Vorarlberger KPÖ-Urgestein Johann Brandner über Graz: “Sie rackern für die Menschen”

Vorarlberg / 28.09.2021 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlberger KPÖ-Urgestein Johann Brandner über Graz:  "Sie rackern für die Menschen"
Johann Brandner, ehemaliger KPÖ-Chef in Vorarlberg, weiß, warum die Grazer Genossen so erfolgreich sind. VN/Hämmerle

Das Etikett KPÖ sei nicht entscheidend. “Sondern was man für die Bürger tut. Das hat Elke Kahr gezeigt.”

Dornbirn Johann Brandner (64) weiß, was es früher bedeutete, in Österreich ein Kommunist zu sein. Seine Erinnerungen an die Jugendzeit sind unauslöschlich. Brandner entstammt einer Kommunistenfamilie und wurde in diesem Geist erzogen. “Meine Mutter sammelte Geld für die US-Bombenopfer in Vietnam, während mir der Lehrer in der Schule erklärte, wie die Amerikaner dort für die Freiheit kämpfen.” Brandner war 1968 mit auf einem kommunistischen Jugendcamp in Prag, als die Sowjets ihre Besetzung starteten. “Ich sah Panzer in den Straßen, nahm aber keine Kämpfe wahr. In der Schule sollte ich dann erzählen, was ich Schreckliches gesehen hätte. Als ich sagte ‘nichts’, bezeichnete mich der Lehrer als Lügner.”

Der Bub hatte es nicht einfach. Er wurde von Mitschülern als gottloser Heide beschimpft.

Die Empathie

Wie muss es sich anfühlen, wenn man dann viele Jahre später erleben darf, dass Kommunisten die zweitgrößte Stadt Österreichs erobern und ihnen dort viele Herzen zufliegen? “Ich freue mich wirklich für die Genossen in Graz. Ich kenne ja die meisten von ihnen und weiß, was sie tun.”

“Ich freue mich für die Genossen in Graz. Ich kenne die meisten von ihnen und weiß, was sie tun.

Johann Brandner, Ex-KPÖ-Chef in Vorarlberg

Das Erfolgsgeheimnis der Grazer KPÖ: “Ihre Mitglieder kämpfen dort für die Menschen. Sie zeigen Empathie für die sozial Schwachen.” Brandner erzählt von den Tausenden Grazern, die in die Sprechstunde von Elke Kahr kommen. “Die werden dort aber nicht einfach abgehört, und es geschieht nichts. Die KPÖ-Leute kümmern sich mit größten Einsatz um deren Anliegen. Das zeigt Wirkung.” So hätten sich die steirischen Kommunisten erfolgreich für eine Mietzinsobergrenze bei städtischen Wohnungen sowie einen Kautionsfonds stark gemacht.

Der Gebrauchswert

Die KPÖ hat laut Brandner vor allem der FPÖ das Wasser abgegraben. “Viele Hilfesuchende sind nämlich draufgekommen, dass die Blauen nur Heuchler sind. Sie geben vor, für die kleinen Leute etwas zu tun, doch sie tun nichts.”

Der Vorarlberger KPÖ-Chef zwischen 1980 und 1991 ist sich sicher: “Das Etikett KPÖ ist nicht mehr so wichtig. Wichtig ist nur, was die Partei für einen Gebrauchswert hat.” In Graz komme hinzu, dass sich die Partei – nicht wie in Vorarlberg – über die Jahre hinweg ihre Strukturen erhalten habe und auf einen funktionierenden Apparat zurückgreifen könne.

Guten Draht nach Graz

Johann Brandner, der als Sozialarbeiter in der Schweiz tätig ist, hat zu den Grazer Genossen einen guten Kontakt. Vor allem mit Elke Kahrs Vorgänger als Grazer KPÖ-Chef, Ernest Kaltenegger, kommuniziert Brandner regelmäßig. “Und wenn ich in Graz bin, besuche ich die Genossen stets gerne.”

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