Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Die Stunde der Populisten

Vorarlberg / 28.07.2021 • 06:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das Wortgefecht ist noch keine drei Minuten alt, da fliegt schon das A-Wort über den Stammtisch, dass die Aschenbecher nur so scheppern. Rotgeäderte Augen verengen sich zu äußerster Bosheit, Fäuste ballten sich. Da fährt ein Sommergewitter hernieder, der grollende Donner verschluckt jede weitere Gemeinheit und peitschender Regen fegt den Biergarten leer.

Wir sind ganz schön unduldsam geworden, warum eigentlich? Hat uns die vermeintliche Freundesschar der sozialmedialen Echokammern für andere Meinungen taub gemacht? Immer seltener gelingt die echte Diskussion. Wir sind zwar anderer Meinung, bleiben aber trotzdem befreundet? Von wegen! So sinkt der gefahrlose und ergo reizlose Gesprächsstoff ins vollends Banale.

Dabei gäbe es Themen wie Sand am Meer: Corona und Klima, Gerechtigkeit und Altersarmut, Massenflucht und Abwehr… Nur, wenn wir uns im Schwarz-weiß-Modus verschanzen und die gepflegte Auseinandersetzung den Schreihälsen opfern, finden bald nur mehr die Populisten Gehör mit ihren verräterisch simplen Geschichten wie etwa der von Bewältigung der Klimakrise ohne jedweden Verzicht.