So sehr vertrauen die Vorarlberger Sebastian Kurz

Vorarlberg / 22.10.2021 • 21:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So sehr vertrauen die Vorarlberger Sebastian Kurz
Das Vertrauen in Sebastian Kurz ist im Keller. APA

Vorarlbergs Vertrauen in Kurz sackt ab, großes Misstrauen auch in Schallenberg.

Schwarzach Die Inseratenkorruptionsaffäre um Sebastian Kurz und sein Team brachten die Regierung ordentlich ins Wanken. Kurz kam seiner Abwahl durch den Nationalrat zuvor und trat als Kanzler zurück. An seine Stelle trat Alexandwer Schallenberg, womit die Türkis-Grüne Regierung gerettet scheint. Beim Vertrauen in den ehemaligen Kanzler sieht es hingegen anders aus. Es ist erschüttert. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dr. Berndt im Auftrag der VN ergibt, rasselt das Vertrauen der Vorarlberger in den ÖVP-Parteichef in den Keller. Auch beim neuen Kanzler sieht es düster aus.

Am 6. Oktober rückt die Polizei aus. Ihr Ziel sind mehrere mutmaßlich Verdächtinge in der Inseratenkorruptionsaffäre. Dazu zählt Sebastian Kurz, der zu diesem Zeitpunkt noch Bundeskanzler ist. Am gleichen Tag wird die Anordnung zur Hausdurchsuchung öffentlich. Darin finden sich nicht nur die konkreten Anschuldigungen, auch Chatnachrichten zwischen Kurz und seinen Vertrauten werden bekannt. In den Tagen darauf folgen weitere Chats. Sie enthalten Schimpfwörter, entlarven politische Machtkämpfe und zeigen, wie Sebastian Kurz mit seinem engsten Kreis zusammenarbeitet, um die Macht zu übernehmen. Am 9. Oktober wird der Druck zu groß. Kurz tritt als Kanzler zurück, bleibt aber ÖVP-Chef und wird Klubobmann. Sein Vertrauen ist im Keller.

So sehr vertrauen die Vorarlberger Sebastian Kurz

503 repräsentativ ausgewählte Vorarlberger wurden gefragt, ob sie Sebastian Kurz noch vertrauen. 23 Prozent sagten sehr oder ein bisschen, 70 Prozent antworteten mit kaum oder gar nicht. Ebenfalls 70 Prozent gaben an, dass sie ihm weniger vertrauen als vor der Affäre. Bei 17 Prozent hat das Vertrauen nicht gelitten.

Misstrauensvorschuss

Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle überrascht aber vor allem das Misstrauen in Kurz-Nachfolger Alexander Schallenberg. 56 Prozent der befragten vertrauen ihm kaum oder gar nicht, 30 Prozent sehr oder ein bisschen. „Es war ja die Hoffnung, dass er als neuer Bundeskanzler das Vertrauen zurückholt. Das scheint nicht wirklich gelungen zu sein. 56 Prozent Misstrauen ist eigentlich viel zu hoch für einen Bundeskanzler.“ Das liege unter anderem an den ersten Auftritten des Kanzlers. „Er hat sich zu wenig von seinem Vorgänger distanziert und hingegen seine Loyalität gegenüber Kurz ausgedrückt. Man traut ihm wohl nicht zu, dass er für Aufklärung steht und dafür, dass sich solche Dinge nicht wiederholen.“ Die niedrigen Vertrauenswerte von Kurz wundern Stainer-Hämmerle hingegen nicht. Das Vertrauen in die Politik insgesamt dürfte gelitten haben. „Die Verteidigungsstrategie der ÖVP, alle mitanzupatzen, funktioniert ein bisschen.“

Saldo im Keller

Kurz habe eine Chance, da rauszukommen, und zwar nur, wenn die Staatsanwaltschaft nach ihren Ermittlungen feststellt, dass die Erkenntnisse nicht für eine Anklage reichen. „Dann bleibt zwar noch das moralische, aber er kann seine Geschichte wiederholen, er sei ein Opfer.“ Es gebe zwar sowohl den Vorwurf der Falschaussage als auch den der Untreue. „Ich glaube aber, dass es ohne Geständnis schwer wird, die Untreue zu ihm zurückzuführen. Das könnte ihm stark helfen.“ Das sei auch die einzige Chance. Denn man müsse auch sehen: „Kurz hat mit einem Vertrauensvorschuss begonnen, den seine Vorgänger nicht hatten.“

Der OGM-Vertrauensindex erhebt monatlich das Vertrauen der Österreicher in die Bundespolitik. Der Saldo aus Vertrauen und Nichtvertrauen lag bei Kurz im September bei +9. In Vorarlberg liegt er nun bei -47.

Details zur Umfrage

Repräsentative Zufallsauswahl (Sampling-Methode) in der Vorarlberger Bevölkerung ab 16 Jahren ohne Kleinwalsertal. Ca. 303.000 Menschen mit Hauptwohnsitz

Stichprobengröße n=503; Ein Interview pro Haushalt. Überwiegende Befragungsform Telefon (68%). 22% „Face to Face“, 10% online. Proportionale Verteilung der Interviews auf alle Regionen des Landes (Bezirke, Gemeindegrößenklassen, Talschaften, Stadtland) im Verhältnis zu den Bewohnern.

Erhebungszeitraum 12. bis 15 Oktober 2021. Berndt: „Einhaltung und Praktizieren der für unser Institut üblichen Qualitätsstandards sowie Kontrolltätigkeit.“

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