Von Stillstand keine Spur

Vorarlberg / 23.09.2021 • 16:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Corona hat so einiges verändert. Gross und Vögel bereiten das Publikum wieder auf die Realität vor.<span class="copyright">CEG</span>
Corona hat so einiges verändert. Gross und Vögel bereiten das Publikum wieder auf die Realität vor.CEG

Das neue Kabarett-Traumpaar Stefan Vögel und Anna Gross brilliert in „Wo simmer stohbliba?“.

Rankweil Lange, um nicht zu sagen viel zu lange, war die Bühnenpause von Kabarettlegende Stefan Vögel. Nun ist er wieder zurück mit seinem neuen Programm. An seiner Seite glänzt dieses Mal nicht wie schon so oft Maria Neuschmid, sondern ihre Tochter Anna Gross.

Analoges Dating ganz neu

Inhaltlich nähern sich die beiden in den rund 120 Minuten Programm, bestehend aus einer Mischung aus Wort- und Liedwitz, dem Thema an, wie sehr die Pandemie unser Leben abseits von Onlinemeetings, Netflix und Tinder verändert und beeinflusst hat. Im neuen, wieder analog stattfindenden Dating erlebt man dann auch gleich den sanften Umgang der beiden Protagonisten miteinander. Stets geprägt von gehobener Ausdrucksweise und dem vertrauensvollen Aufeinanderzugehen. Immerhin habe die jetzige Generation, so Vögel, endlich auch etwas, um damit anzugeben, wie dereinst der Großvater mit dem Zweiten Weltkrieg. So manche charakterliche Änderung von Mitmenschen in Sachen Partnerschaft, Beziehung, plötzlich aufgezwungenem familiärem Zusammenleben oder der Coronanachbarschaftswache erfährt das begeisterte Publikum im weiteren Verlauf. Genau aber auch, warum der moderne Vorarlberger im Garten neben dem Rasenmähroboter nun unbedingt einen Flüchtling engagiert haben muss und wie das neue Statussymbol ebenfalls zu Eifersüchteleien gegenüber dem Nachbarn führt. Die Krise habe zudem dazu geführt, dass die letzte echte Männerbastion, die Motorradfahrerclubs, von Früchtetee, Parkscheinen, BH-Strafen und alkoholfreiem Bier unterwandert werden. Eine langjährige Thüringerberger Beziehung endet in einer „sprichwörtlichen“ Krise und das Sprachen-Café bereitet sich intensiv auf die Alemannenprüfung mittels der drei Schwestern vor.

Toni Schels (technischer Leiter Frastanzer Brauerei) mit Gattin Marianne.
Toni Schels (technischer Leiter Frastanzer Brauerei) mit Gattin Marianne.

Letztlich duellieren sich Mann und Frau bei der hohen Kunst des Einkaufens von vermeintlich banalen Dingen wie Eier, Mehl und Batterien. Die gesanglichen pointierten Einlagen drehen sich um die Untreue von Haustieren und das Schicksal des neuen Gucci-Mantels im Gasthaus. Vögel und Gross setzen sich auch allein auf der Bühne durch, etwa wenn der leicht angeheiterte Brautvater Vögel erklärt, warum die Wahl der richtigen Frau kostspieliger ist als die Entscheidung zwischen Flach- und Satteldach. Gross glänzt als Giovanna Trapattoni und hält dem Vorarlberger Mann den Leistungsabfall in den heimischen Schlafzimmern vor.

Herzlich gelacht haben auch Stefanie und Birgit.
Herzlich gelacht haben auch Stefanie und Birgit.

Routiniert mit jugendlichem Esprit

Ein äußerst kurzweiliger Abend im Alten Kino Rankweil, der einen echten Angriff auf die Lachmuskeln bot. Vögel wird sein Spitzbubengesicht wohl auch noch die nächsten Jahrzehnte sein Eigen nennen dürfen. Seine Routine wird ergänzt durch den jugendlichen Esprit von Gross, die ihrer Mutter um nichts nachsteht und so manchen frischen Wind auf die Bühne zaubert. Der Kreis schließt sich übrigens insofern, als Neuschmid den beiden in Sachen Regie unter die Arme gegriffen hat. Nit stohbliba, Karten kaufen, anschauen und mitlachen. CEG

Kabarettist Markus Lins und Ingrid ließen sich die Premiere nicht entgehen.
Kabarettist Markus Lins und Ingrid ließen sich die Premiere nicht entgehen.

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