Impfpflicht im Krankenhaus

Vorarlberg / 22.07.2021 • 16:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Impfpflicht im Krankenhaus
Der Impffortschritt schreitet langsam voran. VN/STIPLOVSEK

Ab 1. September müssen Neuangestellte in den Krankenhäusern eine Impfung vorweisen.

Schwarzach Die absolute Freiwilligkeit für die Coronaimpfung in Vorarlberg ist Geschichte, zumindest in einem spezifischen Bereich. Wer sich ab sofort für eine Stelle in einem Landeskrankenhaus oder im Krankenhaus Dornbirn bewirbt und nach dem 1. September beginnt, muss einen Impfnachweis mitbringen, bestätigt KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch den VN. Er folgt damit einer Empfehlung der Landesregierung und des Gemeindeverbands an alle Gesundheits-, Pflege- und Sozialeinrichtungen. Auch das Stadtspital Dornbirn wird das tun. Gesundheitsexperte Armin Fidler würde noch einen Schritt weitergehen.

Schutz der Patienten

Rund 5000 Personen arbeiten für die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG). 85 Prozent haben sich gegen das Coronavirus impfen lassen, sagt Gerald Fleisch. Die anderen 15 Prozent dürfen weiterhin ohne Impfschutz arbeiten, die Impfpflicht gilt für Neuangestellte. “Es gibt valide Rechtsmeinungen dazu. Man muss mit Verfassungsrechten sensibel umgehen, weshalb wir im Moment diese Maßnahme für vernünftig halten”, begründet Fleisch. Grundsätzlich sei klar: Die Krankenhäuser hätten eine gesellschaftliche Vorbildfunktion inne und wollen einen Beitrag leisten, dass es zu keiner vierten Welle kommt. Es gehe auch darum, besonders sensible Infrastruktur zu schützen. Vor allem gehe es aber um den Schutz der Patienten.

Schon jetzt muss man sich in den Krankenhäusern gegen einige Krankheiten impfen lassen. Ab 1. September gilt das auch für Covid19, wenn man neu angestellt ist. Das sind grob geschätzt 40 Personen pro Monat. Ungeimpfte könnten nicht mehr in allen Stationen arbeiten, ergänzt der KHBG-Chef. “In hochsensiblen Bereichen wie der Kinderintensivstation kann es gut sein, dass man dort nicht mehr zum Einsatz kommt.”

Armin Fidler hätte sich einen schärfere Vorgangsweise gewünscht. “Da die KHBG die Empfehlungen umsetzt, ist es eh eine Pflicht. Aber ich wäre auch für eine Pflicht im Erziehungsbereich.” Dort habe man ebenfalls mit vulnerablen Schutzbefohlenen zu tun. “Da kann man die Frage nicht auf sich selbst beziehen. Natürlich kann man die Impfung für sich ablehnen. Aber dann sollte man sich einen anderen Job suchen.” Auch im Gesundheits- und Pflegebereich sei eine Impfung mehr als nur eine persönliche Entscheidung. “Da hat man Verantwortung für andere.”

Freiwillig mit Maske

Apropos Verantwortung: Fidler war einer der wenigen Zuschauer bei der Festspieleröffnung, der sich eine Maske anlegte. “Nicht alles, was nicht mehr vorgeschrieben ist, ist auch nicht sinnvoll”, betont er. “Wenn ich drei Stunden mit Leuten in einem Raum sitze, die ich nicht kenne und etwas ältere Menschen mit Vorerkrankung darunter sein könnten, ist es sinnvoll, freiwillig eine Maske zu tragen.” Dass im Winter die Grippe komplett ausgefallen ist, zeige, dass die Maske auch ohne Covid wirksam sei. “Ich würde ohnehin freiwillig in den Öffis Maske tragen, wie in Asien.” Im Freien sei es aber übertrieben. Das gelte auch für das Spiel auf dem See bei den Festspielen.

Ein anderes Thema scheint für die Landesregierung beendet zu sein. Das Landesverwaltungsgericht hat am Donnerstag entschieden, dass die Direktvergabe der Teststraßen an das Rote Kreuz rechtmäßig war. Ein privater Betreiber hatte dagegen Beschwerde eingelegt.