Wenn der Rhein über die Dämme springt

Vorarlberg / 26.07.2021 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Oktober 2020 erreichte der Rhein im Vorarlberger Unterland einen bedrohlich hohen Pegel. d. mathis
Im Oktober 2020 erreichte der Rhein im Vorarlberger Unterland einen bedrohlich hohen Pegel. d. mathis

Wie die Alarmierungskette im Fall einer sich anbahnenden Katastrophe abläuft.

Schwarzach Die möglichen Katastrophenszenarien in Vorarlberg sind vielfältig. Der Silvretta-Staudamm bricht. Lawinen bedrohen das Tal, Feuersbrünste breiten sich aus, Zwischenfälle mit gefährlichen Strahlungen ereignen sich oder der Rhein überflutet die Vorländer.

Was wäre wenn . . .?

Der Rhein. Gerade „Europas größter Wildbach“ beschäftigt das Katastrophenmanagement des Landes wie kein anderer Risikofaktor. Über hunderttausend Vorarlberger im Rheinland und die schweizerischen Nachbarn wären von einer Überflutung betroffen. Immerhin scheint das Gefahrenpotenzial des Flusses relativ gebändigt. Millionen und Abermillionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in das internationale Hochwasserschutzprojekt „Rhesi“ der Rheinregulierungsbehörde investiert. Und doch: Was wäre wenn . . . ?

Es beginnt mit einer SMS

Antworten darauf liefert den VN Angelika Spiegel (53) vom Fachbereich Katastrophenhilfe in der Landeswarnzentrale in Bregenz. Das Büro im Landhaus ist die erste Koordinationsstelle im Ernstfall. Der Journaldienst wacht über die Signale, die von den verschiedenen, im ganzen Land installierten Warnsystemen hier eingehen. Und zwar per SMS. „Wir kontrollieren sie jeden Tag“, betont Spiegel.

Aufmerksamkeitsphase

„Wird beim Rhein eine Abflusskapazität von 900 Kubikmeter pro Sekunde und darüber gemeldet, sind die Gemeinden schon sensibilisiert, es kommt unter Umständen zu Wegabsperrungen“, informiert die Expertin. Bei 1200 Kubikmeter pro Sekunde werde die Aufmerksamkeitsphase schon intensiver.

„Der Rhein kommt unglaublich schnell“, sagt Spiegel. Schnell sind nach der Aufmerksamkeitsphase die Phasen der Vorbereitung und Evakuierung erreicht. Oftmals innerhalb einer Vorlaufszeit von vier bis sechs Stunden. „Ab 3100 Kubikmeter Abflusskapazität pro Sekunde und mehr herrscht dann Alarmstufe Rot“. Denn dann ist die Phase des „100-jährlichen Hochwassers“ erreicht. Kommt es zum Extremfall eines Dammbruchs, ist eine Evakuierung unabdingbar.

Evakuierungsphase

Der höchste Einsatzleiter (Landeshauptmann) koordiniert sich nun mit den Einsatzleitungen in den Gemeinden und Bezirkshauptmannschaften. Die Bevölkerung wird in kürzester Zeit über Zivilschutzsirenen, Medien und die Gemeinden selbst alarmiert.

Wenn Evakuierungen anstehen, helfen alle mit. Dafür gibt es Notfallpläne. Nicht nur sämtliche Einsatzkräfte (Feuerwehr, Rettung, Wasserrettung, Polizei, Rotes Kreuz etc.) sind involviert, sondern auch gewöhnliche Vereine wie der Kirchenchor. „Zunächst werden jedoch die Angehörigen der Einsatzkräfte evakuiert“, erklärt Spiegel, „und gleichzeitig sensible Bereiche wie etwa Pflegeheime.“

Um die allgemeinen Evakuierungsmaßnahmen störungsfrei durchführen zu können, sorgt die Polizei für funktionierende Verkehrsströme, Absperrungen und Umleitungen. „Dafür hat die Polizei ein eigenes Konzept erarbeitet“, so die Expertin. Sammelstellen und Notunterkünfte stehen im ganzen Land bereit. Appelliert wird jedoch auch an die Eigenverantwortlichkeit der Allgemeinheit, denn: „Wenn die Bevölkerung nicht mitspielt, sind wir die Zweitbesten“, gibt Spiegel zu bedenken.

„Wenn die Bevölkerung nicht mitspielt, sind wir die Zweitbesten.“

Wenn der Rhein über die Dämme springt

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.