ORF: Klement vor Vertragsverlängerung

Vorarlberg / 14.09.2021 • 21:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nicht alle Mitarbeiter mögen den Chef: Vorwürfe formuliert.

Dornbirn Fieberhafte Betriebsamkeit und Hektik hinter den Kulissen auf den letzten Metern der ORF-Landesdirektorenbestellung. Während es in Vorarlberg weiterhin bei den beiden Bewerbungen des bestehenden Landesdirektors Markus Klement und der Schweiz-Korrespondentin Marion Flatz-Mäser geblieben ist, wurde gestern der designierte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann noch einmal mit der Vorarlberg-Causa befasst – vom Zentralbetriebsrat und dem Redakteursrat. Denn die Zeit drängt. Schon morgen wird der Stiftungsrat in Wien einerseits die ORF-Direktoren, unter denen auch die in Bludenz geborene Ingrid Thurnher als Radiodirektorin gehandelt wird, beschließen. Andererseits stehen auch die Direktoren der neun Landesstudios als Paket zur Wahl.

Führungsstil in Kritik

Für Vorarlberg wäre eigentlich alles klar: Klement wird bestätigt. Es gibt allerdings mehrere aktuelle und ehemalige ORF-Vorarlberg-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die von Vorfällen aus dem Landesstudio berichten, die für Chefs nicht nur in öffentlich-rechtlichen Anstalten durchaus gefährlich werden können: Angeschrien werden mit hochrotem Kopf, auch von Bespitzelungsvorwürfen der Kulturredaktion ist die Rede, zudem kam es – wie berichtet – zu einer fristlosen Entlassung, weil ein falsches Zimmer während der Corona-Zeit von einem Redakteur betreten wurde. Der frühere ORF-Kulturchef und heutige VN-Kolumnist Walter Fink beschrieb im August die „Stürmischen Zeiten im ORF“. Mittlerweile liegt den VN ein ursprünglich als Leserbrief verfasster Text vor, in dem Vorwürfe formuliert werden, der ORF sei „journalistisch extrem ausgehöhlt und ,klimatisch’ in ein Haus der Unterdrückung und Angst verwandelt“ worden. Der Leserbrief wurde von den ORF-Redakteuren schließlich aber nie abgeschickt.

Die nun beschriebenen Vorwürfe werden auch Spuren in der Stiftungsratssitzung am Donnerstag hinterlassen, denn die ORF-Betriebsrätin Christiana Jankovics sagt den VN: „Ich werde ihn nicht wählen. Wenn es so einen Konflikt in einem Landesstudio gibt, dann kann man nicht über Jahre hinwegsehen. Dass da kein Handlungsbedarf gesehen wird, auch in der Zentrale, das entsetzt mich schon.“ In der ORF-Führungsetage wird mit überwältigender Zustimmung gerechnet.

Unterstützung für Klement

Landeshauptmann Markus Wallner hatte bis Montagabend noch keine Letztentscheidung vom ORF erhalten, es gilt aber als vereinbart, dass Markus Klement verlängert wird. Die Landeshauptleute verfügen laut Paragraf 23 des ORF-Gesetzes über ein sogenanntes Anhörungsrecht. Und gelebte Praxis ist, dass noch nie ein Landesdirektor gegen den Willen des Landeshauptmannes bestellt worden ist. Somit ist es der Landeshauptmann, der den Landesdirektor maßgeblich mitbestimmt.

Im ORF sieht es nach einer Verlängerung von Landesdirektor Klement aus. Und dass ORF-General Weißmann ihm einen Personalführungskurs verordnen wird, eine Nachschulung quasi.

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