Eine Hohenemserin im Einsatz für den Frieden

Vorarlberg / 30.07.2021 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Hohenemserin im Einsatz für den Frieden
Fenkart zog fürs Studium nach Wien. Seit zehn Jahren arbeitet sie für das International Institut for Peace (IIP). IIP

Stephanie Fenkart ist Direktorin beim International Institute for Peace in Wien.

Wien Was vielen Kindern dieser Welt nicht gegeben ist, trifft für Stephanie Fenkart zu. „Ich bin behütet aufgewachsen.“ Ihr Bewusstsein darüber ist stärker ausgeprägt als bei den meisten: Als Direktorin des IIP reist sie in die Krisengebiete dieser Welt und arbeitet dort für Versöhnung und Dialog. Das Interesse für den komplexen Themenbereich der internationalen Politik hat die Mama geweckt. „Als Teenager habe ich mit ihr all diese geopolitischen TV-Dokumentationen auf Arte angeschaut“, sagt die Tochter einer Textilerfamilie aus Hohenems.

Seit über zehn Jahren beim IIP: Stephanie Fenkart. <span class="copyright"> Tobias Natter</span>
Seit über zehn Jahren beim IIP: Stephanie Fenkart.  Tobias Natter

Die Geschichte der eigenen Familie schärfte darüber hinaus die Sinne für historische Zusammenhänge und das globale Ausmaß von Politik. „Mein Opa war nach dem Zweiten Weltkrieg sieben Jahre Gefangener in einem Gulag. Das kann Familien über Generationen prägen.“ Nach der Matura lebte Stephanie Fenkart zum ersten Mal ihre Faszination für andere Kulturen aus. Ihre Neugier führte die 19-Jährige über ein Jahr quer durch Südamerika, erweiterte ihren Horizont über viele Staatsgrenzen hinweg. Danach ging es zum Studium nach Wien. Noch während des Studiums begann ihre Laufbahn beim IIP, wo sie zuerst als Managementassistentin, dann als Projektassistentin arbeitete und nun als Direktorin für Organisation und Konzeption der internationalen Friedensprojekte verantwortlich ist.

Viel Leid passiert abseits unserer Wahrnehmung. Das IIP macht darauf aufmerksam.<span class="copyright">  iip</span>
Viel Leid passiert abseits unserer Wahrnehmung. Das IIP macht darauf aufmerksam.  iip

Ein aktueller Schwerpunkt ist der Westbalkan. „30 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens liegt dort unser Augenmerk bei der EU-Integration.“ Weitere Projekte gibt es zum Beispiel in der Ukraine und im Iran, wo das Atomabkommen Gegenstand intensiver Vermittlungsarbeit ist.

„Es braucht Kompromiss und Dialog. Wir veranstalten Summerschools, Friedenskonferenzen und forcieren kulturellen Austausch.“ <span class="copyright">IIP</span>
„Es braucht Kompromiss und Dialog. Wir veranstalten Summerschools, Friedenskonferenzen und forcieren kulturellen Austausch.“ IIP

„Wir fungieren als Schnittstelle zwischen Politik, Militär und Zivilgesellschaft. Vor allem letzterer wollen wir Gehör verschaffen. Wir verhelfen NGOs oder Journalisten aus diesen Regionen zu Treffen mit Beratern von Merkel und Co. Wir setzen Konfliktparteien an einen Tisch, führen Dialog, helfen bei Versöhnungsarbeit.“

Die Hohenemserin bei einer ihrer vielen öffentlichen Diskussionen über die Konflikte dieser Welt. <span class="copyright">IIP</span>
Die Hohenemserin bei einer ihrer vielen öffentlichen Diskussionen über die Konflikte dieser Welt. IIP

Stephanie Fenkart reist viel. Was sie erlebt, ist nicht immer einfach zu verarbeiten. Doch die 35-Jährige verliert ihren Fokus nicht. „Ich bin robust. Und auch wenn es manchmal schwierig wird, wenn mir Kindersoldaten ihre Geschichten erzählen, weiß ich, dass unsere Arbeit für jeden einzelnen von ihnen wichtig ist. Aufgeben tun wir nicht!“ Die notwendige Entspannung findet sie beim Lesen oder Snowboarden. Als Vorarlbergerin in Wien bleibt sie ebenfalls entspannt. „Wien ist ja die größte Stadt Vorarlbergs. Man mag unseren Dialekt und ich mache eigentlich ständig Werbung fürs Ländle. Als Emserin vor allem fürs Jüdische Museum.“

Text: Tobias Natter