Von der Hoffnung, die Entlastung noch zu erleben

Vorarlberg / 14.07.2021 • 22:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Moderiert von VN-Redakteur Klaus Hämmerle wurde im Theresienheim über Varianten, Zeitrahmen und Alternativen einer Verkehrsentlastung für Lustenau debattiert. VN/Paulitsch
Moderiert von VN-Redakteur Klaus Hämmerle wurde im Theresienheim über Varianten, Zeitrahmen und Alternativen einer Verkehrsentlastung für Lustenau debattiert. VN/Paulitsch

Beim VN-Stammtisch in Lustenau wurde lebhaft über die Zukunft der S 18 diskutiert.

Dornbirn Gleich zweimal erschütterten in den vergangenen Monaten S18-Nachrichten aus Wien die Marktgemeinde Lustenau. Das erste Mal war im November, als die Asfinag bekanntgab, die CP-Variante weiterzuverfolgen und die Z-Variante als nicht realisierbar fallen zu lassen. Die zweite kam diesen Monat, als Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) bekanntgab, alle höherrangigen Straßenbauprojekte, inklusive S18 erneut evaluieren zu wollen. Seither wird die Diskussion um die S18 lebhaft geführt. Am gestrigen Mittwochabend luden die VN zum Stammtisch ins Theresienheim, um mit Publikum und fünf Diskutanten am Podium das Thema S18 zu diskutieren.

Wie die Asfinag überhaupt dazu kam, allein die CP-Variante zu verfolgen, erläuterte Günther Fritz, Regionalprojektleiter der Autobahngesellschaft. Beide Varianten, Z und CP, seien gleich verkehrswirksam. Da CP aber das Natura-2000-Gebiet nur streift, Z hingegen hindurchführt, müsse die Asfinag per Gesetz CP den Vorzug geben, da sie weniger Auswirkungen auf die Natur habe. „Die Z-Variante hat keine Chance auf Genehmigung“, stellte er klar.

„Auf Wunderlösung versteift“

Vorarlbergs Naturschutzanwältin Katharina Lins sprach sich für keine der beiden Lösungen aus. „Man hat sich auf die eine große Wunderlösung versteift, und dabei viele kleinere Lösungen ausgeklammert“, mahnte sie und verwies auf die Länge des Entscheidungsprozesses. „Mit einer pragmatischen Lösung könnte man 40 bis 50 Prozent des Lkw-Verkehrs vom Zollamt wegbekommen“, ist sie sich sicher.

Einen Willen zum Pragmatismus ließ vor allem auch Bürgermeister Kurt Fischer erkennen. Der Rathauschef machte einerseits keinen Hehl daraus, dass er klar die Z-Variante bevorzugt – „die Trassenentscheidung war ein Tiefschlag“ – sah sich aber in der Pflicht, professionell an anderen Lösungen, auch der CP-Variante zu arbeiten, wenn die Z-Trasse nicht möglich ist. Die Politik dürfe die Anrainer der L203 nicht noch weiter enttäuschen, sondern müsse liefern. „Zurück an den Start hieße: Eine Nulllösung für Lustenau auf Jahrzehnte“, erklärte Fischer. Ebenso wie Landesrat Marco Tittler nährte er die Hoffnung auf eine zumindest streckenweise Unterflurlösung auf der CP-Strecke.

Klar war die Haltung des fünften Diskutanten am Podium, Werner Alfare. Der 71-Jährige, der sein ganzes Leben an der L203 wohnte, antwortete auf die Frage, wie denn das Leben an der Landesstraße sei: „Laut und stinkig“. Er forderte eine Lösung in einem vernünftigen Zeitraum.

Und eben hier herrschte die größte Einigkeit unter den Diskutanten im Theresienheim: eine Lösung muss realtiv bald auf Schiene und der Jahrzehnte währende Prozess zum Ende kommen. Auch wenn sich Werner Alfare pessimistisch zeigte, sie noch zu erleben und Bürgermeister Kurt Fischer, gerade 58 geworden, sich bei Startschuss einer Entlastungsstraße bereits in Politikerpension sieht.

