Dem Mittelalter auf der Spur

Vorarlberg / 09.01.2022 • 17:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Spurensuche in der Parzelle Birnbaum: Sondierung mit Dr. Andreas Picker (Bundesdenkmalamt), Archäologe Claus-Stephan Holdermann, Bürgermeister Herbert Sparr und Eric Jaeger vom Archivteam (von links). <span class="copyright">Reinhard Büchele</span></p><p class="caption"/>

Spurensuche in der Parzelle Birnbaum: Sondierung mit Dr. Andreas Picker (Bundesdenkmalamt), Archäologe Claus-Stephan Holdermann, Bürgermeister Herbert Sparr und Eric Jaeger vom Archivteam (von links). Reinhard Büchele

Höchst fahndet nach uralter Siedlung Birnbaum sowie dem einstigen Verlauf des Rheins.

HÖCHST In der Rheindeltagemeinde Höchst wollen Fachleute ergründen, ob sich Spuren der Besiedlung im Mittelalter finden lassen. Hinweise gibt der einstige Verlauf des Rheins, der damals nicht im heutigen Bett floss. Am schiffbaren Teil des Stroms bestand einst die längst verschwundene Ortschaft Birnbaum. Davon existiert noch ein Flurname und dort wird geforscht.

Höchst-St. Margrethen zusammen

Nicht umsonst bildeten Höchst und die Schweizer Nachbargemeinde St. Margrethen einst eine Einheit: Sie waren offenbar nicht durch den Alten Rhein getrennt. Der Rhein floss bis vor der Zeit von Kaiser Otto II. (955–983) von Brugg Richtung heutigem Rohrspitz, ein Rest dieses Flussverlaufes ist der Untere Lochsee. Einen deutlichen Hinweis auf diesen Flussverlauf gibt ein Baumstamm, der bei Grabungsarbeiten entdeckt wurde. Zwei wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die 84-jährige Weide bei einem Rheinhochwasser vor 1381 Jahren, also 723/724 nach Christus, bei einem Rheinhochwasser im Bereich Süßenacker/Birkenfeld abgelegt worden war. Unter anderem wurde die Dendrochronologie eingesetzt, also die Alterserforschung anhand der Jahresringe des Baumes.

Mehr als ein Jahrhundert nach dem Hochwasser, das diesen Baumstamm nach Höchst verfrachtet hatte, grub sich der Rhein offenbar ein neues Bett und trennte Höchst von St. Margrethen.

Birnbaum unweit des Lochsees

In der Nähe des Unteren Lochsees findet sich die Parzelle Birnbaum. Dort waren offenbar noch bis um das Jahr 1300 Schiffleute zuhause, wie Urkunden aus dieser Zeit zu entnehmen ist. Dann verlandete der alte Rheinarm, die letzten Siedler zogen ab. Wo genau sich deren Behausungen befunden haben, soll nun erforscht werden. Das berichtet Eric Jaeger vom Archivteam der Gemeinde Höchst. Archäologe Claus-Stephan Holdermann M.A. sowie Dr. Andreas Picker vom Bundesdenkmalamt in Bregenz haben vor den ersten Untersuchungen im Gebiet Birnbaum zur Begehung geladen. Ihr Vorhaben bietet die Möglichkeit, mit dem Projekt „Zu Land und zu Wasser – Archäologie im Rheindelta“ einen Aspekt der Entwicklung des Rheindeltas zu erforschen.

Bohrkerne aus zwei Metern Tiefe

Um abzuklären, ob sich Spuren finden lassen, werden zuerst Sonden eingesetzt ähnlich der Vorgänge bei der Personensuche nach einem Lawinenabgang. Nach Absprache mit den Grundbesitzern wird das Gelände Anfang 2022 systematisch mittels Bohrstöcken abgesucht.

Von Hand gezogene Bohrkerne reichen bis zu zwei Metern tief. Finden sich darin etwa Holzkohle oder andere Spuren menschlicher Aktivitäten, so gibt es weitere Möglichkeiten, Hinweise auf eine Besiedlung aufzuspüren.

Weitere technische Möglichkeiten

Die Auswertung von Luftbildern, der Einsatz von Metallsuchgeräten sind vorstellbar, schlussendlich aber auch Geomagnetik, Geoelektrik und Georadar. Diese Technik ist allerdings aufwendig und kostspielig und wird wohl nur eingesetzt, wenn sich im Vorfeld tatsächlich vielversprechende Hinweise ergeben.

Bitte an Bauherren

Die Gemeinde Höchst und das Team des Schaudepots ersuchen alle Bauherren um Informationen, sollten bei zukünftigen Grabungsarbeiten in tieferen Erdschichten Baumstämme gefunden werden. Solche Fundobjekte ermöglichen oft einen wertvollen Einblick in die Frühgeschichte der Heimatgemeinde. AJK

Dieser Baumstamm wurde 723/724 vom Rhein im heutigen Ortsgebiet von Höchst angeschwemmt. <span class="copyright">E. Jaeger</span>
Dieser Baumstamm wurde 723/724 vom Rhein im heutigen Ortsgebiet von Höchst angeschwemmt. E. Jaeger
Dendrochronologie ermöglicht durch den Vergleich der Jahresringe die exakte Altersbestimmung eines Baumes.
Dendrochronologie ermöglicht durch den Vergleich der Jahresringe die exakte Altersbestimmung eines Baumes.

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