Comeback in der Manege auch dank „Ma hilft“

Vorarlberg / 08.08.2021 • 18:15 Uhr
Comeback in der Manege auch dank „Ma hilft“
Die weiblichen Mitglieder der Zirkusfamilie Lauenburger mit „Ma hilft“-Lady Marlies Müller (l). Endlich geht es wieder los. VN/Serra

Nach 18 Monaten Zwangspause tritt der Circus Berlin am kommenden Mittwoch endlich wieder auf.

Andelsbuch „Ich habe einen furchtbaren Stress“, sagt Jamena Lauenburger. Sie beeilt sich hinzuzufügen. „Aber einen sehr positiven.“ Aufgeregt ist in Andelsbuch, am derzeitigen Domizil des Zirkus, die ganze Familie. Schwester Concetta erzählt von ihrem Jonglier-Training. „Du brauchst die Auftritte, die Atmosphäre. Nur trainieren ist zu wenig.“ Mit von der Partie als Artistin ist auch die elfjährige Gisele. „Ich freu’ mich wahnsinnig auf den ersten Auftritt. Wir mussten so lange warten. Endlich ist es wieder so weit“, beschreibt der Teenager seine Gefühle.

„Manege frei“ – endlich!

Am 17. November 2019 hieß es für den Circus Berlin zum letzten Mal „Manege frei“ für Mensch und Tier. Viel ist seither geschehen, obwohl in der Manege nichts passierte. „Diese Zeit war so schwer für uns“, seufzt Adolf Lauenburger (55), der Chef der Truppe. „Wir mussten ans Aufgeben denken. Wir wussten ja nie, wie wir überleben sollten. Gott sei Dank haben uns viele Vorarlberger geholfen – und vor allem ‚Ma hilft‘.“ Tatsächlich griff die VN-Sozialaktion den Zirkusleuten regelmäßig unter die Arme, kein Hilferuf blieb ungehört.

Jamena versorgt die vier Kamele. Diese fühlen sich in der frischen Luft im Bregenzerwald wohl und sind quicklebendig. <span class="copyright">VN/Serra</span>
Jamena versorgt die vier Kamele. Diese fühlen sich in der frischen Luft im Bregenzerwald wohl und sind quicklebendig. VN/Serra

Immer wieder kam „Ma hilft“-Patin Marlies Müller bei der Familie vorbei und versorgte sie mit Gutscheinen. „Dafür sind wir ja da. Ich freue mich sehr, dass die Lauenburgers nun wieder auftreten dürfen“, kann Müller die Aufbruchsstimmung der Gruppe mit ihren zehn Pferden, vier Ponys und vier Kamelen teilen.

Zirkus im Blut

Adolf Lauenburger war in den letzten Wochen gesundheitlich sehr angeschlagen. Viel Aufsehen machen will er deswegen nicht. Unentwegt hat er sich bemüht, die Familie und den Zirkus irgendwie durchzubringen, einen Lagerplatz und Futter für die Tiere zu organisieren. „Ehrlich gesagt, standen wir schon kurz vor dem Aufgeben. So eine schlimme Situation mit eineinhalb Jahren Auftrittsverbot hatten wir noch zu überstehen“, blickt er auf die düstere Vergangenheit zurück.

„Der Zirkus ist unser Leben, unsere Bestimmung. Für uns wird es nie etwas anderes geben.“

Jamena Lauenburger, Zirkuskünstlerin

Tochter Jamena hatte nie ans Aufgeben gedacht. „Das hier ist unser Leben, unsere Bestimmung. Wir sind damit groß geworden und werden damit alt. Für unsere Familie wird es nie etwas anderes geben als Zirkus. Das liegt in unserem Blut.“

Gisele freut sich wie alle anderen ihrer Familie auf den ersten Auftritt seit dem 17. November im Jahre 2019.<span class="copyright"> VN/Serra</span>
Gisele freut sich wie alle anderen ihrer Familie auf den ersten Auftritt seit dem 17. November im Jahre 2019. VN/Serra

Ungarische Artisten

Für die ersten Auftritte nach der Coronapause sind ungarische Artisten als Verstärkung angereist. Die Kostüme müssen die Lauenburgers noch von Dornbirn nach Andelsbuch überführen. „Wir haben keinen Platz für einen weiteren Wagen hier“, begründet Concetta die logistischen Maßnahmen.

Am kommenden Mittwoch ab 17 Uhr werden sie in Andelsbuch an solche Dinge nicht mehr denken. „Dann gibt es endlich wieder Zirkus mit Artistik, Tieren und Clowns. Dann können die Lauenburgers endlich wieder das tun, was ihre Bestimmung ist: vor Menschen auftreten und diese mit ihren Künsten erfreuen.“ Nach einigen Tagen in Andelsbuch übersiedelt der Tross am 20. August nach Alberschwende.