Comeback aus Solidarität

Vorarlberg / 21.07.2021 • 21:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Bartenstein wird in der Sommerschule die Kreide noch einmal in die Hand nehmen.VN/Hämmerle
Michael Bartenstein wird in der Sommerschule die Kreide noch einmal in die Hand nehmen.VN/Hämmerle

Michael Bartenstein, 70, stellt sich für die Sommerschule als Lehrer zur Verfügung

Hittisau Man kennt sich im „Wauld“ und kann aufeinander zählen, wenn’s drauf ankommt. Also rief der Bezauer Andreas Kappaurer (60), seines Zeichens pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg, den Egger Ariel Lang an. Der Direktor des BORG Egg möge ihm doch auf der Suche nach pensionierten Lehrkräften für die Sommerschule helfen. Es war der Zeitpunkt, als der Hittisauer Michael Bartenstein ins Spiel kam. Denn der wurde von Lang kontaktiert, ob er nicht vielleicht . . .

Kurzum: Ein paar Gespräche und Mails samt Unterredung mit dem Sommerschule-Standort BRG Dornbirn-Schoren später sagte der frühere Mathematiklehrer Bartenstein: „Ja, ich komme. Es freut mich, wenn ich der Schule etwas zurückgeben kann. Man muss in Zeiten von Not für die Gemeinschaft da sein, wenn man das mit seinen Fähigkeiten tun kann.“

Es ist wie früher

Jetzt sitzt der 70-jährige Vater und Großvater bei sich zu Hause am Gartentisch. Vor ihm liegen Mathematik-Unterlagen und sein Terminkalender. „Ich bin echt ein bisschen nervös“, gibt der Pädagogen-Veteran zu. In der Nacht habe er sich sogar Gedanken über sein Gastspiel als Sommerschulelehrer gemacht. „Ich will wissen, was genau ich mit den Schülern machen soll. Ich möchte gut vorbereitet sein.“

Bartenstein war mit Leib und Seele Lehrer. Neben Mathematik hat er am BG Dornbirn und später am BORG Egg auch Informatik und Philosophie/Psychologie unterrichtet. „Ich denke, ich war ein sehr konsequenter Lehrer und hatte mit vielen Schülern ein gutes Verhältnis.“ In Pension ging er erst mit 65. Ehrenamtlich engagiert er sich nun für die Kirche und genießt sein Leben in seinem schmucken Hittisauer Eigenheim gemeinsam mit  Gattin Isabel. Dort ist es plötzlich wie früher. Der Professor hat Sommerferien mit der Gewissheit des Schulstarts im Herbst. 

Zwei Gruppen, 40 Stunden

Die nicht geplante kurzfristige Rückkehr an die Schule war keine einsame Entscheidung. Bartenstein hat sich diesbezüglich mit dem Familienrat abgestimmt und bekam grünes Licht dafür.

Von Reinhard Sepp, dem Direktor am BRG Dornbirn-Schoren, weiß er, welche Jugendliche er in den letzten beiden Ferienwochen in Mathematik fördern wird. „Ich werde in den zwei Wochen insgesamt 40 Stunden unterrichten. In zwei Gruppen. Eine ist gemischt aus Zweit- und Drittklässlern, eine besteht nur aus Drittklässlern.“

Einmal Pädagoge, immer Pädagoge

Der Schule habe er viel zu verdanken, erzählt Bartenstein. Er habe seine Tätigkeit nie nur als Beruf gesehen, sondern als Berufung. „Ich habe immer versucht, die Fähigkeiten der mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen bestmöglich zur Entfaltung zu bringen. Genau das möchte ich natürlich auch in Dornbirn machen.“

Gerne berichtet Bartenstein über Begegnungen mit Ex-Schülern, zu denen es regelmäßig kommt. „Sie grüßen mich immer“, freut er sich. Auch wenn er zugeben muss: „Ich kenn dann nicht mehr jeden und jede.“

Über die politischen Komplikationen mit der Sommerschule macht sich der Hittsauer keine Gedanken. Was für ihn zählt: Die Gemeinschaft braucht in einer Notsituation Personen mit bestimmten Kompetenzen. Sie braucht Leute wie ihn. Dafür stellt sich der Lehrer gerne zur Verfügung. Abgesehen davon, dass ein Pädagoge nie aufhört, ein Pädagoge zu sein.

Völlig egal ob er das in einer Regelschule oder eben in einem Konstrukt namens Sommerschule tut.

„Ein bisschen nervös bin ich schon. Ich will schließlich gut vorbereitet sein.“