„Alle sind Blätter eines Baumes“

Vorarlberg / 15.07.2021 • 15:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hubert Galehr hat vor 50 Jahren den Grundstein für die Vorarlberger Bahai-Gemeinde gelegt.<span class="copyright">Heilmann</span>
Hubert Galehr hat vor 50 Jahren den Grundstein für die Vorarlberger Bahai-Gemeinde gelegt.Heilmann

Mit Hubert Galehrs Beitritt entstand vor 50 Jahren die Vorarlberger Bahai-Gemeinde.

Göfis Mit dem heute 83-jährigen Hubert Galehr fasste die Glaubensgemeinschaft der Bahai vor genau einem halben Jahrhundert erstmals Fuß in Vorarlberg. Noch heute kann sich der gebürtige Nüziger lebhaft an die Anfänge erinnern.Alles begann im Sommer 1971 auf einem Popkonzert auf dem Migros-parkplatz in Buchs. Hier lernte der damals 33-jährige frühere Ministrant erstmals die Bahai kennen. Eine Gruppe aus der Schweiz und aus Liechtenstein stellte sich in der Konzertpause auf der Bühne vor und lud im Anschluss an den Auftritt der Band zu einem Gespräch ein. Galehr war neugierig und nahm gespannt daran teil. Hiermit begann eine nicht nur für ihn aufregende Reise, sondern zugleich die Geburtsstunde der Bahai in Vorarlberg.

Gleich nach dem Konzert fuhr Galehr mit der gesamten Bahai-Gruppe in seinem alten Saab ins Appenzeller Land. Kurz darauf fand er sich im idyllischen Rorschacherberg in einem alten Appenzeller Bauernhaus wieder. Hier traf er auf eine Bahai-Familie, die ihm mehr über den Glauben erzählte. „Die einzigartige Gastfreundschaft und der Glaube an die Einheit aller Völker und Religionen, die Einheit der Menschheit faszinierten mich.“

„Der Glaube an die Einheit aller Völker und Religionen, die Einheit der Menschheit faszinierte mich.“

Hubert Galehr
Mitbegründer Bahai-Gemeinde

Make Love, not War

In den Sechzigerjahren erlebte Galehr die Hippie-Zeit in San Francisco und im Sonoma Valley aktiv mit. Frieden und Völkerverständigung waren für den im Krieg geborenen, mit sieben Geschwistern aufgewachsenen Galehr nicht immer so selbstverständlich. Sich Wissen und Bildung anzueignen und allen Menschen zu dienen, ist für ihn das höchste Gut, dem er mit dem Bahai-Glauben an die Einheit der Menschen am nächsten kommt. In Fiesch im Wallis besuchte er eine internationale Bahai-Jugendkonferenz. Ebenso in der Schweiz lernte er Josie von den Philippinen kennen, eine weitgereiste Bahai-„Reiselehrerin“, die den Glauben von Norwegen bis nach Sizilien verbreitete. 1976 gab sich das Bahai-Paar in Schlins das Ja-Wort.

Friedvolle Welt

Auch das Jahr 1978 ist für Hubert Galehr noch immer in lebhafter Erinnerung. Damals besuchte er das geistige Zentrum der Bahai, das Haus der Gerechtigkeit in Haifa (Israel). Hier beeindruckte ihn die Begegnung mit Bahai-Gläubigen aus aller Welt und besonders ein Amerikaner mit afrikanischen und indianischen Wurzeln, der für ihn die Einheit und die Gleichwertigkeit der Menschen in einer friedvollen Welt verkörperte: „Alle Menschen der Erde sind wie die Tropfen eines Ozeans oder wie die Blätter und Früchte eines Baums.“

Die Bahai-Religion hat weltweit rund acht Millionen Anhänger und ist im 19. Jahrhundert in Persien (heute Iran) entstanden. Herzstück der Religion ist der Einheitsgedanke, dass es einen Gott gibt, von dem alles ausgeht. Das Ziel der Religion ist nach Glaubensstifter Bahá’u’lláh, Einheit und Eintracht unter allen Völkern der Welt zu stiften. HE

Zur Person

Hubert Galehr

ist seit 50 Jahren Bahai und Mitbegründer der Glaubensgemeinschaft in Vorarlberg.

Geboren 1938

Ausbildung Sticker

Familie verheiratet