Die Gefahr für den Achtalweg liegt in der Substanz

Vorarlberg / 07.01.2022 • 20:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Beton und damit der Weg geben nach und verschwinden. VN/Rauch
Der Beton und damit der Weg geben nach und verschwinden. VN/Rauch

Seit Jahren erhält Werner Auinger den Weg auf der Trasse der alten Wälderbahn.

BREGENZ, DOREN Erst vor wenigen Tagen brachte Werner Auinger einen Rucksack voll Vogelfutter in das Achtal zu seinem Vogelhaus aus Bahnschwellen. Die meisten Wanderer kennen ihn wohl eher mit seiner kleinen Akkusäge oder Spitzhacke in der Hand, denn seit 2013 hält der Bregenzer den Weg zwischen Bregenz und Bozenau begehbar.

Zerbröckelnde Betonbauten

2016 beschäftigte der Pensionist damit auch die Bezirkshauptmannschaft. Denn aus den Bahnschwellen schuf er nicht nur Vogelhäuschen und Sitzbänke, sondern auch eine Brücke und Stege. Er selbst sah darin nur Vorteile: Der Steg schützte Wasserbiotope, in denen seltene Frösche lebten, vor Wanderern und Radfahrern. Die Behörde sah jedoch vor allem ein Haftungsproblem durch die Bauten.

Der Achtalweg ist kein Wanderweg, sondern ein alpiner Steig. Er befindet sich seit 1995 in einem Natura-2000-Schutzgebiet. Die anhaltende Nutzung des Weges durch Wanderer und Radfahrer ist eine Gradwanderung zwischen Naturschutz und Mobilität. Seit dem Auflassen der Bahntrasse 1983 wurde der Weg nicht mehr gepflegt – bis Auinger seine Arbeit aufnahm.

Doch die öffentliche Hand kam durch die anhaltende Nutzung ebenfalls in Zugzwang. Vor knapp einem Jahr wurde die beiden Bahntunnel zwischen Bregenz und Doren mit Spritzbeton gesichert. Notwendig wurde dies ebenfalls aus Haftungsgründen, da sich Teile der Decke lösten.

Doch es gibt noch weiteren Sanierungsbedarf, warnt Auinger: Während die steinernen Stützmauern stabil erscheinen, sind jene aus Stahlbeton stark in Mitleidenschaft gezogen. Teile des Mauerwerks gaben bereits nach, zerbröckelten und legten den Stahl frei. Auch die aus den Schienen und Bahnschwellen erstellten Schutzwände geben langsam nach und haben oft kaum mehr eine Schutzwirkung. Die Natur droht Tatsachen zu schaffen.

Unterschiedliche Interessen

Die Wünsche bezüglich der Bregenzerachschlucht sind widersprüchlich: Die einen wünschen sieh einen Radweg zwischen Bregenz und Doren, auch als attraktive Alternative zum motorisierten Verkehr zwischen dem Bodenseeufer des Rheintals und dem Bregenzerwald. Die anderen wollen das Tal im Sinne der Natura-2000 der Natur vollständig zurückgeben.

Auch Auinger bekommt von beiden Rückmeldungen: „Die einen danken mir für meine Arbeit, die anderen sagen, ich soll doch Natur Natur sein lassen.“ Er selbst sieht sich im Mittelfeld: Einen maximal 1,2 Meter breiten Weg könne man doch erhalten. Allein schon, da diese Breite gerade E-Biker genug ausbremst, um den Weg und die Natur zu schonen. Ein schmaler Weg zwischen Natur und Ach als Mittelweg zwischen Naherholung, Naturschutz und Mobilität.

Werner Auinger sorgt sich um den Zustand der Stützmauern.VN/RAUCH
Werner Auinger sorgt sich um den Zustand der Stützmauern.VN/RAUCH
Entlang der hohen Stützmauer droht die alte Trasse wegzubrechen. VN/Rauch
Entlang der hohen Stützmauer droht die alte Trasse wegzubrechen. VN/Rauch

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