Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Deutliche Worte

Vorarlberg / 21.07.2021 • 22:07 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wer noch vor Jahrzehnten den Kontrast zwischen dem enorm prosperierenden Festspielprogramm unter Intendant Alfred Wopmann und den jeweils doch etwas steifen Eröffnungsfeierlichkeiten erlebte, der wurde beim Festakt zur Festspieleröffnung 2021 positiv überrascht. Verstand es schon David Pountney, auch einen leicht bissigen Humor zur Geltung zu bringen, so beweist Intendantin Elisabeth Sobotka mit Nikolaus Habjan auch bei diesem Programmpunkt ihr gutes Besetzungsgespür.

Der österreichische Regisseur und Puppentheatermacher nutzte seine Funktion als Moderator auf ungemein sympathische, ironische, auf jeden Fall aber höchst professionelle Art, um im Rahmen humorvoller Bemerkungen das treffsicher zu erörtern, was vor allem auch dem kulturaffinen Publikum auf den Nägeln brennt. Dass das Theater, wie wir es in den letzten Monaten erlebt haben, in der Pandemieverordnung nach den Schaubergwerken und Bordellen gereiht wurde, darf bei dieser Gelegenheit durchaus wiederholt werden. Sozusagen als Einleitung zur griffigen Kommentierung des fehlenden würdigen Agierens der Volksvertreter, das sich zuletzt in Österreich zeigte. 

Den Bundespräsidenten zu bitten, der Justiz den langen Atem zu stärken, steht einem Künstler zu. Traurig genug, dass es sein muss. Aber dieser legte an Deutlichkeit ohnehin nach und forderte mehr Respekt in der Politik. Dem Eröffnungsakt zum 75-Jahr-Jubiläum gehört ein spezieller Platz in der Festspielchronik.

Christa Dietrich

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