Bezirksgericht: Pensionisten duellierten sich mit Eiskratzer

Vorarlberg / 14.12.2021 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht: Pensionisten duellierten sich mit Eiskratzer
Ein Eiskratzer mit einem Besen am anderen Ende wurde zur Waffe in einer Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten. Symbol/vn/rauch

“Spinnerte Nachbarin“ war Auslöser für nicht alltäglichen, doch schlagkräftigen Konflikt.

Bregenz Es trug sich bereits im vergangenen Jänner zu, als es zum Showdown zwischen zwei Männern kam. Es war auf einer verschneiten Straße und wurde erst jetzt zur Verhandlungssache am Bezirksgericht Bregenz.

Zur Rede gestellt

Angeklagt sind zwei Kontrahenten. Ein 67-jähriger Rentner und ein 56-jähriger Frühpensionist. Der Ältere hatte den Jüngeren, der gerade mit einem Besen mit Eiskratzer Schnee von seinem Auto abkehrte, mit Argwohn ins Auge gefasst. Schließlich ging er zu ihm hin, um ihn mit einer Frage zur Rede zu stellen: „Warum hast du meine Nachbarin als spinnert bezeichnet!?“

Worauf der 56-Jährige entgegnete: „Darauf gebe ich dir keine Antwort.“

„Wenn du mir keine Antwort gibst, dann sage ich dir, dass du der Einzige im Hause bist, der spinnt!“, konterte der 67-Jährige.

Diese Antwort entzündete den Funken, der zur Eskalation führen sollte. Zu einer Auseinandersetzung, von der jeder der beiden Beschuldigten eine andere Version vor Richter Christian Röthlin auftischt.

„Er hat mir mit dem Besen ins Gesicht gekehrt und damit auch auf den Kopf geschlagen“, behauptet der ältere Pensionist. „Und mir dann außerdem noch ein paar Fußtritte in die Leiste verpasst“, fügt er hinzu.

„Plötzlich wuchs da eine Beule“

Der jüngere Zweitangeklagte hingegen bezeichnet sich selbst als das malträtierte Opfer: „Ich kehrte gerade Schnee vom Dach, als er auf mich zugerast kam. Er schlug mir mit enormer Kraft auf den Kopf und nicht ich ihm. Plötzlich wuchs da eine Beule“, spricht der 56-Jährige jene schmerzliche Anomalie auf seinem Haupt an.

Beide hätten an dem Eiskratzer verzweifelt gerissen und gezerrt. Jeder wollte damit vom anderen geschlagen worden sein. Aber nicht nur mit dem Stiel. „Auch mit der Faust drückte er mir eine aufs Hirn“, behauptet einer von ihnen.

Freispruch für beide

Da kam ein weiterer Nachbar hinzu und trennte die beiden. Als Zeuge vor Gericht belastet er den 56-jährigen Beschuldigten: „Der ist komplett schuldig! Ich sagte ihm noch, einen alten Mann schlägt man nicht.“

Allerdings wiesen damals beide Beteiligten Verletzungen auf. Für Richter Röthlin ist allerdings nicht eindeutig erkennbar, wer von den Angeklagten damals schlussendlich in Notwehr gehandelt hat. Er spricht kurzum beide frei.  

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