Aus meiner Sicht steht fest, dass es eine Entlastung in Lustenau braucht. Und zwar rasch, gesprochen wird darüber seit Jahrzehnten. Die sogenannte CP-Variante hat laut allen Verantwortlichen die größte Umsetzungswahrscheinlichkeit. Dann soll sie auch gebaut werden. Lukas Fleisch, Wirtschaftskammer, Götzis

Aus meiner Sicht steht fest, dass es eine Entlastung in Lustenau braucht. Und zwar rasch, gesprochen wird darüber seit Jahrzehnten. Die sogenannte CP-Variante hat laut allen Verantwortlichen die größte Umsetzungswahrscheinlichkeit. Dann soll sie auch gebaut werden. Lukas Fleisch, Wirtschaftskammer, Götzis

Ich bin strikt gegen die Umsetzung dieser CP-Variante, die von der Asfinag als Bestvariante bezeichnet wird. Ich wohne in dem von einem Bau betroffenen Bereich in Lustenau. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um die umständlichste und schlechtestes Variante, die je präsentiert wurde. Gerda Fitz, Lustenau

Ich bin strikt gegen die Umsetzung dieser CP-Variante, die von der Asfinag als Bestvariante bezeichnet wird. Ich wohne in dem von einem Bau betroffenen Bereich in Lustenau. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um die umständlichste und schlechtestes Variante, die je präsentiert wurde. Gerda Fitz, Lustenau

Wir sind Anrainer an der äußeren Hofsteigstraße, besitzen dort zwei Grundstücke und sind aus diesem Grund nicht erfreut über das Vorhaben. Allerdings weiß ich von dieser sogenannten CP-Variante noch zu wenig. So wie es jetzt aussieht, bin ich aber eher gegen den Bau. Oskar Riedmann, Lustenau

Wir sind Anrainer an der äußeren Hofsteigstraße, besitzen dort zwei Grundstücke und sind aus diesem Grund nicht erfreut über das Vorhaben. Allerdings weiß ich von dieser sogenannten CP-Variante noch zu wenig. So wie es jetzt aussieht, bin ich aber eher gegen den Bau. Oskar Riedmann, Lustenau

Ich bin dafür, dass zuerst einmal die Fakten dieser Variante auf den Tisch gelegt werden. Es geht um Details wie bespielsweise darum, wo soll untertunnelt werden oder wo bleibt Naturraum erhalten. Erst wenn diese Details bekannt sind, kann man sich eine Meinung bilden. Patrick Wiedl, Abgeordneter (VP), Lustenau

Ich bin dafür, dass zuerst einmal die Fakten dieser Variante auf den Tisch gelegt werden. Es geht um Details wie bespielsweise darum, wo soll untertunnelt werden oder wo bleibt Naturraum erhalten. Erst wenn diese Details bekannt sind, kann man sich eine Meinung bilden. Patrick Wiedl, Abgeordneter (VP), Lustenau

Umfrage Soll die von der Asfinag festgelegte CP-Variante als Entlastungsstraße umgesetzt werden?

Ich bin seit 27 Jahren Naturschutzanwältin. Als ich anfing, war die S18 bereits ein altes Thema.
Katharina Lins, Naturschutzanwältin

Wenn man sich wundert, warum man von den Fraktionen der Gemeindevertretung noch nichts zu dem Thema hört, dann weil wir noch nicht alle Informationen bekommen haben.
Martin Fitz, FPÖ Lustenau (Publikum)

Wir Anrainer der L203 wollen auch einmal das Fenster aufmachen können. Das können wir nur nachts, wenn weniger Lkw fahren.
Werner Alfare, Anrainer

Ich habe gekämpft für eine Variante, die eine große Akzeptanz in der Bevölkerung hat. Jetzt ist unsere Aufgabe, professionell zusammenzuarbeiten für eine Lösung, die wir nicht selbst beschlossen haben.
Kurt Fischer, Bürgermeister

Wir Anrainer der CP-Strecke werden alles tun, dass das Verfahren so lange dauert, dass sie nie kommt.
Gerry Bösch, Lustenau (Publikum)

Kein Mensch will den Verkehr auf der Reichsstraße. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung ist zwar auch keine Lösung, aber ein kleines Zeichen, dass man die Bewohner ernst nimmt.
Eugen Schneider, Lustenau (Publikum)

Wir haben verkehrspolitisch zwei Ziele: Die beiden Autobahnen in der Schweiz und Vorarlberg zu verbinden und den Verkehr aus dem Ortszentrum herauszubekommen.
Mario Tittler, Verkehrlandesrat, VP