ÖGK fordert eine Landarztquote beim Medizinstudium

Vorarlberg / 18.08.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
ÖGK fordert eine Landarztquote beim Medizinstudium
Im VN-Gespräch wurde ÖGK-Obmann Andreas Huss ziemlich deutlich. VN/Sams

Aufnahmeverfahren müsse geändert werden.

schwarzach Auch im zweiten Jahr nach der Kassenzusammenlegung hadern die Arbeitnehmervertreter mit dem Umstand, nicht mehr Herr in der eigenen Versicherung zu sein, wie es ÖGK-Obmann Andreas Huss im VN-Gespräch formulierte. “Es ist immer wieder ein Problem, berechtigte Anliegen von Arbeitnehmern bei der Wirtschaftskammer durchzubringen, obwohl es sich um die Beiträge der Versicherten handelt”, beklagte Huss. Als Beispiel nannte er den Ausbau der Psychotherapie. Da habe die Arbeitgeberseite zuerst auch abgelehnt. “Erst auf medialen Druck war eine Zustimmung zu bekommen”, sagte Huss.

Mehr Ärzte als je zuvor

Noch mehr beschäftigt den ÖGK-Obmann allerdings der gegenwärtige Ärztemangel, wobei er von einer grotesken Situation berichtete: “Wir hatten noch nie so viele Ärzte wie jetzt”, führte Huss aus. Was jedoch fehlt, sind Kassenärzte. Mehr und mehr Mediziner würden ins Wahlarztsystem abwandern. Was ihn dabei ärgert: “Sie wollen nur mit den positiven Seiten der Kasse zu tun haben”, nannte er als Beispiel das Ausstellen von Rezepten und Krankschreibungen. Von Mindestöffnungszeiten oder Bereitschaftsdiensten würden Wahlärzte hingegen nichts wissen wollen. Da will Andreas Huss aber nicht mehr weiter zuschauen. “Entweder die Wahlärzte, und das werden wir mit der Ärztekammer verhandeln, sind bereit, enger mit dem Kassensystem zusammenarbeiten, oder es bekommen alle, die einen Kassenvertrag wollen, einen solchen, und für die anderen wird es keine Vorteile mehr geben. Das sind dann nur noch Privatärzte”, wetterte Huss. Den meisten Applaus für diesen Vorschlag habe er von den Kassenärzten bekommen, denn: “Wahlärzte sind für Kassenärzte ein Problem, weil die sich nur die Rosinen herauspicken, aber nicht die Leistungen von Kassenärzten erbringen müssen.” Er fügt noch an: “Nur ein Drittel der Wahlärzte sind versorgungswirksam.”

Huss gibt sich außerdem überzeugt, dass es legitim ist zu sagen, das Investment einer Ärzteausbildung, die immerhin 300.000 bis 500.000 Euro koste, für ein gut funktionierendes Gesundheitssystem wieder zurückhaben zu wollen. “In Berufen, die wir dringend für das gesellschaftliche Zusammenleben brauchen, darf der Staat ruhig ein bisschen steuernd eingreifen.” Den Einwand, dass auch andere Studienzweige bezahlt würden, lässt Andreas Huss nur bedingt gelten. Es komme darauf an, ob ein Mangel bestehe. “Bei Juristen gibt es den nicht.”

Verpflichtende Praktika

Das Aufnahmeverfahren ist ihm ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Universitäten würden vorrangig schauen, dass sie Forschernachwuchs rekrutieren. “Der nützt mir draußen gar nichts.” Der ÖGK-Obmann forciert eine Landarztquote wie sie schon in Deutschland gang und gäbe ist. Junge Menschen, die bereits zu Studienbeginn wissen, dass sie im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten wollen, sollen als erstes ihre Studienplätze bekommen. Mit dem aktuellen Gesundheitsminister habe er das bereits diskutiert: “Es gefällt ihm sehr gut.” Außerdem wünscht sich Huss verpflichtende Praktika in Kassenpraxen schon während des Studiums.

Zu denken gibt Andreas Huss der Umstand, dass sich nicht einmal für Primärversorgungseinheiten Ärzte finden lassen. Da müsse sich die Kasse etwas überlegen. Er könnte sich vorstellen, dass sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und die Administration übernimmt. Ebenso ist er überzeugt, dass Ärzte durch Fachkräfte aus nichtmedizinischen Berufe wirksam entlastet werden könnten.

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