Gemeinsam und nicht getrennt in die Zukunft gehen

Vorarlberg / 02.01.2022 • 18:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Landesbischof Benno Elbs hat den rauen Ton, den Corona hervorgebracht hat, auch zu spüren bekommen. Im neuen Jahr hofft er auf ein besseres Miteinander.vn/steurer
Landesbischof Benno Elbs hat den rauen Ton, den Corona hervorgebracht hat, auch zu spüren bekommen. Im neuen Jahr hofft er auf ein besseres Miteinander.vn/steurer

Bischof Benno Elbs stellt das Miteinander in den Fokus.

feldkirch Er teilt das Unbehagen mit vielen Menschen. „Ich blicke mit gemischten GEfühlen zurück und schaue mit gemischten Gefühlen nach vorn“, offenbart Bischof Benno Elbs (61) in seinen Gedanken zum Jahreswechsel frank und frei auch das persönliche Befinden. Im gleichen Atemzug stellt er das Versöhnliche in den Mittelpunkt. „Die vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen der vergangenen Monate, nicht zuletzt aber unzählige Zuschriften, die ich bekommen habe, und der raue Ton, der darin teilweise angeschlagen wurde, zeigen mir, wie wichtig es ist, im kommenden Jahr verstärkt auf das Miteinander zu achten“, betont Elbs und ergänzt: „Wir müssen uns nach der Pandemie wieder in die Augen schauen können.“ Sein Wunsch: „Gehen wir aufeinander zu, aber nicht aufeinander los.“ Er fordert ein respektvolles Begegnen, Verständnis und Verantwortung füreinander ein. „Damit müssen wir jetzt beginnen!“

Für ihn persönlich sei Zuversicht in den letzten beiden Jahren zu einem zentralen Wort geworden. „Allzu groß ist die Versuchung, resigniert den Kopf in den Sand zu stecken oder die Flinte ins Korn zu werfen“, fühlt der Bischof mit. Doch Zuversicht stemme sich dagegen. Sie setze bei allen Sorgen und Problemen auf die „Trotzmacht des Geistes, zitiert er den Neurologen und Psychiater Viktor E. Frankl. „Eine zuversichtliche Lebenseinstellung gibt Kraft, weiterzumachen, allen Widrigkeiten zum Trotz“, appelliert Benno Elbs, niemals aufzugeben.

Anderes nicht vergessen

Er weiß aus vielen persönlichen Gesprächen um die Sorgen und Ängste, die Menschen angesichts der nicht enden wollenden Pandemie plagen. Vieles hat Kraft gekostet: der Lockdown, die Auseinandersetzungen und Diskussionen, die vielen Bemühungen und Initiativen, die versöhnen wollen und Brücken bauen möchten. „Kraft, die uns hoffentlich nicht fehlt, um andere Themen und Probleme anzugehen, die unsere Zukunft bedrohen“, mahnt Bischof Benno, nicht auf die Klimakrise, den Ausbau der Bildungsmöglichkeiten für die Kinder und die Pflegeversorgung der alten Menschen zu vergessen. Ebenso gibt er zu bedenken, dass es mit einem wachen Blick zu unterscheiden gilt, welche Informationen zuverlässig sind und welche in Irrwege führen. „Es ist wichtig, den Blick zu weiten, eine zweite Meinung einzuholen oder einfach einmal jenen Menschen zuzuhören, mit denen ich auf den ersten Blick nicht einer Meinung bin“, warnt Elbs davor, verführerischen Botschaften auf den Leim zu gehen.

Alle sind gefordert

Im Dienst an der Einheit sieht Bischof Benno auch die Kirche in besonderem Maße gefordert: „Wir sind eine große Gemeinschaft von vielen unterschiedlichen Menschen und Ansichten. Man wird nicht immer einer Meinung sein, umso wichtiger ist es, das Bewusstsein wachzuhalten, dass wir zusammengehören, und dass uns eines eint: der Glaube an einen Gott, der für uns alle Mensch geworden ist.“ Gemeinsam und nicht getrennt in die Zukunft zu gehen, das werde im neuen Jahr eine große Aufgabe sein, die alle betrifft. VN-MM

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