VN-Wanderserie: Zu Gast auf der Tübinger Hütte und bei ihren neuen Pächtern

Vorarlberg / 25.07.2021 • 05:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
VN-Wanderserie: Zu Gast auf der Tübinger Hütte und bei ihren neuen Pächtern
Auf der Tübinger Hütte im Liegestuhl ausruhen. OLIVER IHRING

Julika Rieger und Patrick Kohlbacher führen die Alpenvereinshütte im Silvretta-Gebirge.

Gaschurn Die auf 2193 Metern Seehöhe gelegene Tübinger Hütte in der Silvretta-Gruppe ist heute unser Ziel. Wir werden dort nicht nur hinwandern und uns einen leckeren Apfelstrudel gönnen, sondern da auch übernachten, fernab jeglicher Zivilisation.

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Wir starten vom Wanderparkplatz beim Vermuntsee, der unterhalb des Silvretta-Stausees liegt und folgen den Schildern in Richtung Tübinger Hütte. Nach einem breiten Schotterweg kommt bald schon die Abzweigung, bei der es geradeaus zur Saarbrücker Hütte weitergeht und rechts der Wanderpfad zur Tübinger Hütte abbiegt. Der Weg schlängelt sich durch Alpenrosen sanft nach oben. Nachdem wir ein größeres Restschneefeld überquert haben, an dessen Ende zwei Bäche nach unten stürzen, geht es zwischen größeren Felsbrocken steiler bergauf zum Hochmadererjoch.

Start- und Zielpunkt ist der Vermuntsee, der unterhalb des Silvretta-Stausees liegt. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Start- und Zielpunkt ist der Vermuntsee, der unterhalb des Silvretta-Stausees liegt. VN/JUN
Der von Alpenrosen gesäumte Weg verläuft erst sanft nach oben.
Der von Alpenrosen gesäumte Weg verläuft erst sanft nach oben.

Je nachdem wie spät man losgeht, kann man den Hochmaderer noch mitnehmen. Das Gepäck kann man ein paar Meter nach der Weggabelung zum Hochmaderer geschützt an einem größeren Felsbrocken abstellen und den Rest des unmarkierten Steiges ohne Gepäck zurücklegen. Danach steigt man wieder bis zur Weggabelung ab und läuft weiter Richtung Tübinger Hütte. Nach einem Abstieg von 300 Höhenmetern, schlendert man anschließend fast eben bis zur Alpenvereinshütte. Auf diesem Stück kann man richtig die Landschaft des Silvretta-Gebirges genießen. Man ist hier von einer völligen Stille umgeben, denn die Tübinger Hütte ist eingekesselt von mächtigen Bergen wie der Mittelberg, die Kessispitze und Plattenspitze.

Schon bald weichen die Wiesen eher schrofferen Untergrund.
Schon bald weichen die Wiesen eher schrofferen Untergrund.
Weiter oberhalb gibt es noch einige Schneefelder.
Weiter oberhalb gibt es noch einige Schneefelder.
Der Weg ist vor allem in der letzten Hälfte etwas felsiger, aber nicht weiter schwer. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Der Weg ist vor allem in der letzten Hälfte etwas felsiger, aber nicht weiter schwer. Oliver Ihring
Kurz vor der Tübinger Hütte, die von mächtigen Bergen eingekesselt ist.
Kurz vor der Tübinger Hütte, die von mächtigen Bergen eingekesselt ist.

An der Tübinger Hütte begrüßen uns die neuen Hüttenwirte Julika Rieger und Patrick Kohlbacher. Die in Kärnten wohnenden Bergbegeisterten haben die Alpenvereinshütte Ende Juni zum ersten Mal bezogen. Für sie ist der Hüttenbetrieb und das Leben auf einer Hütte Neuland. Wir haben mit Julika und Patrick sowie mit Manoel Kahle aus Niedersachsen gesprochen. Auch Heida Kammerer aus Baden-Württemberg, die übrigens den leckeren Apfelstrudel und weitere Süßspeisen kreiert, verbringt nun nach ihrem Studium diesen Sommer auf der Tübinger Hütte. Das Team komplettiert der Koch Johannes Tschabrun aus Schruns, der den vieren anfangs erst einmal einen Kochkurs gab, damit jeder die typischen Hüttengerichte kochen kann.

Das junge Hüttenteam der Tübinger Hütte: Manoel Kahle, Heida Kammerer, Julika Rieger und Patrick Kohlbacher (v.l.) <span class="copyright">VN/JUN</span>
Das junge Hüttenteam der Tübinger Hütte: Manoel Kahle, Heida Kammerer, Julika Rieger und Patrick Kohlbacher (v.l.) VN/JUN
Manoel Kahle bereitet für die Übernachtungsgäste entweder Käsespätzle oder Gulasch mit Spätzle zu.
Manoel Kahle bereitet für die Übernachtungsgäste entweder Käsespätzle oder Gulasch mit Spätzle zu.

