Mariastern-Gwiggen der Stern des Meeres

Vorarlberg / 08.11.2021 • 16:25 Uhr
Die Abtei Mariastern-Gwiggen in Hohenweiler.<span class="copyright">Friedrich Böhringer</span>
Die Abtei Mariastern-Gwiggen in Hohenweiler.Friedrich Böhringer

Die Abtei weist eine lange und abwechslungsreiche Geschichte auf.

Hohenweiler Die Abtei Maria­stern-Gwiggen ist eine Abtei der Zisterzienserinnen in Hohenweiler und der Gottesmutter unter dem Namen Stern des Meeres geweiht. Das ehemalige Schlossgebäude von Gwiggen mit der Loretokapelle geht auf das 16. und 17. Jahrhundert zurück.

Konrad von Wolfegg aus Ravensburg kaufte 1355 die zwei Höfe „zu Gewigge“. Er legte sie mit der Burg Alt-Schönstein (am Rand der Rohrachschlucht) bzw. Neu-Schönstein (direkt oberhalb von Gwiggen) zusammen. Nach den Wolfeggern wurde 1406 Heinrich von Schönstein der neue Besitzer des Schlosses. Hugo XVII. von Montfort kaufte Gwiggen 1504 und gab es an Amtsleute, die in seinen Diensten waren, weiter. In den folgenden Jahren waren viele adelige Familien Besitzer und Lehnherrn, bis 1612 das Kloster Weißenau Gwiggen erwarb und bis 1649 behielt.

Restaurierung und Umbau

Obrist Caspar von Schoch (1610–1672) erwarb vom Kloster Weißenau den Lehenhof. 1655 wurde ihm die niedere Gerichtsbarkeit über Gwiggen erteilt und auf ganz Hohenweiler ausgedehnt. Sein Sohn Caspar jun. starb zehn Jahre später, ohne einen Erben zu hinterlassen. Er vermachte seiner Frau das Gesamtvermögen samt dem Schloss. Sie heiratete später Franz Seyfried von Thunau, der das Schlossgebäude restaurierte und umbaute. An der Ostseite ließ er die Schlosskapelle (Loretokapelle) anbauen, eingeweiht 1694 von Konrad Ferdinand, Bischof von Tivoli und Weihbischof in Konstanz. Die Innenausstattung stammt von den Erben des im Dreißigjährigen Krieg berühmt gewordenen Kaspar Schoch.

1802 an Habsburger, 1806 an Bayern

Die Besitzer waren wegen einer Bürgschaft hoch verschuldet und mussten 1711 das Anwesen an das Damenstift Lindau veräußern. 1802 fiel Gwiggen an das Haus Habsburg, 1806 gelangte es in den Besitz Bayerns, wo es versteigert wurde. Der neue Besitzer, Ortsvorsteher Feßler, richtete in seinem neuen Besitz eine Gaststätte und Brauerei ein.

Schrittweiser Ausbau

Die Abtei Mariastern ist das Nachfolgekloster der drei im 13. Jahrhundert gegründeten Zisterzienserinnenabteien (Kloster Kalchrain, Feldbach und Tänikon) im Schweizerischen Thurgau. 1856 erwarben die Konvente von Kalchrain und Feldbach das Schlösschen Gwiggen und nahmen dort nach ersten Umbauten ihr Klosterleben auf. 1869 schloss sich ihnen der Konvent von Tänikon an. Hilfe erhielten sie von den Glaubensbrüdern das Zisterzienserabtei Wettingen.

Klostergeviert entstand

Das Schlossgut Gwiggen wurde erweitert, und zwar in Form eines nördlich anschließenden Klostertrakts mit Zellen und Refektorium. Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich ein Klostergeviert, ähnlich den mittelalterlichen Zisterzienseranlagen. Der Konvent wuchs, deshalb wurde 1987 der Süd- und Westtrakt angebaut mit Zellen, Refektorium, Bibliothek, Werkstätten und einem Gästebereich. Der vervollständigte Kreuzgang umschließt einen Innenhof mit Brunnen und Friedhof der Schwestern. Bis ins späte 18. Jahrhundert war die ehemaligen Loretokapelle ein Wallfahrtsziel. 1962 nahm man die Wallfahrtstradition wieder auf. 1969 wurde die Kloster- und Wallfahrtskirche innen renoviert.

2009 erfolgte ein Umbau des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Stallgebäudes in ein Mehrzweckgebäude mit Klosterladen und Agapehalle. Das ursprüngliche Schlossgebäude enthält heute neben der Pforte die Verwaltung und Räume für Gäste. Es werden ganzheitliche, sowohl spirituell als auch körperorientierte Kurse angeboten.

Die Schwestern

Die Zisterzienserinnen von Maria­stern sind Frauen, die mit ihrem ganzen Leben Gott suchen, die der Liebe zu Christus nichts vorziehen wollen. Das geschieht in Liturgie und Gebet, in Arbeit und Erholung, einzeln und als Gemeinschaft. Sie sind kontemplativ ausgerichtet und bemüht, durch Gebet und Arbeit in einer Atmosphäre von Stille und Sammlung ihr Leben nach dem Vorbild Marias Gott zu weihen. Der Konvent besteht aus etwa 25 Schwestern. Als Nachfolgerin der Äbtissin Sr. Agnes Fabianek († 2015), die als Priorin nach Helfta ging, leitet seit 2005 Äbtissin Hildegard Brem das Kloster. Neben Tätigkeiten wie der Hauswirtschaft betreiben die Nonnen einen Klosterladen und ein Gästehaus.