Zwei Kinder mit Handicap: als Eltern schwer gefordert

Vorarlberg / 03.01.2022 • 10:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zwei Kinder mit Handicap: als Eltern schwer gefordert
Katharina und Tobias Lehner mit ihren Töchtern Annabell (r.) und Victoria.

Familie Lehner aus Hard hat zwei gehandicapte Kinder – eines davon ist schwer beeinträchtigt.

Hard In ihrem Bekanntenkreis haben einige Frauen drei Kinder. Katharina Lehner (37) jedoch möchte kein drittes Kind. „Ich bin froh, dass ich den Alltag mit meinen zwei Kindern bewältige.“ Die gelernte Köchin wollte eine eigene Familie haben. „Wo sollte ich sonst hin?“ Als Tochter Annabell vor neun Jahren zur Welt kam, war die Freude bei Katharina und ihrem Mann Tobias (37) groß.

Aber kurz nach der Geburt stellte sich heraus, dass Annabell schwerhörig ist. Das stürzte die frischgebackene Mutter kurzfristig in eine Krise. „Ich fragte mich, ob ich dem als Mama gewachsen bin?“ Annabell musste bereits als Baby Hörgeräte tragen. „Ohne Hörgeräte hätte sie mich nicht gehört. Unsere Tochter hat sie aber oft herausgerissen und verloren.“ Therapien und Frühförderung bestimmten in der Folge mehrere Jahre lang das Leben von Annabell und ihrer Mutter. „Irgendwie ging es. Mir kam zugute, dass ich es als ehemalige Köchin gewohnt war, viel zu tun zu haben.“

“Ich habe Victoria sofort akzeptiert. Mir war nur nicht klar, ob ich diese Herausforderung bewältige.”

Katharina Lehner, Mutter zweier Kinder mit Handicap

Victoria, die zweite Tochter, kam drei Jahre nach Annabell zur Welt. „Die Hebamme bemerkte bereits bei der Geburt, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt.“ Einen Tag später war klar, dass Victoria körperlich und geistig schwer beeinträchtigt ist. „Das war ein Schock für mich. Es zog mir den Boden unter den Füßen weg.“ Katharina, Tobias und ihre Angehörigen – sie alle vergossen dicke Tränen. Die geschockte Mutter verstand die Welt nicht mehr. „Alle um mich herum haben gesunde Kinder. Ich fragte mich: ,Warum gerade ich nicht?‘“ Aber Katharina lehnte das gehandicapte Kind nicht ab. „Ich habe es sofort akzeptiert. Mir war nur nicht klar, ob ich diese Herausforderung bewältige.“

Seit vergangenem September besucht Victoria das Schulheim Mäder. Bei der Einschulung durfte sich die Sechsjährige über eine Schultüte freuen.
Seit vergangenem September besucht Victoria das Schulheim Mäder. Bei der Einschulung durfte sich die Sechsjährige über eine Schultüte freuen.

Victoria forderte ihre Mutter, auch weil sie ständig krank war und Katharina mehrmals um das Leben des Kindes bangen musste. Nach einem halben Jahr erkrankte die zweifache Mutter an einer Erschöpfungsdepression. „Es gab Tage, an denen ich nicht aus dem Bett kam.“ Eine Familienhelferin und ein Psychologe unterstützten sie in dieser schweren Zeit. „Es tat mir gut, meine Sorgen abladen zu können. Ich wurde verstanden und ermutigt und fühlte mich nicht mehr so allein.“

Als ihre ältere Tochter Annabell in den Kindergarten des Landeshörzentrums aufgenommen wurde, war das eine Entlastung für die Mutter. „Jetzt musste ich nur mehr die Kleine versorgen.“  Aber auch diese Aufgabe brachte Katharina immer wieder an ihre Grenzen. Denn: „Das Kind litt unter Atemproblemen. Eineinhalb Jahre nahm Victoria kein Gramm zu.“ Aber es kam noch schlimmer. „Victoria erlitt mehrere Hirnschläge, den ärgsten im Jänner 2021.“ Seither ist das sechsjährige Mädchen, das weder sprechen noch gehen kann, noch stärker auf Pflege und Hilfe angewiesen. „Ich kann nicht herumhocken und zu Victoria sagen: ,Mach es selbst.‘ Denn ich habe ich ein großes Baby, das gewickelt und gewaschen und dem Essensbrei eingegeben werden muss.“

Lebensaufgabe Kinder

Sechs Jahre lang war Katharina ständig für Victoria da, 24 Stunden am Tag. „Vor lauter Fürsorge vergisst man sich fast selbst.“ Seit vergangenem September, seit das Mädchen das Schulheim Mäder besucht, hat die Mutter wieder Zeit für sich. „Es ist wie ein neues Leben. Ich schätze jede freie Minute, die ich habe. Jetzt kann ich wieder mehr auf mich schauen.“ Katharina wirft einen innigen Blick auf ihr Töchterchen, das gerade mit Legos spielt. „Ich pflege Victoria gern. Ich würde die Pflege nie abgeben. Denn mir ist wichtig, dass es ihr gut geht und sie ein glückliches Leben hat“, meint sie mit Blick auf ihr Nesthäkchen. Die Mutter liebt ihre zwei Kinder über alles. „Ich würde für Victoria und Annabell alles tun, damit es ihnen gut geht.“ Mama zu sein erfüllt Katharina. „Wenn ich noch einmal auf die Welt kommen sollte, möchte ich wieder Kinder bekommen. Denn jeder Mensch braucht eine Lebensaufgabe.“

Im Jänner 2021 erlitt Victoria (6) einen schweren Hirnschlag. Seither hat sich ihr Zustand drastisch verschlechtert. Um den Alltag bewältigen zu können, ist Familie Lehner auf sehr kostenintensive Hilfsmittel angewiesen. So wird ein Spezialrollstuhl und ein Badestuhl benötigt. Auch Umbauten im Haus sind notwendig. Ein Treppenlift muss eingebaut werden und das Bad behindertengerecht umgebaut werden. Hierfür benötigt die Familie finanzielle Unterstützung. Deshalb freut sie sich sehr über Spenden. Spendenkonto – Spende für Victoria, IBAN: AT41 4571 0019 4312 5587, BIC: VOVBAT2B.

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