Kinder- und Jugendanwälte warnen vor Impfpflicht für 14- bis 18-Jährige

Vorarlberg / 05.01.2022 • 18:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine Impfpflicht würde zu hohen Druck auslösen.RTS
Eine Impfpflicht würde zu hohen Druck auslösen.RTS

Geldstrafen seien verfehlt, ­ebenso Sanktionen für ­Ungeimpfte.

Schwarzach Die Bundesregierung vergisst bei der Impfpflicht auf die Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen. Zu diesem Schluss kommen die Kinder- und Jugendanwälte in ihrer Stellungnahme zum Impfpflicht-Gesetz. Der Entwurf sei weder treffsicher noch berücksichtige er die psychischen Folgen einer Impfverpflichtung für die 14- bis 18-Jährigen. Der „Impfzwang“ solle für diese Altersgruppe aufgeschoben werden. Geldstrafen oder anderweitige Sanktionen für ungeimpfte Kinder und Jugendliche lehnt die Anwaltschaft ab. Auch deren Vorarlberger Vertreter Michael Rauch unterzeichnete die Stellungnahme.

Die Impfpflicht ist ab Februar geplant und soll für alle Personen ab 14 Jahren mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Österreich gelten. Es drohen Strafen von bis zu 3600 Euro. Den Kinder- und Jugendanwaltschaften widerstreben diese Pläne. „Ein gesetzlicher Impfzwang für Jugendliche birgt ein enormes Risiko.“ Die bereits hohe psychische Belastung würde sich verschärfen, unabsehbare Folgen für die Zukunft dieser Altersgruppe würden riskiert. Die Kinder- und Jugendanwälte warnen außerdem davor, dass die 14- bis 18-Jährigen „durch die geplante Maßnahme noch größerem familiären, sozialen, schulischen sowie gesellschaftlichen Druck ausgesetzt werden“. Gleichzeitig habe es die Politik verpasst, Kinder und Jugendliche mit einer großen Informationskampagne über die Bedeutung der Impfung im Kampf gegen das Coronavirus aufzuklären.

„Impfzwang aufschieben“

Laut Kinder- und Jugendanwaltschaften fehlt die wissenschaftliche Evidenz, ob eine Pflicht für 14- bis 18-Jährige medizinisch tatsächlich notwendig ist: „Es wird dringend empfohlen, den gesetzlichen Impfzwang für diese Altersgruppe zumindest zeitlich aufzuschieben.“ Eine Nutzen-Schaden-Analyse gehöre durchgeführt.

Zudem seien die geplanten Geldstrafen für die Jugendlichen zu hinterfragen. Die Bußen würden überwiegend von den Erziehungsberechtigten bezahlt. So verfehlten Strafen nicht nur das Ziel der Generalprävention. 14- bis 18-Jährige aus sozial benachteiligten Familien würden zusätzlich mit finanziellem Druck konfrontiert. Informationsgespräche wären laut den Kinder- und Jugendanwälten nachhaltiger. Sie betonen, dass Kinder und Jugendliche bereits die größten Opfer in der Pandemie bringen mussten, aber gleichzeitig jegliche Maßnahmen vorbildhaft mitgetragen hätten. „Nun ist es an der Zeit, diese besonders schutzwürdige Bevölkerungsgruppe nachhaltig zu schützen und auf ihre Bedürfnisse bestmöglich einzugehen.“ VN-ebi

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