Tausende Kinder armutsgefährdet

Vorarlberg / 02.01.2022 • 19:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Staatliche Familienleistungen nicht sozial treffsicher, wie Untersuchungen bestätigen.

SCHWARZACH Unter Kindern und Jugendlichen ist die Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung groß. Laut Statistik Austria belief sich der Anteil der bis 14-Jährigen, die in Vorarlberg über ihre Eltern davon betroffen sind, im Durchschnitt der vergangenen Jahre auf 26 Prozent. Das entspreche rund 18.000 Buben und Mädchen. In der Gesamtbevölkerung ist der Anteil etwas niedriger. Armuts- und ausgrenzungsgefährdet ist, wer beispielsweise so wenig Geld zur Verfügung hat, dass es schwer bis unmöglich ist, Wohnkosten zu bestreiten, ausreichend zu heizen, geschweige denn auf Urlaub zu fahren.

Mehrbetrag im untersten Fünftel

Staatliche Familienleistungen in Milliardenhöhe lösen das Problem nicht wirklich. Grund: Sie setzen sich zusammen aus direkten Förderungen wie der Familienbeihilfe, bei denen es für jedes Kind gleich viel gibt, zunehmend aber auch aus steuerlichen Förderungen wie dem Familienbonus; bei diesen gibt es für Kinder aus einkommensschwächeren Haushalten weniger Geld. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut handelt es sich einschließlich sogenanntem Mehrbetrag im untersten Fünftel der Haushalte um lediglich 57 Euro pro Kind und Monat, beim Nachwuchs aus besseren Verhältnissen jedoch um mehr als doppelt so viel. „Man muss aufpassen“, warnt Michael Diettrich, Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz: „Kinder sind immer besonders emotional besetzt. Man sollte die gesamte Familie betrachten. Die Armut der Kinder ist die Armut ihrer Eltern.“ Bei ihnen müsste man ansetzen.

Grundsätzlich weist Diettrich darauf hin, dass es für die hohe Armuts- und Ausgrenzungsgefährdungsquote im Land mehrere Gründe gibt. Im Durchschnitt sind Familien im Land etwas kinderreicher als im übrigen Österreich. Außerdem sind die Wohnkosten höher als in den meisten anderen Teilen der Republik. Alles in allem ist daher mehr Geld nötig, um über die Runden kommen zu können.

Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) schlägt ein neues Fördersystem vor. Er spricht sich für eine Kindergrundsicherung aus. In Deutschland ist von der Ampelkoalition eine solche angekündigt worden. Damit solle ein „kindliches Existenzminimum“ gesichert werden. Details sind noch offen.

Michael Diettrich bleibt bei seinem Zugang über die Eltern und plädiert, eher eine andere Lösung zu wählen: „Das Hauptproblem sind die Wohnkosten. Wenn man Familien hier entlastet, haben auch die Kinder mehr davon.“

Am größten ist die Armutsgefährdung bei Alleinerzieherinnen und ihrem Nachwuchs. Vier von zehn gehören laut Wirtschaftsforschungsinstitut dem unteren Einkommensfünftel an. Kein Wunder: Die meisten Mütter können nur Teilzeit arbeiten und verdienen daher auch entsprechend weniger. Hier wäre es wichtig, Betreuungsangebote für Kinder weiter auszubauen, so Diettrich. JOH

„Man sollte die gesamte Familie betrachten. Die Armut der Kinder ist die Armut ihrer Eltern.“

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