Bezirksgericht: Strafe für halsbrecherische Flucht vor der Polizei

Vorarlberg / 19.11.2021 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht: Strafe für halsbrecherische Flucht vor der Polizei
Auch der Polizeihubschrauber Libelle hatte sich an der Verfolgung des Fahrers beteiligt. Symbol/APA

Alkoholisierter Lenker (25) setzte Leben anderer aufs Spiel. Seine Entschuldigung lag in deren Briefkästen.

Bregenz Eines frühen Abends im vergangenen Sommer: Sieben Polizeistreifen jagen mit Blaulicht und Folgetonhorn quer durch Hard und Lauterach. Am Himmel zieht der Hubschrauber Libelle seine Kreise. Im Visier der spektakulären Fahndung steht ein zunächst unbekannter Autofahrer, der sich gerade auf der Flucht befindet, auf einer wilden Flucht.

Mit weit überhöhter Geschwindigkeit überholt er andere und rast durch eine Unterführung. Nur durch eine geistesgegenwärtige Vollbremsung kann eine entgegenkommende Autofahrerin noch einen Frontalzusammenstoß verhindern. Passanten müssen auf die Seite springen, um nicht niedergestoßen zu werden. Sperrlinien und Rotlicht sind für den Fluchtlenker „rote Tücher“. Es grenzt an ein Wunder, dass während dieser Höllenfahrt weder Personen noch Sachen zu Schaden kommen.

1,62 Promille

Doch der Polizei entkommt er nur für wenige Minuten. In Lauterach stellt er den Wagen ab und flüchtet mit seinen beiden Mitfahrern zu Fuß. Die Beamten stellen den 25-Jährigen schließlich zuhause in seinem nahegelegenen Heimatort. Er hat 1,62 Promille Alkohol im Blut. Sein Führerschein verschwindet für 16 Monate in einer Schublade der Bezirkshauptmannschaft.

Fünf Monate später kommt die Justiz zum Zug. Am Bezirksgericht Bregenz muss sich der 25-Jährige wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verantworten. Der bereits einschlägig vorbestrafte junge Mann ist geständig. Seine damals halsbrecherischen Manöver begründet er mit Kurschlussreaktionen in einer Extremsituation. Alles sei so schnell gegangen. „Es tut mir leid“, sagt er leise vor Richter Christian Röthlin. Er habe sich bei allen von ihm gefährdeten Personen schriftlich entschuldigt. Bei der Polizei, bei den anderen Verkehrsteilnehmern und seinen Mitfahrern. Die Entschuldigungen schickte er per Post, sie landeten in den Briefkästen.

Unglaubliches Gefahrenpotenzial

Seine Berauschung hatte die größte Rolle gespielt. Erst zu Besuch bei ein paar Kumpels hier, dann bei Freunden dort. „Ich wusste, dass ich danach Auto fahren würde“, gibt der Beschuldigte unumwunden zu. Richter Röthlin spricht von einem „unglaublichen Gefahrenpotenzial“, Bezirksanwalt Stefan Willi zollt der Harder Polizei großen Respekt. Sie hatte damals die Fluchtfahrt verfolgt und eine Vielzahl von Verstößen des Lenkers dokumentiert. „Solche Feststellungen sind bei Fluchtfahrten ein sehr schwieriges Metier“, sagt er.

Der Angeklagte wird im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe in Höhe von 720 Euro (180 Tagesätze zu je vier Euro) verurteilt. Als mildernd wird das umfassende Geständnis des 25-Jährigen bewertet. Sein Verteidiger erbittet für ihn drei Tage Bedenkzeit.

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