bestätigte, steht der überwiegende Teil der Vorarlberger hinter den im Frühjahr gesetzten Maßnahmen, wie FFP-2 Maskenpflicht, Eintrittstest und Registrierung. Das machte die Rückkehr in das Leben zum Erfolg. Erfreulich: Noch immer ist ein Großteil aller Bevölkerungsgruppen bereit, sich zum Schutz von Risikogruppen einzuschränken. Am höchsten ist der Anteil bei den über 55-Jährigen. Geschlecht und Bildungsniveau hatten keinen Einfluss auf die Corona-Müdigkeit. Von Interesse war auch die Gruppe der nicht Getesteten. Da regierte vor allem Skepsis bezüglich Aussagekraft eines Tests. VN-MM