Im Auge des Taifun gab‘s kein Entrinnen

Vorarlberg / 05.01.2022 • 18:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schäden bei Bernhard Waibel hielten sich noch in Grenzen.
Die Schäden bei Bernhard Waibel hielten sich noch in Grenzen.

Bernhard Waibel überstand auf den Phillippinen einen Monstersturm. Helfen will er jetzt anderen.

Cebu Für den sonst so ruhigen und ausgeglichenen Lustenauer Bernhard Waibel nimmt das Wechselbad der Gefühle kein Ende. Noch am 26. November durfte er auf den Philippinen seinen Sohn Sebastian, den er seit dessen Geburt eineinhalb Jahre wegen der Pandemie nicht sehen konnte, überglücklich in die Arme schließen – die VN berichteten.

Bedrohliche Stunden

Exakt einen Monat später schlug das Glückspendel in die andere Richtung aus. Ausgerechnet die Insel Cebu, auf der sich Waibel mit seiner Frau Janice eine Existenz aufgebaut hatte, wurde vom schrecklichen Taifun heimgesucht. „Meine Gegend lag genau im Auge des Sturms“, erzählt Lustenauer.Das Unglück kündigte sich schon beim Studium der Satellitenbilder an. Und dann war er da. „Um 20 Uhr begann es zu rumpeln und zu scheppern. Wir schliefen mit unserem Söhnchen im oberen Stockwerk, wo die Situation immer bedrohlicher wurde. Wir zogen uns deshalb in die Küche im Erdgeschoss zurück.“ Der ohrenbetäubende Lärm wurde von peitschendem Regen begleitet. Waibel hatte fünf Stunden alle Hände voll zu tun, um die Laufschiene der großen Glasschiebetür halbwegs dicht zu halten. „Wäre das Glas dort zersprungen oder das Wasser eingedrungen, wäre das für uns gefährlich geworden.“

Irgendwann am frühen Morgen war der Albtraum zu Ende. „Das Bild, das sich bei Tagesanbruch bot, war dann allerdings erschütternd.“

Naturjuwel zerstört

Dabei bezieht sich Waibel gar nicht so sehr auf sein Haus. Das hatte vor allem Schäden am Dach. „Ich bin versichert und werde das mit meinem Background überstehen.“ Viel mehr schockierten den Lustenauer die Bilder aus seiner Nachbarschaft und bei den vielen kleinen Touristikunternehmen auf der Taucherinsel. „Da haben viele kein Dach mehr über dem Kopf und kein Geld, um das reparieren zu lassen. Den Tauchlehrern und den Fischern wurden all ihre Boote, die sie in eine vermeintlich sichere Bucht geparkt hatten, in ihre Einzelteile zerlegt. Das ist ihre Existenz“, berichtet Waibel. Keine Boote, das bedeutete auch keine Fische am Markt mehr. Hinzu kommen die dramatischen Zerstörungen der Natur. So wurde das Korallenparadies in Ufernähe vom Taifun fast völlig zerstört. Strom gibt es an Waibels Wohnort noch immer nicht, Internet und Telefonverbindung erst seit Kurzem. „Ich war für mehrere Tage von jeder Kommunikationsmöglichkeit abgeschnitten.“

Keine Kommunikation

Erstmals gelang es Waibel nach gut einer Woche, mit einer seiner Töchter in Lustenau Kontakt aufzunehmen. Seit einigen Tagen gelingt Kommunikation auch wieder über WhatsApp. Seine wichtigste Botschaft an alle Freunde, Verwandten und Bekannten in Lustenau: „Ihr müsst nicht mir und meiner Familie, sondern den Menschen in meiner Nachbarschaft helfen.“ Der nunmehrige Pensionist möchte Geld sammeln und die Leute in seiner Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgen. „Ich will Päckchen machen und verschenken, Päckchen mit Reis und Lebensmittelkonserven.“ Zu diesem Zweck hat er ein Konto bei seiner Hausbank in Lustenau eröffnet. VN-HK

„Ich bin versichert, habe einen Background und werde alles gut überstehen. Bei anderen geht es hier um die Existenz.“

Dieses Haus wurde vom Taifun übel zugerichtet. Viele Menschen auf Cebu stehen vor dem Nichts. Waibel
Dieses Haus wurde vom Taifun übel zugerichtet. Viele Menschen auf Cebu stehen vor dem Nichts. Waibel

Spenden für die Leidtragenden des Taifuns auf der Insel Cebu sind über das Konto „Taifun Opfer Philippinen Bernhard Waibel“ AT60 3742 0000 0021 4015 möglich.

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