Schwieriger Start


Aller Anfang ist schwer. Das können auch Julika und Patrick bestätigen, die den Hüttenstart aufgrund des vielen Schnees um eine Woche verschieben mussten. „Am Anfang mussten wir noch Schnee schaufeln, weil wir nicht mit dem Auto zur Materialseilbahn kamen“, erzählt Julika. Auch die Turbine, die zusammen mit einem Generator den Strom erzeugt, konnten die beiden erst einbauen, als der Schnee geschmolzen war. Der Strom wird nämlich nur aus dem vorhandenen Bergwasser mittels eines Wasserkraftwerkes produziert, weshalb man mit ihm nicht verschwenderisch umgehen darf. „Es ist eine Herausforderung, damit zu haushalten“, weiß Patrick bereits aus Erfahrung.


In der ersten Woche musste das Paar noch viel Organisatorisches klären, zum Beispiel wie die Küche und die gesamte Haustechnik funktioniert. „Wir hatten nur fünf Tage Vorbereitungszeit, bevor die ersten Gäste kamen“, bedauert Julika. „Aber die Gemeinde Gaschurn hat uns mit offenen Armen empfangen. Und auch Markus Felbermayer unterstützt uns mit der Bereitstellung eines eigenen Lagerraums für unsere Vorräte in seinem Hotel.“

Den Abend in der Tübinger Hütte verbringt man meistens gemütlich in der Stube, doch auch ein Blick nach draußen, wenn die Dunkelheit über die Berge hereinbricht, lohnt sich.
Den Abend in der Tübinger Hütte verbringt man meistens gemütlich in der Stube, doch auch ein Blick nach draußen, wenn die Dunkelheit über die Berge hereinbricht, lohnt sich.

Der Tagesablauf eines Hüttenwirts

Zwischen 5 und 5.30 Uhr stehen die Hüttenwirte auf, je nachdem, wie viele Gäste sich zum Frühstück angemeldet haben. Nach dem Frühstück werden die Zimmer geputzt und das Mittagessen für die Tagesgäste sowie später das Abendessen für die Übernachtungsgäste vorbereitet. Hüttenruhe ist um 22 Uhr, jedoch geht das Hüttenteam meist erst kurz vor Mitternacht ins Bett.

Das letzte Licht an diesem Tag genießen, bevor um 22 Uhr Hüttenruhe herrscht.
Das letzte Licht an diesem Tag genießen, bevor um 22 Uhr Hüttenruhe herrscht.

Anstrengend ist das Hüttenleben auf jeden Fall, aber auch schön. „Wir wandern alle gerne, sind jedoch noch nicht dazu gekommen, die Gegend hier zu erkunden“, sagt Julika. „Heute war das erste Mal, wo wir Zeit hatten, alle zusammen auf den Bänken zu sitzen und zu quatschen“, erzählt Manoel. Der Job hier oben sei sehr zeitintensiv, jedoch sind auch ihm gewisse Standards für die Gäste wichtig: „Uns ist es wichtig, dass sich die Leute wohlfühlen. Die Gäste sollen zufrieden sein und glücklich wieder gehen.“

Kein Handyempfang


Auf der Tübinger Hütte genießen wir die letzten Sonnenstrahlen an diesem Tag, sitzen beim Abendessen in der gemütlichen Stube und spielen anschließend Schach. Denn eines sucht man hier vergeblich: Handyempfang. So besinnt man sich wieder mehr auf das Hier und Jetzt und kommt mit anderen ins Gespräch. Einmal die Woche fährt jemand ins Tal, um Lebensmittel aus der Region zu besorgen. Allein, um bis ins Tal zu gelangen, braucht man circa eine Stunde. Und das macht den Reiz dieser Hütte aus – ihre völlige Abgeschiedenheit.


Obwohl Julika und Patrick die Hütte aufgrund von Corona nur zu zwei Drittel belegen, gab es dennoch einen Coronafall, von dem auch das Personal betroffen ist, weshalb die Hütte noch bis 8. August geschlossen hat.

Aufgrund des schlechten Wetters mussten wir auf halbem Weg zum Hochmaderer wieder umkehren. Die Steine wurden einfach zu rutschig. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Aufgrund des schlechten Wetters mussten wir auf halbem Weg zum Hochmaderer wieder umkehren. Die Steine wurden einfach zu rutschig. Oliver Ihring
Nein, das Bild entstand nicht im Februar oder November, sondern Mitte Juli.
Nein, das Bild entstand nicht im Februar oder November, sondern Mitte Juli.
Bei Regen ging es dann wieder zurück zum Vermuntsee. Sonst hätten wir die Tour schon noch ausgeweitet. Absteigen kann man auch nach Gaschurn oder man macht den anspruchsvolleren Rundweg zur Saarbrücker Hütte, bei dem man aber einen Gletscher queren muss.
Bei Regen ging es dann wieder zurück zum Vermuntsee. Sonst hätten wir die Tour schon noch ausgeweitet. Absteigen kann man auch nach Gaschurn oder man macht den anspruchsvolleren Rundweg zur Saarbrücker Hütte, bei dem man aber einen Gletscher queren muss.