VN-Stammtisch zu Moscheeplänen: Unmut über Halbmond, Angst vor mehr Verkehr

Vorarlberg / 15.10.2021 • 09:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diskutierten auf dem Podium: Gemeinderat Martin Fitz (FPÖ, v.l.), Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP), Moderator Klaus Hämmerle, Hamit Öztürk (ATIB) und Hans Rapp (Diözese Feldkirch). <span class="copyright">vn/paulitsch</span>
Diskutierten auf dem Podium: Gemeinderat Martin Fitz (FPÖ, v.l.), Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP), Moderator Klaus Hämmerle, Hamit Öztürk (ATIB) und Hans Rapp (Diözese Feldkirch). vn/paulitsch

Am Donnerstagabend ab 19 Uhr lud die VN zur Debatte in den Reichshofsaal.

Lustenau Der türkisch-islamische Verein ATIB plant einen Neubau direkt an der Reichsstraße, dessen Name „Kulturzentrum und Moschee“, kurz: KUM lautet. Dass sich dieses Wort auch als Einladung lesen lässt ist, ist beabsichtigt, das Projekt soll verbinden. „Ich bin überzeugt, dass es einen Mehrwert für Lustenau darstellt“, sagte ATIB-Sprecher Hamit Öztürk beim VN-Stammtisch zu diesem Thema am Donnerstagabend. Doch der Plan hat in Lustenau nicht nur Befürworter. Wie sich bei der Diskussion im Reichshofsaal vor gut 150 Zuhörern herauskristallisierte, sind es ein neues und ein altes Thema, das die Menschen bewegen. Das Neue: Ein 20 Meter hoher Turm soll nach den Plänen von ATIB selbstbewusst den islamischen Halbmond zur Schau stellen. Das Alte: Der Verkehr, denn das Gebäude soll neben Gebetsraum auch Geschäfte, ein Restaurant, einen Veranstaltungs- und einen Jugendraum enthalten und so Publikum anlocken.

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Die Architektur, von den Architekten Kamal Cansiz und Jochen Specht vorgestellt, enthalte islamische und Vorarlberger Elemente, das Gebäude sei nach der Straße ausgerichtet, nicht gen Mekka. Grün- und Spielflächen sind geplant, „ein Ort der einlädt zum Flanieren und zum Verweilen“, so Specht.

„Eine Provokation“

Betont wurde der verbindende Charakter des Projekts, an den FP-Gemeinderat Martin Fitz jedoch nicht so recht glauben wollte. „Viele Bürger empfinden den Turm als Provokation. Eine verbindende Geste sollte nicht mit einer Provokation beginnen“, erklärte er und erntete Applaus. Fitz spielte den Ball zu Bürgermeister Kurt Fischer, der sich nun als oberste Baubehörde mit der Baueingabe befassen muss. Einer Entscheidung griff er auf dem Podium nicht vor. „Wir müssen in einen offenen Dialog gehen und schlussendlich eher zusammenwachsen statt auseinander“, appellierte der Rathauschef. Doch was braucht es, damit das Projekt ein Gewinn für Lustenau wird? Auf diese Frage von Moderator Klaus Hämmerle antwortete Fischer: „Wichtig sind eine breite Akzeptanz und eine möglichst gute Übereinkunft mit den Nachbarn.“

Und gerade die meldeten sich zahlreich zu Wort, vor allem, weil sie mehr Verkehr befürchten und die geplanten 54 Parkplätze für zu wenig erachten. Eine solche Moschee dürfte Muslime nicht nur aus Lustenau anlocken, lautete eine Befürchtung vom Podium wie aus dem Publikum.

Die Zuhörer äußerten in ihren Wortmeldungen meist Skepsis gegenüber dem Bauprojekt. 
Die Zuhörer äußerten in ihren Wortmeldungen meist Skepsis gegenüber dem Bauprojekt. 

„Kein Einfluss Erdogans“

Hamit Öztürk trat auch Kritik an einer vermeintlichen Nähe ATIBs zur türkischen Erdogan-Regierung entgegen: „Dass die türkische Regierung Einfluss auf ATIB hat, ist ganz klar falsch“, erklärte der Jurist. Sowohl Hans Rapp, Beauftragter für interreligiösen Dialog bei der Diözese Feldkirch, als auch Integrationsexpertin Eva Grabherr im Publikum attestierten ATIB und anderen Islamvereinen große Offenheit. „Ich wünsche diesem Projekt, dass es praktische Fragen wie den Verkehr gut in den Griff kriegt“, erklärte daher Hans Rapp.

VN-Stammtisch zu Moscheeplänen:  Unmut über Halbmond, Angst vor mehr Verkehr
<p class="caption">So soll das islamische Kulturzentrum ausschauen.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="copyright">Rendering: Specht/Cansi</span></p>

So soll das islamische Kulturzentrum ausschauen. Rendering: Specht/Cansi

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Die Informationen um den Bau hätten viel früher kommen sollen. Jetzt ist es zu spät, um Widerspruch einzulegen. Ich habe das Gefühl, dass es sich um den Ausverkauf der eigenen Heimat handelt.<strong> Lothar Hellmair, 63</strong>
Die Informationen um den Bau hätten viel früher kommen sollen. Jetzt ist es zu spät, um Widerspruch einzulegen. Ich habe das Gefühl, dass es sich um den Ausverkauf der eigenen Heimat handelt. Lothar Hellmair, 63
Ich finde es nicht schlecht. Als Lehrerin hatte ich viele türkische Schüler. Wenn man Menschen nicht mit Stacheln in den Händen entgegentritt, sondern mit offenen Armen, tun sie das auch. <strong>Gertrude Sucher, 80</strong>
Ich finde es nicht schlecht. Als Lehrerin hatte ich viele türkische Schüler. Wenn man Menschen nicht mit Stacheln in den Händen entgegentritt, sondern mit offenen Armen, tun sie das auch. Gertrude Sucher, 80
Ich bin in der Jugendgruppe der Moschee tätig. Im neuen Haus wird mehr möglich sein. Es wird auch einen für alle offenen Jugendraum geben. Ich glaube, dass es die Kultur in Lustenau bereichern wird. <strong>Bareldin Tasar, 17</strong>
Ich bin in der Jugendgruppe der Moschee tätig. Im neuen Haus wird mehr möglich sein. Es wird auch einen für alle offenen Jugendraum geben. Ich glaube, dass es die Kultur in Lustenau bereichern wird. Bareldin Tasar, 17
Ich gehe schon davon aus, dass die Moschee gebaut wird. Es wird ein schönes Bauwerk. Zwar sehe ich mich selbst als Agnostiker, aber dass ein Gotteshaus schön sein soll, ist auch für mich einsichtig. <strong>Robert Bösch, 71</strong>
Ich gehe schon davon aus, dass die Moschee gebaut wird. Es wird ein schönes Bauwerk. Zwar sehe ich mich selbst als Agnostiker, aber dass ein Gotteshaus schön sein soll, ist auch für mich einsichtig. Robert Bösch, 71

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