Mehr Geld in der Umstellungsphase: Land zündet den Bioturbo

Vorarlberg / 15.07.2021 • 20:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Raphaela und Rainer Bereuter mit Sohn Leo: Ab 1. Jänner 2022 ist der Heinehof ein Biohof. VLK/Sams
Raphaela und Rainer Bereuter mit Sohn Leo: Ab 1. Jänner 2022 ist der Heinehof ein Biohof. VLK/Sams

Möggers Auf dem Heinehof in Möggers herrscht Aufbruchsstimmung: Neuer Verarbeitungsbereich, neuer Kühl- und Lagerraum. Der neue Hofladen kann in Kürze ebenfalls bezogen werden. Ab Jänner nächsten Jahres ist der Betrieb von Raphaela und Rainer Bereuter dann auch ganz offiziell ein Biobetrieb. „Seit 1. Mai sind wir in der Umstellungsphase“, erzählt Raphaela Bereuter, die auf dem Hof aufgewachsen ist. In Vorarlberg gibt es derzeit 510 Biobetriebe, das ist ein Anteil von 16 Prozent. Rund 13.200 Hektar bzw. 19 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche werden biologisch bewirtschaftet. „In der Vorarlberger Landwirtschaftsstrategie ist bio ein Kernelement und ein großes Zukunftsthema“, sagt Landesrat Christian Gantner. Um noch mehr Landwirte zum Umstieg zu bewegen, wurden in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Anreizen geschaffen. Weil sich gezeigt hat, dass gerade die Umstellungsphase eine sehr große wirtschaftliche Herausforderung und damit eine sehr große Anfangshürde ist, hat das Land die Bioumstellungsrichtlinie unlängst angepasst. „Am 2. Juli wurde die Richtlinie von der Europäischen Kommission genehmigt“, berichtet Gantner. Statt 65 Euro pro Hektar für Grünland- und Ackerflächen bekommen die Landwirte in der Umstellungsphase nunmehr 200 Euro, für Sonderkulturflächen (Wein, Feldgemüse, Obst) 500 statt wie bisher 200 Euro. Die Idee, auf bio umzustellen, hatten die Landwirte aus Möggers schon länger. Der Hauptgrund, warum sie das Projekt nicht schon früher in Angriff genommen habe, sei gewesen, „dass die Menge an Bio-milch schwierig anzubringen war“, erläutert Raphaela Bereuter. Das Problem hat sich gelöst. Ab 1. Jänner liefert der Heinehof die Milch an die Feinkäserei Bantel in Möggers. Die Umstellungsphase kann bis zu zwei Jahre dauern, bei den Bereuters sind es sechs Monate. In dieser Zeit muss bereits biologisch gewirtschaftet werden, die Produkte können aber noch nicht als Bioprodukte vermarktet werden. „Eine ganz schwierige Phase“, unterstreicht Manuel Kirisits, Geschäftsführer von Bio Austria Vorarlberg und Bio Vorarlberg.

Ein Herzensprojekt von Raphaela Bereuter ist die Direktvermarktung. In der Coronazeit seien sie regelrecht überrannt worden „und die Leute sind auch geblieben“, freut sich die Landwirtin. Jürgen Bereuter, Obmann von Bio Austria Vorarlberg und Kaspar Kohler, Obmann von Bio Vorarlberg, können ebenfalls von einem Boom und Zuwächsen im zweistelligen Bereich berichten. „Wie oft kommt im Fernsehen Werbung für Bioprodukte? Wenn wir im Land nicht in der Lage sind, die Bioprodukte zu produzieren, dann kommen sie von Salzburg, Innerösterreich oder woanders her. Das wollen wir nicht“, unterstreicht Bereuter. vn-ger

„In der Landwirtschaftsstrategie ist bio ein Kernelement und ein großes Zukunftsthema.“

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