Bruder mit Pizzamesser attackiert

Vorarlberg / 22.07.2021 • 10:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bruder mit Pizzamesser attackiert
Das Gericht entschied: Über die Zukunft des jungen Angeklagten entscheidet ein psychiatrisches Gutachten. Eckert

18-jähriger Afghane muss wegen mehrerer Delikte zum Psychiater.

Feldkirch Der junge Mann kam aus Afghanistan nach Österreich. Es dauerte nicht lange, bis er hier strafrechtlich in Erscheinung trat. Versuchte absichtlich schwere Körperverletzung wurde ihm angelastet, und er wurde dafür auch zu einer Haftstrafe verurteilt. In Wien verbrachte er einen Monat stationär in der Psychiatrie. Sein Problem: starker Cannabismissbrauch und damit verbundene Anzeichen einer sich entwickelnden Schizophrenie. Eigentlich hätte er seine Medikamente weiter nehmen sollen, doch kaum in Freiheit, setzte er sie ab und wurde sofort wieder straffällig, und zwar in vielfältiger Erscheinung.

Ins Gesäß geschnitten

Von Wien kam der junge Mann zunächst nach Innsbruck und wohnte bei seinem Bruder. „Er spielte die ganze Nacht mit seinem Handy, schlief am Tag und seine Sucht war auch immer ein Problem“, erzählt der Bruder als Zeuge beim aktuellen Prozess am Landesgericht Feldkirch. Eines Tages bewarf der nun Angeklagte seinen Bruder mit Gläsern, schnitt ihm mit einem Pizzamesser in das Gesäß und stieß ihn zu Boden. Das Opfer landete in den Glasscherben und zerschnitt sich das Knie. In Dornbirn legte sich der junge Mann außerdem mit einer Reihe von Polizeibeamten an. „Mein Mandant war nicht zurechnungsfähig“, sagt Verteidiger Markus Schiechtl und beantragt ein psychiatrisches Gutachten.

Die Polizisten hingegen berichten von Beleidigungen, Beschimpfungen und davon, dass der Afghane sehr wohl zeitlich und örtlich orientiert war. Richter Dietmar Nussbaumer ist überzeugt, dass der Angeklagte Recht und Unrecht unterscheiden konnte. Er gibt dem Antrag auf Einholung eines Gutachtens jedoch statt und beauftragt Reinhard Haller mit der Expertise.

Nutella geklaut

Als Draufgabe stahl der Afghane in einem Supermarkt noch einige Lebensmittel. Offenbar hatte er Lust auf Nutella, Capri-Sonne und eine Flasche Piroschka. Er habe prinzipiell kein Alkoholproblem, behauptet er vor Gericht. Warum er all die Straftaten begangen hat, will der Richter wissen. „Keine Ahnung“, lautet die Antwort. Auch auf die Frage, warum er die Medikamente abgesetzt hat oder wie es weitergehen soll, kommt „keine Ahnung“.

Bis zur nächsten Verhandlung bleibt der junge Mann auf alle Fälle in U-Haft. Mit dem Gutachten riskiert der Angeklagte, im Fall einer Unzurechnungsfähigkeit auf unbestimmte Zeit in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen zu werden. Doch, so wenig kooperativ wie er sich zeigt, ist es schwierig, eine Lösung zu finden. Auch deshalb, weil er immer wieder von der Bildfläche verschwindet. Der Prozess wurde vertagt.