Bauland, Häuser, Wohnungen: So teuer wird Wohnen

Vorarlberg / 07.01.2022 • 10:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bauland, Häuser, Wohnungen: So teuer wird Wohnen

Immobilienpreise auf neuem Rekordniveau. Vorarlberger kauften im Vorjahr Immobilien für 2,75 Milliarden Euro.

Dornbirn Die Kurve verläuft immer steiler. Vorarlbergs Immobilienmarkt überbietet sich seit Jahren mit neuen Rekordwerten. Auch die Preise kennen nur eine Richtung: kräftig nach oben.

VN-Recherchen im Grundbuch auf Basis tatsächlich erfolgter Immobiliengeschäfte dokumentieren mit einem Gesamtvolumen von 2,75 Milliarden Euro für 2021 ein neues Allzeithoch. Baugrund, Wohnungen, Häuser: noch nie zuvor wurde so viel dafür bezahlt. Alleine zum Jahr davor legte der Markt um 17,9 Prozent zu. Getrieben wird die Entwicklung von einem regelrechten Bauboom im Wohnungsbereich. Täglich finden knapp zehn Wohnungen einen neuen Eigentümer. Mit 3603 Verkäufen machte das Wohnungsgeschäft im Vorjahr 40 Prozent des Gesamtmarktes aus. Mit durchschnittlich 5110 Euro pro Quadratmeter (Neu- und Gebrauchtwohnungen) sind die Kosten im 5-Jahres-Vergleich um 36 Prozent gestiegen.

Bauland, Häuser, Wohnungen: So teuer wird Wohnen

Baugrund bleibt rar, immer mehr Investoren veranlagen in Betongold und der Wirtschaft geht es gut: alles Voraussetzungen für weiter steigende Preise, wie die Dornbirner Immobilienexpertin Petra Kreuzer (51) beschreibt. „Die wirtschaftliche Entwicklung ist ein wesentlicher Faktor, deshalb kann man von einer weiterhin dynamischen Entwicklung am Wohnungsmarkt ausgehen“, so die Unternehmerin. Kapitalkrfätige Investoren sind längst auf den Geschmack gekommen. Neue Immobilienfirmen seien zuletzt wie Pilze aus dem Boden geschossen. „Die Finanziers dürfen bei Grundstücksimmobilien auf Sicherheit und Wertsteigerung hoffen, beim Wohnraum zudem auf eine entsprechende Rendite“, so Kreuzer.

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Immobilienexpertin Petra Kreuzer.

Mietpreise am Plafond

Dass der Markt überhitzen könnte, sieht die Expertin bei gleichbleibender Zinssituation nicht. Anzeichen dafür gebe es derzeit keine. Mit der guten wirtschaftlichen Entwicklung und dem Zuzug ins Land bleibt die Nachfrage gegeben. Was die Mietpreise betrifft, könnte aber der Plafond erreicht sein. Das steigende Angebot an neuen Wohnungen setze zudem den Gebrauchtmarkt etwas unter Druck. Es könne nicht mehr alles um jeden Preis vermietet werden, so Kreuzer. Vor allem dort, wo länger nicht mehr investiert worden sei. Insgesamt beobachte man eine steigende Nachfrage nach günstigen Mietwohnungen. Die Zahl junger Haushalte als Käufer sei rückläufig. Untermauert wird diese Entwicklung auch durch Zahlen der Statistik Austria. In Vorarlberg könnte es demnach bald mehr Mieter als Eigentümer geben. Schon jetzt liegt ihr Anteil bei rund 42 Prozent – Tendenz steigend.

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Die Coronapandemie hatte bisher keine bremsende Wirkung auf die Entwicklung des Immobilienmarkts. Sie sorgte aber für Veränderungen bei den Bedürfnissen von Käufern und Mietern. So sei die Nachfrage nach Wohnungen mit größeren Balkonen und Gartenanteil deutlich gestiegen“, so Kreuzer. Auch Homeoffice spiele bei der Wohnungssuche verstärkt eine Rolle.

Explodierende Grundstückspreise

Die Preise von Wohnraum im Land werden stark von den explodierenden Grundstückskosten getrieben. Für immer mehr private Häuslebauer wird Bauland unerschwinglich, wie die VN-Analyse im Grundbuch zeigt. Im Schnitt der letzten fünf Jahre haben durchschnittlich knapp 500 Baugrundstücke den Besitzer gewechselt. 2021 lag der Quadratmeter im Schnitt mit 649 Euro um 57,7 Prozent über jenem im Jahr 2017. In guten Lagen zahlen gewerbliche Käufer bereits 1200 Euro und mehr. Weil trotz einer großen Anzahl gewidmeter Flächen, kaum Baugrundstücke mobilisiert werden können, dürfte sich an den steigenden Preisen kaum etwas ändern. „Die allgemeinen Rahmenbedingungen deuten darauf hin, dass sich die Grundstückspreise auch 2022 weiter erhöhen werden“, so Immobilienexpertin Kreuzer. Ein Rekordniveau scheint jedenfalls noch nicht erreicht zu sein.

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Wohl auch nicht bei den wenigen Einfamilienhäusern, die auf dem Markt sind. Das geringe Angebot und die große Nachfrage haben zu massiven Steigerungen geführt. Der Quadratmeterpreis ist alleine in den letzten fünf Jahren laut Grundbuchdaten um 87 Prozent in die Höhe geschnellt.

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