Sommer-Zahlen machen Wälder Tourismus Mut

Vorarlberg / 26.09.2021 • 17:05 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
So eng sind Tourismus und Alpwirtschaft kaum einmal verbunden: Auf der Jägeralpe weidet das Vieh hautnah um das Hotel, dem die Alpe den Namen gab. <span class="copyright">stp</span>
So eng sind Tourismus und Alpwirtschaft kaum einmal verbunden: Auf der Jägeralpe weidet das Vieh hautnah um das Hotel, dem die Alpe den Namen gab. stp

Mit Topergebnis auf vielversprechendem Weg zurück in Normalität.

egg Das hat selbst optimistische Erwartungen übertroffen: „Wir konnten im Herbst ein hervorragendes Nächtigungsergebnis verbuchen, das sogar noch deutlich über der ebenfalls sehr erfreulichen Bilanz des Vorjahres liegt“, freut sich Geschäftsführerin Herlinde Moosbrugger über eine Entwicklung, die dem Wälder Tourismus Mut macht.

Setzt sich der Trend fort?

Sie will im Gespräch mit der VN- Heimat nicht auf die Euphorie-Bremse steigen, merkt aber trotzdem vorsichtig an, „dass wir jetzt alle auf eine Fortsetzung des positiven Trends im Herbst und in der kommenden Wintersaison hoffen“. Der September habe sich ebenfalls gut entwickelt, „aber wir mussten im Vorjahr leider zur Kenntnis nehmen, dass das Pendel auch schnell in die andere Richtung ausschlägt und eine neuerliche Welle einen Rückschlag bringt.“

Mit der Struktur punkten

Das August-Ergebnis bestätige einmal mehr, dass „der Bregenzerwald mit seiner Tourismus-Struktur richtig liegt und damit auch in der nach wie vor schwierigen Situation punkten kann.“ Nach Monaten der Einschränkungen hätten die Urlauber offenbar mehr Verlangen nach Bergen, Natur und Sicherheit im Nahbereich statt schwer einschätzbaren Risiken bei Fernreisen.

Ein Vergleich mit dem Sommer 2020 zeigt zwar eine erfreuliche Steigerung der Ankünfte und Nächtigungen, er ist aber nur bedingt aussagekräftig, weil die Pandemie im Vorjahr massive Ausfälle bewirkt hat.

Aber selbst in Relation zum Sommer 2019 stimmt der bisherige Verlauf der Saison 2021 optimistisch. Einen guten Herbst – ohne neuerliche Einschränkungen – vorausgesetzt, könnte heuer das Minus gegenüber 2019 im einstelligen Prozentbereich liegen.

Vergleich mit 2019 und 2020

Nach zwei Dritteln der Sommersaison ist es im Vergleich mit dem Vor-Corona-Sommer 2019 noch ein Minus von 10,3 Prozent oder rund 62.000 Nächtigungen. Gegenüber dem Sommer 2020 ergibt sich hingegen ein erfreuliches Plus von knapp zwölf Prozent, das sind mehr als 56.000 Nächtigungen. Den Löwenanteil an dieser Entwicklung steuerten Damüls (plus 11.000 Nächtigungen), Warth (plus 8000) und Mellau (plus 7500) bei. Kein Zufall, denn diese Gemeinden unternehmen hinsichtlich Qualitätsverbesserung große Anstrengungen – Stichwort Alpenstern, Biberkopf oder die Wälderin.

Nachhaltigkeit im Fokus

Dieser Tage feierte ein weiteres Tourismus-Flaggschiff der Region Firstfeier. „Wir investieren heuer zehn Millionen Euro – dafür schaffen wir lediglich zwei zusätzliche Betten in unserer Jägeralpe“, betont Oswald Jäger, der vor knapp zwei Jahren mit seiner Gattin Jasmin die Leitung des Vier-Sterne-Superior-Hauses auf Hochkrumbach übernommen hat und das Konzept seiner Eltern und Großeltern konsequent weiterführt: „Bei dieser Baumaßnahme geht es nicht um zusätzliche Betten, sondern fast ausschließlich um Qualität und Nachhaltigkeit. Wir erneuern das ursprüngliche Stammhaus aus den 1960er- und 1970er-Jahren, vergrößern die Zimmer. Erweitert wird auch der Restaurant- und Wellnessbereich, wo wir u. a. einen großen Außenpool mit Massageliegen erstellen. Die Bar Oscars wird ins Zentrum des Hauses verlegt. Nachhaltig sind wir seit vielen Jahren unterwegs, geheizt wird mit Pellets und Warmwasser wird mit einer großen Solaranlage aufbereitet. Die hoteleigene Stromerzeugung haben wir von 20 auf 45 Quadratmeter Module mehr als verdoppelt“, listet er auf. Und Gattin Jasmin ergänzt, dass auch eine sogenannte Kräuterei, ein Yogaraum sowie ein von Ulrike Maria Kleber betreutes Atelier am Berg und ein Golf-Simulator eingerichtet werden.

Gäste und Mitarbeiter

Kräftig investiert wird nicht nur in den Komfort der Gäste, auch an die Mitarbeiter wird gedacht: „Wir haben das alte Mitarbeiterhaus abgerissen und die Zahl der Unterkünfte in zwei neuen Objekten von bisher rund 30 auf etwa 60 verdoppelt, erläutert Jäger und fährt fort: „Nur zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein gutes Team, anders geht es nicht und anders kann die Zukunft eines Betriebes nicht sichergestellt werden.“

Alpwirtschaft und Tourismus

Und die Jägeralpe wartet noch mit einer anderen Besonderheit auf: Kaum ein anderes Hotel kann auf eine so enge Vernetzung von Alpwirtschaft und Tourismus verweisen wie die Jägeralpe. Sie ist aus einer unscheinbaren Alphütte entstanden, bei der die Familie Jäger Ende der 1960er-Jahre die Chancen des Tourismus erkannte, zunächst mit Ab-Hof-Verkauf von Käse, Milch und Butter für Verpflegung der Bergfreunde sorgte, dieses Geschäftsfeld durch ein Gasthaus mit Beherbergung im Matratzenlager ergänzte und nach und nach zum Tophotel mit Vier-Sterne-Superior-Niveau weiterentwickelte.

Alphütte musste weichen

Die Jägeralpe gab dem Gasthaus/Hotel den Namen und mehr als drei Jahrzehnte blieb die Alphütte Teil des Ensembles, ehe sie schließlich einer Hotelerweiterung weichen musste.

Keine 300 Meter entfernt wurde eine moderne Alphütte errichtet, die von der Familie Jäger lange selbst bewirtschaftet wurde und die erst seit einigen Jahren verpachtet ist. STP

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