Nur noch drei Jahre am Existenzminimum leben

Markt / 17.07.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nur noch drei Jahre am Existenzminimum leben
VN/STEURER

Ab 17. Juli gilt die neue Insolvenzordnung.

In einem Konkursverfahren wird alles über dem Existenzminimum gepfändet und an die Gläubiger verteilt. Ab heute, 17. Juli, verkürzt sich die Dauer des Verfahrens. Unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen ist man nach drei Jahren schuldenfrei. Zuerst sollte dies nur für Unternehmen gelten – die Schuldenberatungen haben sich für eine Gleichbehandlung eingesetzt. Somit gilt diese Erleichterung vorerst auch für Privatkonkurse. Der Regelung liegt eine EU-Vorgabe zugrunde.

Dabei wurde erst 2017 von der rot-schwarzen Koalition die letzte Kürzung vorgenommen und die damalige Dauer von sieben auf fünf Jahre reduziert. Auch die Hürde einer Mindestquote ist gefallen. Damit solle für Menschen, die finanziell gescheitert sind, die Entschuldung erleichtert werden.

Der Alpenländische Kreditorenverband sieht die Entwicklung kritisch und geht von einem raschen Anstieg der Insolvenzverfahren aus. „Wir rechnen damit, dass es zu erheblich mehr Forderungsausfällen kommen wird, was auch Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft hat. Kreditinstitute werden vorsichtiger mit Kreditvergaben. Die Entschuldungsdauer hat sich innert weniger Jahre um die Hälfte verkürzt, das ist eine wesentliche Verschlechterung“, führt Cornelia Wesenauer, AKV Europa, aus.

Während dieser Zeit muss der Schuldner das pfändbare Einkommen an einen Treuhänder abgeben. Reichen die Beträge nicht aus, um die gesamten Schulden abzubezahlen, werden dem Schuldner nach Ablauf des Verfahrens die restlichen Schulden erlassen. Ist der Schuldner so mittellos, dass trotz seiner Bemühungen während der Laufzeit des Verfahrens keine Vermögenswerte oder pfändbare Einkünfte verteilt werden, wird er von seinen gesamten Schulden befreit.

Wilfried Hopfner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, sieht vorerst noch keinen Handlungsbedarf: „Das Risiko, dass Unternehmen in Konkurs gehen können, ist normales Bankgeschäftsrisiko. Wir planen vorerst keine Anpassungen unserer Kreditrichtlinien, werden aber auf jeden Fall die Situation im Auge behalten und uns die Rahmenbedingungen ansehen. Auch Start-ups haben nach wie vor die Chance auf einen Kredit, das ist dann ein gemeinsames Abwägen des Risikos.“ Seit Anfang Juli können Schuldner mittels eines einfachen Antrages in Privatkonkurs geschickt werden. Damit könnten Exekutionsverfahren, die jahrelang aussichtslos geführt werden und nur Kosten verursachen, innert drei Jahren abgeschlossen werden. Auch hier sieht Hopfner vorerst keinen Bedarf der Änderung an der Vorgehensweise der RLB Vorarlberg.