Ein düsteres Jahr für die Bienen

Vorarlberg / 22.07.2021 • 19:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Den heimischen Honigbienen ging es heuer wegen des verregneten Frühlings gar nicht gut.dpa
Den heimischen Honigbienen ging es heuer wegen des verregneten Frühlings gar nicht gut.dpa

Die Hauptsaison wurde für die Honigproduzenten zum Desaster.

Wolfurt Gerhard Mohr (55) ist gewöhnlich ein Optimist. Einer, für den das Glas halbvoll statt halbleer ist. Doch im Hinblick auf das heurige Bienenjahr kann auch Mohr keine Zuversicht mehr ausstrahlen. „Es war für die Bienen eine dramatisch schlechte Zeit. Statt in der Blütezeit fleißig Honig zu sammeln, gab es aufgrund der durchgehend nassen Witterung für die Tiere praktisch nichts zu holen“, bringt der Vorarlberger Imkerverbandspräsident das Dilemma auf den Punkt.

Im Süden etwas besser

In Norden des Landes geht der diesjährige Ertrag gegen null. Im Süden ist die Situation nicht viel besser, aber wenigstens mussten die Imker keinen Totalausfall hinnehmen. „Wahrscheinlich haben die Bienen durch die spätere Blüte in gebirgigen Gegenden wenigstens etwas Nahrung gefunden“, erklärt sich Mohr die regionalen Unterschiede.

Nichts zu holen gab es für die Bienen neben den offenen Flächen auch im Wald. „Dort waren die Honigtauerzeuger heuer nicht vorhanden. Das sind sogenannte Rindensäuger, die den Honigtau produzieren, welchen die Bienen dann abtragen“, erklärt der Experte.

Tiere brauchen Futter

Nicht günstig sind auch die Perspektiven für den Rest des Jahres. „Da gibt es für die Bienen leider nur noch sehr wenig zu holen. Ihre Zeit wäre eben der Frühling gewesen, dann, wenn es blüht und sie sich mit Nahrung eindecken sollten.“ Jetzt müsse man den beliebten Hautflüglern helfen. „Wir Imker sind angehalten, die Tiere zu füttern. Sie sind in einem sensiblen Zustand mit wenig Widerstandkraft, da sie für sich kaum genug Nahrung finden konnten“, beschreibt Mohr die Problematik. Geschwächte Bienen sind zum Beispiel viel empfänglicher für die tödliche Varroa-Milbe als im Normalzustand. „Wir müssen verhindern, dass wir ganze Völker verlieren.“

Auf ein wirklich gutes Honigjahr müssen Imker und Konsumenten jetzt weiter warten. „Letztes Jahr war mittelprächtig, die Jahre 2019 und 2018 ausgesprochen schlecht.“ Das letzte gute Bienenjahr mit einem entsprechenden Ertrag gab es 2017.

Das Bewusstsein zur Schaffung guter Lebensbedingungen für des Menschen liebste Insekten erfuhr in den letzten Jahren einen großen Aufschwung. Jetzt brauchen sie wieder dringend Hilfe.

„Als Imker sind wir jetzt angehalten, die Bienen zu füttern. Sie sind sehr geschwächt.“

Ein düsteres Jahr für die Bienen