„Ging wie eine Katze auf mich los“

Vorarlberg / 05.01.2022 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zwei der insgesamt drei serbischen Angeklagten während der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. eckert
Zwei der insgesamt drei serbischen Angeklagten während der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. eckert

Freisprüche für drei Angeklagte nach angeblicher Gewalt bei Familienstreit.

feldkirch Begonnen hatte alles mit einer Diskussion darum, ob sich ein junges serbisches Paar, das bald ein Kind erwartet, ummelden soll. Auf der Anklagebank am Landesgericht Feldkirch sitzen die werdenden Eltern und der Onkel der Frau. Letzterer ist seit 33 Jahren in Österreich und kümmerte sich lange Zeit um seine Nichte. Diese behauptet, dass es bereits in dieser Zeit immer wieder Hiebe gesetzt habe. „Stimmt nicht“, sagt der beschuldigte Onkel.

Konkret geht es um eine Auseinandersetzung im September vergangenen Jahres. Hässliche Drohungen mit „Zusammenschlagen“, sich gegenseitig „Arme und Beine brechen“ oder „umbringen“ und dergleichen seien gefallen. Die Eltern in spe behaupten, dass der erstangeklagte Onkel diese Drohungen geäußert habe. Dieser wiederum beschuldigt die Jungen der gefährlichen Drohung mit in etwa demselben Wortlaut.

Tasse geworfen

Zunächst fielen Beleidigungen am Telefon. Dann fuhr die 21-jährige Drittangeklagte mit ihrem 25-jährigen Freund zur Wohnung ihres Onkels. Außer sich vor Wut betrat sie die Räumlichkeiten. Und schon wieder gehen die Versionen der Angeklagten vor Gericht völlig auseinander. Der Onkel behauptet, sie habe eine Tasse nach ihm geworfen. Die Nichte verneint.

Die Eindringlinge seien von ihm mehrfach aufgefordert worden zu gehen, so der Erstangeklagte. Schließlich habe er versucht, die Frau hinauszuziehen. „Sie ging aber wie eine Katze auf mich los, ich musste mich wehren“, so der 52-Jährige. Ganz anders wiederum die Version der jungen Frau. Die sagt nämlich: „Er ging völlig grundlos auf mich los, hielt mich mit der linken Hand an den Haaren und schlug mit der rechten Faust mehrmals heftig auf meinen Kopf ein.“

Doch die Verteidigung bezweifelt, dass ein Mann von 1,80 Meter Größe und einem Gewicht von knapp 100 Kilo lediglich eine leichte Rötung im Gesicht des Opfers hinterlassen hätte, wären die Schläge wirklich so ausgeführt worden wie behauptet.

Nur Widersprüche

Schlussendlich kommt Richterin Sabrina Tagwercher zu dem Ergebnis, dass praktisch gar nichts „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ feststeht. Es gibt nur Widersprüche. Eine Seite ist so glaub- oder unglaubwürdig wie die andere. Es bleibt völlig unklar, wer wen geschlagen oder verletzt hat. Alle auf Lichtbildern dokumentierten Verletzungen können auch andere Ursachen haben sein. Somit bleibt eine zerstrittene Familie, Freispruch für alle und die Hoffnung, dass nun Ruhe einkehrt. EC

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