Autopsie verletzte Rechte von muslimischer Mutter aus Bregenz

Vorarlberg / 20.07.2021 • 19:18 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bregenz, STraßburg Österreich hat die religiösen Rechte einer muslimischen Mutter verletzt, indem an ihrem kurz nach der Geburt verstorbenen Baby ohne ihre Zustimmung eine Autopsie durchgeführt worden war. Zu diesem Urteil ist der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gekommen. Die Frau sei dadurch gehindert worden, das Kind nach religiösem Ritus zu beerdigen, begründeten die Richter. Laut EGMR hat die Republik gegen das Recht auf Privat- und Familienleben (Artikel 8) und Religionsfreiheit (Artikel 9) verstoßen. Der Frau aus Bregenz stehen nun für den erlittenen immateriellen Schaden 10.000 Euro sowie 37.800 Euro für entstandene Kosten zu. Das Baby war am 3. April 2007 schwer krank geboren worden und starb zwei Tage später an einer Hirnblutung. Laut der Klägerin zerstörte die Autopsie den Körper, was die rituelle Waschung verhinderte.

Die Behörden hätten den Richtern zufolge den Willen der Mutter berücksichtigen müssen. In diesem Fall sei das Gleichgewicht zwischen wissenschaftlichen Interessen und jenen der Mutter nicht gefunden worden. Zudem hätten die Behörden die Frau über die Art der Obduktion informieren müssen. Der Leichnam des Kindes war nach der Obduktion seinen Eltern zurückgegeben worden, erst in der Türkei wurden sie während der Bestattungsriten auf den Zustand der Leiche aufmerksam gemacht, die Beerdigung wurde unterbrochen. Das Kind wurde schließlich in einem anderen Dorf ohne die islamische Zeremonie gegen Aufpreis beigesetzt.