Wer hat den Schnabel vorn?

Vorarlberg / 03.01.2022 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Buchfinken suchen ihr Futter überwiegend am Boden und nicken dabei rhythmisch mit dem Kopf

Buchfinken suchen ihr Futter überwiegend am Boden und nicken dabei rhythmisch mit dem Kopf

Von 6. bis 9. Jänner können wieder heimische Wintervögel gezählt werden.

Schwarzach Wo kommen hierzulande welche Vögel vor? Welche Arten sind am häufigsten zu beobachten und welche sind immer seltener anzutreffen? Welche Gebiete sind davon besonders betroffen? Diesen Fragen geht die Zählaktion der Vogelschutzorganisation BirdLife nach. Bereits zum 13. Mal kann jeder große und kleine Vogelfreund zwischen 6. und 9. Jänner 2022 mitmachen und eine Stunde lang die heimischen Wintervögel im eigenen Garten, vom Fenster aus oder in der Umgebung zählen und an BirdLife melden. 

Je mehr Daten gesammelt werden, umso genauer kann die Vogelschutzorganisation Veränderungen in der heimischen Vogelwelt feststellen und sich für den Schutz der gefiederten Tiere stark machen.

Rückgang von Spatz und Co.

Die vorliegenden Daten der vergangenen Jahre zeigen, dass die Anzahl der Vögel in den heimischen Gärten kontinuierlich abnimmt. Dieser negative Trend spiegelt sich in ganz Europa wider. „Auch in Vorarlberg bzw. dem Bodenseegebiet wurde von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee festgestellt, dass viele Vogelarten im Bestand zurückgegangen sind. Dies betrifft vor allem Arten des Offenlandes aber auch häufige Arten, die in Siedlungen zu finden sind, wie der Haussperling oder der Star“, erklärt Ornithologin Johanna Kronberger (33) von BirdLife Vorarlberg. 

Im Winter kann es immer wieder zu Einflügen von nordischen Vogelarten, wie dem Bergfink, kommen. „Letztes Jahr wurden beispielsweise überdurchschnittlich viele Erlenzeisige an den heimischen Futterhäuschen beobachtet“, weiß Kronberger.

Rückschlüsse über Zugverhalten

Durch die Mitmach-Aktion können spannende Rückschlüsse über das Zugverhalten verschiedener Arten getroffen werden. Auch die Gesamtzahl an Vögeln im Garten lässt darauf schließen, wie es der Vogelwelt insgesamt geht. „Darum ist wichtig, dass möglichst viele Leute mitmachen und wir dadurch mehr Einblicke in die Vogelwelt bekommen“, freut sich die Expertin auf viele Teilnehmer. „Wichtig ist bei der Zählung, dass pro Vogelart nur die gleichzeitig gesehene Höchstzahl aufgeschrieben wird. Dies verhindert, dass es zu Doppelzählungen kommt. Wie jedes Jahr gibt es wieder Preise zu gewinnen“, verrät Kronberger. 

Seit 2010 setzt BirdLife auf die Mithilfe der Bevölkerung, um wissenschaftliche Erkenntnisse über das Vorkommen der Vögel zu gewinnen. In Vorarlberg berichten viele Vogelfreunde ebenfalls über eine Abnahme der gefiederten Tiere an den Futterhäuschen. Im Vorjahr nahmen rund 700 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger bei dem Citizen-Science-Projekt teil und beobachteten insgesamt rund 14.000 Tiere. Das entspricht 24 Vögeln pro Garten. In den letzten Jahren lag die durchschnittliche Anzahl bei über 30 pro Garten. Am häufigsten wurde bei der letzten Wintervogelzählung im Land der Haussperling (Spatz) gesichtet, gefolgt von Amsel, Buchfink und Kohlmeise.

Ornithologin Johanna Kronberger freut sich über viele Teilnehmer.

Ornithologin Johanna Kronberger freut sich über viele Teilnehmer.

Der Name des Kleibers deutet auf eine typische Verhaltensweise hin: Zu große Einflugöffnungen und Nisthöhlen werden mit Lehm verklebt. 

Der Name des Kleibers deutet auf eine typische Verhaltensweise hin: Zu große Einflugöffnungen und Nisthöhlen werden mit Lehm verklebt. 

Gimpel schälen ihre Hauptnahrung, nämlich Samen von Kräutern und Bäumen, durch das Drehen in ihrem Kegelschnabel.

Gimpel schälen ihre Hauptnahrung, nämlich Samen von Kräutern und Bäumen, durch das Drehen in ihrem Kegelschnabel.

Charakteristisch für den Eichelhäher sind die schwarz-weiße Flügelzeichnung und das blau schillernde Flügelfeld.

Charakteristisch für den Eichelhäher sind die schwarz-weiße Flügelzeichnung und das blau schillernde Flügelfeld.

Der Bergfink besucht Österreich nur im Winterhalbjahr und ist dabei auch in Siedlungen und am Futterhaus zu beobachten. Brust und Schultern sind auffallend orange gefärbt.

Der Bergfink besucht Österreich nur im Winterhalbjahr und ist dabei auch in Siedlungen und am Futterhaus zu beobachten. Brust und Schultern sind auffallend orange gefärbt.

Zu den Höhlenbrütern zählt der Buntspecht. Sie klemmen Tannenzapfen, Eicheln oder Nüsse in einer Baumspalte ein, um sie zu öffnen und an die Nahrung zu gelangen.

Zu den Höhlenbrütern zählt der Buntspecht. Sie klemmen Tannenzapfen, Eicheln oder Nüsse in einer Baumspalte ein, um sie zu öffnen und an die Nahrung zu gelangen.

Der Stieglitz ist auch als Distelfink bekannt. Der Vogel mit der markanten roten Maske ist oft in der Nähe von Gewässern zu finden, da er oft badet und viel Wasser trinkt.

Der Stieglitz ist auch als Distelfink bekannt. Der Vogel mit der markanten roten Maske ist oft in der Nähe von Gewässern zu finden, da er oft badet und viel Wasser trinkt.

Der Haussperling ist ein Gebäudebrüter. Weil viele alte Gebäude abgerissen oder saniert werden, fehlen die Nistmöglichkeiten. Auch das Insektensterben macht ihm zu schaffen.

Der Haussperling ist ein Gebäudebrüter. Weil viele alte Gebäude abgerissen oder saniert werden, fehlen die Nistmöglichkeiten. Auch das Insektensterben macht ihm zu schaffen.

Der Grünfink präsentiert sich leuchtend grün und gelb. Er ist etwas größer als eine Kohlmeise.

Der Grünfink präsentiert sich leuchtend grün und gelb. Er ist etwas größer als eine Kohlmeise.

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